Wechselunterricht wird wieder möglich

In Schulen sind Klassen im Präsenzunterricht bisher weiter voll besetzt. Das könnte sich aber ändern, sobald der Kreis zum Hotspot wird. Für ältere Schüler soll es wieder Wechselunterricht geben. Auch in den Tagen vor Weihnachten gibt es Fernunterricht.

Alles kann man durch Homeschooling nicht lernen: Werkstattleiter Martin Klenk (Zweiter von rechts) erklärt Schülern der Gewerblichen Schule Backnang die ganz neue CNC-Maschine.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Alles kann man durch Homeschooling nicht lernen: Werkstattleiter Martin Klenk (Zweiter von rechts) erklärt Schülern der Gewerblichen Schule Backnang die ganz neue CNC-Maschine.Foto: J. Fiedler

Von Kristin Doberer

BACKNANG. Während die Zahlen im Kreis weiter steigen und immer neue Kontaktbeschränkungen kommen, sitzen viele Schüler noch immer ohne Abstand in vollen Klassenzimmern. Dabei sollten vor den Weihnachtsfeiertagen eigentlich auch in den Schulen die Kontakte möglichst minimiert werden. Im Gegensatz zu manchen anderen Bundesländern wurde der Ferienbeginn in Baden-Württemberg dafür aber nicht pauschal vorgezogen, die Schule geht wie geplant bis zum 22. Dezember. Udo Weisshaar, Schulleiter am Gymnasium in der Taus, hätte eine Verlängerung der Weihnachtsferien begrüßt. Auch bei der Schulleitung ist der Anstieg der Infektionszahlen im Kreis zu spüren, in der vergangenen Woche seien wieder mehr Schüler in Quarantäne gewesen. Ohne die Extrazeit zwischen Ferienbeginn und Weihnachten könne es passieren, dass Schüler erst später Symptome entwickeln und die Schulleitung dann über die Feiertage betroffene Kontaktpersonen informieren muss. „Das ist einfach eine potenzielle Gefahr für andere“, sagt der Schulleiter.

Aufgrund der hohen Infektionszahlen gibt es aber eine Ausnahme für Schüler der Klassen 1 bis 7. Hier können Eltern selbstständig entscheiden, ob sie ihre Kinder am Montag und Dienstag vor Weihnachten lieber zu Hause lassen wollen. „Aus Infektionsschutzgründen wäre das sicher gut“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring, die leitende Schulamtsdirektorin. Denn dadurch sei mehr Zeit vor den Weihnachtsfeiertagen, um eventuelle Infektionen zu erkennen. „Bisher sieht es allerdings nicht so aus, als würden das viele Eltern nutzen“, sagt sie. Bei vielen sei am Ende des Jahres die Betreuung ein Problem, da Eltern bereits im Frühjahr viel auf ihre freien Tage zurückgreifen mussten.

Nur für Schüler ab der 8. Klasse wird Wechselunterricht möglich.

Für ältere Schüler gibt es allerdings andere Regeln. Da diese zum einen auch ohne elterliche Aufsicht daheim bleiben können und – laut Aussagen der Leopoldina – stärker epidemiologisch betroffen sind als die Jüngeren, müssen Schüler ab der 8. Klasse an den zwei Schultagen vor Weihnachten komplett im Fernunterricht lernen. „Wir sehen das auch ein wenig als Übung“, sagt Isolde Fleuchaus, Schulleiterin der Gewerblichen Schule Backnang, obwohl sie ihre Schule auch so sehr gut auf den eventuell kommenden Wechsel zum Fernunterricht vorbereitet sieht. Denn sollten die Infektionszahlen die Inzidenz von 300 übersteigen, müssen ältere Schüler wieder komplett auf Fernunterricht umsteigen (siehe Infokasten). Noch ist es im Rems-Murr-Kreis nicht so weit, doch auch ab einer Inzidenz von 200 gibt es Änderungen an den Schulen.

Sollte der Rems-Murr-Kreis am Wochenende zum Hotspot werden, haben die Schulen die Möglichkeit, auf Wechselunterricht umzustellen, sodass immer nur die Hälfte einer Klasse anwesend ist. In den Klassenzimmern kann so mehr Abstand gehalten werden, Kontakte können besser vermieden werden. Allerdings kann das nicht in allen Klassen angewandt werden. Wechselunterricht ist erst ab der 8. Jahrgangsstufe möglich, Abschlussklassen aber müssen beim Präsenzunterricht bleiben. Auch besondere Klassen zum Beispiel zur Berufsvorbereitung werden nicht getrennt. Für die Gewerbliche Schule Backnang wäre der Wechselunterricht aber trotzdem ein positiver Schritt. Schulleiterin Isolde Fleuchaus wartet nur noch auf ein Zeichen vom Landkreis. „In 30er-Klassen fühlen wir uns immer unwohler. Wir können die Gefahr gar nicht mehr richtig einschätzen.“ Der Wechsel zum hybriden Unterricht könnte an der gewerblichen Schule sehr schnell umgesetzt werden. Schließlich müssen sowohl Lehrer als auch Schüler schon seit Wochen immer wieder von zu Hause aus arbeiten und lernen. Immer wieder habe es Infektionsfälle an der Schule gegeben, ganze Klassen waren in Quarantäne. Zeitweise haben bis zu 27 Lehrer aufgrund von Krankheit oder Kontakt zu Infizierten gefehlt. „Da geht einem irgendwann einfach die Manpower aus“, sagt Fleuchaus.

Sie würde deshalb gerne wieder auf den hybriden Unterricht umstellen. Aber auch wenn es an der gewerblichen Schule keine unteren Klassenstufen gibt, wird ein großer Teil weiterhin im Präsenzunterricht in der Schule sein müssen. „Knapp die Hälfte der Klassen könnten wir teilen, das würde auf jeden Fall etwas Entspannung bringen“, meint die Schulleiterin. „Wir sind zum Glück technisch sehr gut ausgestattet. Es zahlt sich aus, dass wir schon seit Jahren mit Online-Plattformen arbeiten.“ Die meisten Schüler und Lehrer besitzen ein Gerät, mit dem sie auch zu Hause gut arbeiten können, für bedürftige Schüler konnten aus den Mitteln vom Bund noch Endgeräte besorgt werden. Auch sei man das vom vergangenen Schuljahr schon gewöhnt, die Schüler helfen sich gegenseitig, die Klassenlehrer können per E-Mail gut mit ihren Schülern in Kontakt treten.

Thomas Maier, Schulleiter der Schickhardt-Realschule Backnang, sieht in der Umstellung zum Wechselunterricht aber trotz der Übung aus dem vergangenen Schuljahr große Herausforderungen. „Wenn die Hälfte der Klasse zu Hause ist, ist das für die Lehrer ein enormer organisatorischer Aufwand.“ Denn alle Unterrichtseinheiten müssen quasi doppelt vorbereitet werden. Maier hofft, dass es trotz des Infektionsgeschehens bei viel Präsenzunterricht bleibt. Zum einen sei die Struktur der Schule sowohl für Kinder als auch für die Eltern wichtig. „Zum anderen haben wir festgestellt, dass die Schule kein Infektionstreiber ist. Die meisten Fälle haben sich im familiären Umfeld angesteckt.“ Sollte der Kreis zum Hotspot werden, ist er noch nicht sicher, wie der Wechselunterricht umgesetzt werden soll. „Wir entwickeln noch verschiedene Modelle: täglicher oder wöchentlicher Wechsel oder vielleicht ein Wechsel alle zwei bis drei Tage.“ Dabei sind an der Realschule ohnehin nur die 8. Klassen und die 9. Klassen, die eine mittlere Reife anstreben, betroffen. Und obwohl die Schulleiter in Hotspot-Landkreisen einen Wechsel zum hybriden Unterricht beantragen können, muss dieser erst mit dem Gesundheitsamt und dem zuständigen Schulamt abgestimmt werden. Das, so ist sich Schulamtsleiterin Hagenmüller-Gehring sicher, könne aber sehr schnell geschehen. Es gebe mittlerweile enge Abläufe, gute Kontakte und Bereitschaftsdienste, sodass die Absprache zwischen Schulamt, Schulen und Gesundheitsamt sehr schnell funktioniert.

Aufgrund des Infektionsgeschehens verständigt sich die Landesregierung auf eine erweiterte „Hotspot-Strategie“ mit Beschränkungen für Stadt- oder Landkreise, in denen die Sieben-Tages-Inzidenz auf über 300 Neuinfektionen je 100000 Einwohner steigt – aktuell ist dies in Pforzheim der Fall. Über die entsprechenden Maßnahmen für die Schulen in diesen Regionen hat das Kultusministerium bereits gestern alle Schulen im Land informiert. Hier gilt ab dem 14. Dezember: Alle allgemeinbildenden und beruflichen Schulen gehen ab der Klassenstufe acht vollständig in den Fernunterricht über.

Acht neue Todesfälle im Kreis

Am Donnerstag lag die Zahl der mit einem positiven Covid-19-Test Verstorbenen im Kreis bei 138, also sind acht weitere Personen mit dem Virus gestorben.

Die Sieben-Tages-Inzidenz im Rems-Murr-Kreis lag gestern bei 213 und damit den zweiten Tag in Folge über der kritischen 200er-Grenze. Es gab 175 Neuinfektionen mit dem Coronavirus, die Gesamtzahl der Infizierten seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 8036. Aktuell befinden sich im Kreis 1098 Infizierte in Quarantäne. In allen Gemeinden gibt es nun aktive Fälle.

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Erstellt:
11. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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