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Wasserleitung sorgt für Zeitverzug

Besichtigung der Freibadbaustelle: Verantwortliche informieren über den Baufortschritt – Förderverein überreicht 180000 Euro

Um Interessierten die Gelegenheit zu geben, sich die Baustelle auf dem Freibadgelände aus der Nähe anzuschauen und erklären zu lassen, hat es am Samstag zwei Baustellenführungen mit den Projektverantwortlichen gegeben. Die Teilnehmer haben aufmerksam zugehört, etliche Fragen gestellt und von Überraschungen erfahren, die eine Sanierung mit sich bringen kann. Dem Zeitplan hinkt der Umbau hinterher.

Bohrpfähle und Bodenplatte sind schon fertig, nun wird an der Bewehrung für das neue Schwimmbecken gearbeitet. Bald sollen die Edelstahlarbeiten beginnen.

© Jörg Fiedler

Bohrpfähle und Bodenplatte sind schon fertig, nun wird an der Bewehrung für das neue Schwimmbecken gearbeitet. Bald sollen die Edelstahlarbeiten beginnen.

Von Nicola Scharpf

BURGSTETTEN. Mit Kreide steht auf einer kleinen, blau gerahmten Tafel, die linkerhand im überdachten Eingangsbereich des Freibads von Erbstetten hängt, geschrieben: 39,6 Grad. Dazu kommen gurgelnde, gluckernde Geräusche – fast so, wie sich eine Pumpe im Freibad eben anhört, wenn sie Wasser ansaugt. Wer nun die Augen schließt und viel Fantasie hat, kann sich gedanklich vielleicht schon in den nächsten Hochsommer und ins sanierte Freibad katapultieren. Wer die Augen offen lässt und in der Wirklichkeit bleibt, sieht eine große Baustelle an einem Novembertag bei höchstens 9,6 Grad. Das Gurgeln kommt tatsächlich von einer Pumpe. Ihre Aufgabe ist allerdings, Grundwasser aus der Baugrube zu transportieren.

Rund 40 Interessierte haben sich am Bauzaun eingefunden, um sich von den Projektverantwortlichen vom Planungsbüro Richter und Rausenberger aus Gerlingen bei der ersten Führung des Tages über die Baustelle und ihren Fortschritt informieren zu lassen. Auf der anderen Seite des Zauns ist der Kran in Bewegung. Drei Männer arbeiten an einem Stahlgeflecht. „Gerade wird die Bewehrung für das neue Becken gelegt“, erklärt Projektleiterin Julia Leibiger. Das neue Becken wird sozusagen ins alte Becken hineingebaut. „Keines der Teile vom alten Becken war statisch zu verwenden“, sagt Bauleiter Ralf Bauer. Also wurde zunächst der Kopf des alten Beckens abgerissen. Es wurden 50 Bohrpfähle von jeweils sieben Metern Länge in den Boden eingelassen. „Die neue Bodenplatte ist schon drinnen.“ Auf diese Sondergründung kommt schließlich das Edelstahlbecken, für das sich der Gemeinderat ausgesprochen hat. Am 9. Dezember sollen die Arbeiten am Edelstahlbecken beginnen. „Wir haben hier mehrere Baustellen in einer“, schildert Leibiger. Denn das Erstellen des 33,3 Meter langen Beckens für Nichtschwimmer und Schwimmer ist nur ein Teil der Sanierung. Es entstehen auch ein neues Kinderbecken inklusive Bachlandschaft mit Spritzdüsen, Wasserrad, Staudamm und Findlingen sowie ein neues Sanitär- und Duschgebäude. Die Technik wird ebenfalls erneuert. Dazu gehören unter anderem neue Filter. „Das sind Ihre neuen Filter“, zeigt Leibiger den Zaungästen drei blaue, bauchige Kunststoffbehälter, die auf der Liegewiese auf ihren Einbau warten.

Als Herz des Freibads bezeichnet Gerhard Wiedmann die Technik. Der verantwortliche Planer für Heizung und Sanitär schildert, was passiert, um das Beckenwasser sauber zu bekommen. Wesentlicher Bestandteil dafür ist der Schwallwasserbehälter, der in einem großen Bauwerk seinen Platz haben wird. Der Rohbau steht schon. Später wird der Bau unterirdisch sein. Nach der Rohbauphase werden „etliche Hundert Meter Rohre verlegt“, so Wiedmann. „Die Wasseraufbereitung sieht der Badegast am Schluss nicht.“ Für den Schwimmmeister sei es aber eine große und verantwortungsvolle Aufgabe, die Filtrationsanlage zu betreuen.

Ein Teilnehmer will wissen, ob sich ein Sprungbrett anstelle eines Startblocks bauen ließe. Das gehe wegen der fehlenden Wassertiefe nicht, antworten die Projektverantwortlichen. Ein weiterer Zuhörer erkundigt sich, wie viel schmaler das neue Becken gegenüber dem alten ist und ob es noch vier Bahnen geben wird. „Es sind noch vier Bahnen, aber nicht nach Olympianorm“, gibt Julia Leibiger Auskunft. Das neue Becken sei schon deutlich schmaler. Die (kostspielige) Alternative wäre gewesen, eine Längsseite des alten Beckens komplett abzureißen und so an Breite zu gewinnen.

„Wenn man in den Tiefbau geht, entdeckt man Dinge“

Eine Frage aus den Teilnehmerreihen kommt zum Zeitplan. Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz antwortet mit einem klaren Nein, das Projekt hinke zeitlich hinterher. „Bei einer Sanierung ist es so, man weiß nie, was rauskommt.“ Gerhard Wiedmann stimmt zu: „Wenn man in den Tiefbau geht, entdeckt man Dinge.“ In diesem Fall ist die Zeit kostende Überraschung eine Wasserleitung, die in keinem Plan dokumentiert ist und von der man bis zum Beginn der Bauarbeiten nichts ahnte. Ein Wassermeister im Ruhestand allerdings wusste von ihrer Existenz und machte die Verantwortlichen darauf aufmerksam. Mit Wünschelrutengänger und Schürfungen hat man die Leitung und ihren Verlauf schließlich ausfindig gemacht: Es handelt sich um die Hauptwasserleitung, die Burgstall und den Kirschenhardthof versorgt. Bevor man also diese wichtige Leitung durch Bauarbeiten beschädigt, wurde entschieden, mit dem geplanten Anbau für die Freibadtechnik zu warten – und zwar so lange, bis die beiden Teilorte über die neue Wasserleitung, die im Rahmen des interkommunalen NOW-Projekts entsteht, versorgt werden können. „Wir hoffen auf eine Umbindung in der ersten Dezemberwoche. Erst dann können wir an die bestehende Leitung ran und mit dem Technikanbau beginnen“, so Wiedersatz. Leibiger schätzt, dass die Sanierung ihrem Zeitplan etwa acht Wochen hinterherhinkt.

Währenddessen ist der Förderverein weiterhin ambitioniert dabei, Euro um Euro für die insgesamt rund 2,4 Millionen Euro kostende Sanierung zusammenzusammeln. So hat er dieses Mal die Teilnehmer der Baustellenführungen vor dem Bädle mit Waffeln und Punsch bewirtet. Auch hat er – wie schon bei der Amtseinsetzung von Bürgermeisterin Wiedersatz in der vergangenen Woche – Mosaiksteine verkauft, damit künftig ein Delfinmotiv den Eingangsbereich des sanierten Bades zieren kann. Jeder Stein kostet einen Euro. Verkauft werden sie im Rathaus in Burgstall, beim Gutslestreff in Erbstetten und beim Weihnachtsmarkt des Musikvereins in Burgstall. Geld, das über den Materialwert hinausgeht, ist eine Spende für das Bädle. Der Mosaikverkauf ist nur eine von vielen kreativen und lukrativen Ideen des Vereins, die Sanierung finanziell zu unterstützen. So haben Vereinsmitglieder die Baustellenbesichtigung als Anlass genommen, der Gemeinde Spendenschecks in Höhe von 180000 Euro zu geben.

Der Förderverein überreicht 180000 Euro in Form symbolischer Schecks (von links): Theo Streitberg, Sibilla Bolay, Thorsten Hassolt, Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz, Matthias Kößner, Anja Geldner und Helga Schoger. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Förderverein überreicht 180000 Euro in Form symbolischer Schecks (von links): Theo Streitberg, Sibilla Bolay, Thorsten Hassolt, Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz, Matthias Kößner, Anja Geldner und Helga Schoger. Fotos: J. Fiedler

Ein Delfin aus Mosaiksteinen soll den neuen Eingangsbereich zieren. Dafür sammelt der Förderverein Spenden. Fotomontage: Sibilla Bolay

© Sibilla Bolay

Ein Delfin aus Mosaiksteinen soll den neuen Eingangsbereich zieren. Dafür sammelt der Förderverein Spenden. Fotomontage: Sibilla Bolay

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Erstellt:
25. November 2019, 06:00 Uhr

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