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Weg von Atom, Kohle und Öl

Solarverein macht sich für den Einsatz erneuerbarer Energien stark – Seit 25 Jahren Kampf für den Klimaschutz – Vereinsgründung im Weissacher Tal

Seit 25 Jahren kämpft der Solarverein für einen umfassenden Klimaschutz, für den Ausstieg aus der konventionellen Energieerzeugung und für hundertprozentigen Einsatz erneuerbarer Energien. Was die Mitglieder wollen, hat viel mit den Visionen des 2010 verstorbenen Politikers Hermann Scheer oder des Journalisten und Autors Franz Alt zu tun.

Gern mit Fahrrad, E-Roller und Elektroauto unterwegs (von links): Vorsitzende Hanne Barth und die Vorstandsmitglieder Christina Becker, Ulrike Hausladen, Astrid Fleischer, Ernst-Günter Junge, Silke Müller-Zimmermann, Volker Beck und Horst Klett am Plusenergiehaus der Familie Müller in Unterweissach. Dessen Verbrauch ist gering; Module an allen Seiten und Batteriestromspeicher helfen, mehr als den Eigenbedarf abzudecken. Fotos: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Gern mit Fahrrad, E-Roller und Elektroauto unterwegs (von links): Vorsitzende Hanne Barth und die Vorstandsmitglieder Christina Becker, Ulrike Hausladen, Astrid Fleischer, Ernst-Günter Junge, Silke Müller-Zimmermann, Volker Beck und Horst Klett am Plusenergiehaus der Familie Müller in Unterweissach. Dessen Verbrauch ist gering; Module an allen Seiten und Batteriestromspeicher helfen, mehr als den Eigenbedarf abzudecken. Fotos: T. Sellmaier

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL/ASPACH. Die Wurzeln des heutigen Solarvereins liegen in dem 1994 in Weissach unter dem Namen Solar e.V. Weissacher Tal gegründeten Verein. Dieser fusionierte 2006 mit der GGS Auenwald (Gemeinnützige Gesellschaft Sonnenstrom). Da sich die Aktivitäten mit den Jahren ausweiteten, änderte sich auch der Ortsbezug im Vereinsnamen, der bald Weissacher Tal, Backnanger Bucht und Welzheimer Wald umfasste und sich inzwischen zum Solarverein Rems-Murr weiterentwickelt hat.

Zu den Gründern gehörten Akteure wie Reinhard Knüdeler, Dieter Rapp, Frank Müller und Marlene Uitz-Frey. Auch Joel Korn war einer, der das gemeinsame Anliegen vorantreiben wollte. Sie vertraten die gleichen Ziele wie heute: Es ging ihnen, wie die Vorsitzende Hanne Barth berichtet, darum, das Klima zu schützen – weg von Atom, Kohle und Öl. Sie wollten dabei nicht abwarten, bis die Politik etwas tut, sondern selbst etwas unternehmen – „mit der Hand am Arm“. Vorstandsmitglied Silke Müller-Zimmermann schildert, wie das in den Anfangszeiten war: Das Know-how hatten „nur so ein paar Cracks, experimentierfreudige Menschen“, die selbst auf die Dächer gestiegen sind und die Anlagen zusammengeschraubt und in Gang gesetzt haben.

Unterstützung bei der Installation von Fotovoltaikanlagen

Entsprechend fand der Verein seine Aufgaben ursprünglich darin, bei der Installationen von Solarthermie und Fotovoltaikanlagen auf Privatdächern und öffentlichen Gebäuden zu helfen. Bei über 100 Anlagen im Vereinsgebiet stand er so Pate. Für seine Arbeit wurden dem Verein mehrfach Umweltpreise verliehen – von der Gemeinde Weissach im Tal ebenso wie von der Stadt Backnang. Besondere Anerkennung zollen die Verantwortlichen dem langjährigen Weissacher Bürgermeister Rainer Deuschle, der für die Überlegungen des Solarvereins ein offenes Ohr gehabt habe und schon früh die Möglichkeit eröffnete, beispielsweise auf dem Dach der Gemeindehalle eine Solaranlage zu installieren.

„Bis zu einem gewissen Grad muss man Idealist sein“, weiß Hanne Barth. Da und dort lohnt sich die Investition finanziell nicht unbedingt. Aber auch dann gilt für sie, dass ein Weiter-so keine Lösung darstellt: „Hauptsache, wir sparen Kohle- und Atomstrom.“ Man muss ja auch nicht unbedingt ein großes Auto fahren oder in einem großen Haus wohnen, erläutert Müller-Zimmermann: Weniger Ressourcen zu verbrauchen, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Ein anderes Beispiel sind für Hanne Barth die Windräder bei Ingersheim: Der Standort dort sei zwar nicht ideal und der Gewinn gering, aber das Ziel, alternative Energien zu generieren, werde erfüllt.

„Ich erhoffe mir eine Wende“, fasst Hanne Barth zusammen und sieht sich durch jüngste Entwicklungen bestätigt: „Die ,Fridays for Future‘-Bewegung kommt mir total entgegen. Ich hoffe, dass die jungen Leute die Älteren zum Umdenken bringen.“ Es gelte, Mehrheiten zu gewinnen, denn allein die Diskussion bei Veranstaltungen führe noch nicht zu politischen Konsequenzen: „Das meiste hängt von Berlin ab.“ Aber gleichzeitig sei lokal auch schon viel bewegt worden, unterstreicht Barth. Sie verweist auf Aspach mit den Nahwärmenetzen und Fotovoltaikgemeinschaften. Aber auch da sei, so ihre Erfahrung, viel von den handelnden Personen abhängig.

Heute liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit nicht mehr darin, beim Bau von Fotovoltaikanlagen zu assistieren. Vielmehr geht es darum, das Wissen über alternative Energieerzeugung und Energieeffizienz im privaten und öffentlichen Bereich zu verbreiten und den Ausbau regenerativer Energien zu fördern. Der Verein unterstützt örtliche Bürgerenergiegenossenschaften, er versucht sich in die Kreis- und Kommunalpolitik einzumischen und betreibt eine rege Öffentlichkeitsarbeit. So hat er das Klimaschutzprojekt KliK (Klimafreundlich Konkret – im Alltag CO2 einsparen) in Gang gebracht. Dieses erzielte kreisweit hohe Aufmerksamkeit, weil es erstmals ganz unterschiedliche Ansätze zur CO2-Reduktion bot: Man machte sich beispielsweise auf die Suche nach Stromfressern im Haushalt, präsentierte mit Repaircafé und Upcycling aber auch Alternativen zum Wegwerfen.

Regelmäßiger Energietreff mit Fachvorträgen

Zu den laufenden Programmen gehören ein regelmäßiger Energietreff mit Fachvorträgen und eine alljährliche Solarreise und Exkursionen. Die jüngste führt nach Heidelberg, wo der neue ökologische Stadtteil Bahnstadt in Augenschein genommen wurde. Es wurde ein Stand-by-Projekt an Schulen aufgesetzt, runde Tische für Klimaschutz mit Umweltpolitikern wurden veranstaltet, der Verein beteiligt sich an der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts, das der Landkreis entwickelt hat, und man arbeitet in diesem Sinne mit anderen Initiativen, Genossenschaften, Vereinen und der Politik zusammen.

Die Leute ansprechen und auf breiter Front für die Energiewende und den Klimaschutz werben: Das ist nach den Worten von Hanne Barth das Hauptanliegen des Vereins. In diesem Jahr ist beispielsweise noch eine Windradexkursion nach Gaildorf geplant. Angedacht ist ferner eine Diskussionsveranstaltung zur CO2-Bepreisung – ein aktuelles Thema, das für Kontroversen in der Politik sorgt. Ziel ist es, zu überlegen, „wie man es wirksam und sozial gerecht gestaltet“.

Eine Aufnahme aus den Anfangszeiten um 1995: Damals hat man sich im Weissacher Tal gegenseitig geholfen, die Solaranlage für die Brauchwassernutzung auf den Dächern zu installieren.

Eine Aufnahme aus den Anfangszeiten um 1995: Damals hat man sich im Weissacher Tal gegenseitig geholfen, die Solaranlage für die Brauchwassernutzung auf den Dächern zu installieren.

Info
Vorstände seit Gründung

Die Gründung des Solarvereins am 15. April 1994 wurden von Martin Lang zusammen mit Inge Fischinger (2018 verstorben) organisiert. Vorsitzender wurde Martin Lang (bis 1998). Es folgten:

Dieter Rapp (März bis Oktober 1998)

Willi Härtner (1998 bis 2004)

Klaus Thiel (2004 bis 2006)

Peter Brinkmann (2006 bis 2015)

Hanne Barth – nach Rücktritt von Peter Brinkmann zunächst kommissarisch, ab 8. Juli 2016 Vorstandsvorsitzende.

Derzeit besteht der Verein aus rund 150 Mitgliedern. Er finanziert seine Aktivitäten aus Mitgliedsbeiträgen und aus Einspeisevergütungen von zwei vereinseigenen Fotovoltaikanlagen.

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Erstellt:
19. August 2019, 06:00 Uhr

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