Weitere Festnahmen nach Messerangriff in Nizza

dpa Nizza. Bei den Ermittlungen nach dem islamistischen Anschlag auf eine Kirche im südfranzösischen Nizza hat es weitere Festnahmen gegeben. Zugleich warnt der Generalbundesanwalt davor, die Terrorgefahr in Deutschland zu unterschätzen.

Zwei Polizeibeamte stehen auf dem Vorplatz der Basilika Sacré-Coeur in Paris Wache. Frankreichs Regierung hat den Schutz von Schulen und Gotteshäusern verstärkt. Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Zwei Polizeibeamte stehen auf dem Vorplatz der Basilika Sacré-Coeur in Paris Wache. Frankreichs Regierung hat den Schutz von Schulen und Gotteshäusern verstärkt. Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Nach dem Messerangriff in Nizza mit drei Toten hat die französische Polizei zwei weitere Personen festgenommen. Dabei soll es sich um Männer im Alter von 25 und 63 Jahren handeln, teilte die französische Nachrichtenagentur AFP unter Bezug auf Justizkreise mit.

Damit wurden seit dem Anschlag in der Kirche am Donnerstag neben dem Täter sechs Personen in Polizeigewahrsam genommen.

Bei dem als islamistischer Terroranschlag eingestuften Angriff hatte ein 21-jähriger Tunesier in der Kirche Notre Dame im Zentrum der südfranzösischen Stadt den Küster und zwei Frauen tödlich verletzt. Anlässlich der Messe zu Allerheiligen wurde am Sonntag in der Kirche Saint-Jean-Baptiste Le Voeu in Nizza den drei Opfern des Messerangriffs gedacht, wie die Agentur weiter berichtete.

In Nizza wurden nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt, Christian Estrosi, 120 Polizisten und 60 weitere Soldaten zur Bewachung der Kirchen mobilisiert.

Für Frankreich war es innerhalb von nur zwei Monaten der dritte Angriff mit einem mutmaßlich islamistischen Hintergrund. Ende September wurden bei einem Messerangriff unweit der Pariser Büros der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ zwei Menschen verletzt. Mitte Oktober wurde der Lehrer Samuel Paty von einem 18-jährigen Angreifer enthauptet.

Unterdessen hat Generalbundesanwalt Peter Frank davor gewarnt, den islamistischen Terrorismus in Deutschland zu unterschätzen. „Die Bedrohung durch den islamistisch motivierten Terrorismus ist und bleibt groß. Ich warne davor zu glauben, der islamistische Terrorismus sei auf dem Rückzug, nur weil es in diesem Jahr in Deutschland keine komplexen Anschläge gegeben hat“, sagte Frank der „Welt am Sonntag“.

„Im Frühjahr haben wir in Nordrhein-Westfalen mutmaßliche Mitglieder einer Terrorzelle des IS festnehmen lassen. Die allesamt aus Tadschikistan stammenden Beschuldigten sollen die Begehung von Anschlägen in Deutschland geplant haben“, sagte Frank. „Deutschland und Westeuropa sind weiterhin im Fadenkreuz radikaler Islamisten.“

Die größte Gefahr in Deutschland sieht Frank allerdings aus dem Feld der Rechtsterroristen. Auf die Frage, ob er wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) von dort die größte Gefahr für die innere Sicherheit ausgehen sehe, sagte Frank: „Ich sehe das genauso. Die Zahl der von uns geführten Ermittlungsverfahren aus dem Phänomenbereich des Rechtsterrorismus hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Mit großer Sorge beobachte ich, wie unsere freiheitliche demokratische Grundordnung von Extremisten jeglicher Ideologien angegriffen wird.“

© dpa-infocom, dpa:201101-99-164697/3

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Erstellt:
1. November 2020, 13:16 Uhr

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