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Wenn der Papagei nach der Farbe fragt

Wissenschaftler untersuchen die Kommunikation zwischen Mensch und Tier

TiereSich mit Tieren unterhalten? Das funktioniert nicht nur im Märchen. Das zeigen etliche Untersuchungen an Hunden, Papageien, Menschenaffen oder Delfinen.

StuttgartKönnen Tiere und Menschen miteinander sprechen?Zumindest für einige Arten können Wissenschaftler diese Frage inzwischen mit Ja beantworten.So haben sich etwa Hunde in den rund 30 000 Jahren seit ihrer Domestikation zu Experten für menschliche Kommunikation entwickelt. Schon Welpen begreifen, dass sie in ihren Korb gehen oder ein Spielzeug holen sollen, wenn man mit dem Finger darauf zeigt. ­Wölfe können mit solchen Gesten weniger anfangen, und Schimpansen tun sich ebenfalls schwer damit. Zudem können Hunde die Mimik ihres zweibeinigen Gegenübers interpretieren und haben ein gutes Ohr für menschliche Stimmen.

Das zeigte sich etwa in einem Versuch italienischer Forscher. Dazu wurden Hunde mit Männern und Frauen konfrontiert, die vor Glück lachten oder vor Ekel würgten, vor Angst schrien oder vor Trauer schluchzten. Manche stießen auch ein wütendes Knurren aus oder äußerten ihre Überraschung mit einem kurzen „Oh!“. Das alles können Hunde offenbar unterscheiden und interpretieren. So zeigen die Beobachtungen, dass die Tiere negativ besetzte Lautäußerungen in der rechten Gehirnhälfte verarbeiten, positiv besetzte dagegen in der linken. Und wenn sie Ohrenzeugen von Trauer werden, reagieren sie gestresster als bei Ekel.

Dabei begreifen die Hunde auch die Bedeutung einzelner Worte. So haben Attila Andics und Anna Gábor von der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest beobachtet, dass ein Lob bei Hunden das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Allerdings nur dann, wenn Tonfall und Inhalt zusammenpassen. Beschimpfungen gehen nicht als Lob durch – selbst wenn sie mit säuselnder Freundlichkeit vorgetragen werden.

Viele Hundebesitzer neigen dazu, mit ihren Tieren in einer Art Babysprache zu reden. Ähnlich wie beim menschlichen Vorbild, besteht auch diese Hundesprache aus einfachen, kurzen Sätzen, die oft mit hoher und übertrieben emotionaler Stimme vorgetragen werden. „Bei der Babysprache wissen wir, dass sie beim Spracherwerb helfen und die Bindung zwischen einem Kleinkind und einem Erwachsenen festigen soll“, erklärt Katie Slocombe von der University of York in Großbritannien. „Wir wollten deshalb herausfinden, ob Art und Inhalt der Kommunikation auch das soziale Band zwischen Tieren und Menschen beeinflussen.“

Also haben sie und ihr Kollege Alex Benjamin getestet, wie Hunde auf verschiedene Formen der Ansprache reagieren. Tatsächlich wollten die meisten am liebsten Kontakt mit Menschen aufnehmen, die in Hundesprache für Vierbeiner relevante Sätze wie „Du bist ein guter Hund“ oder „Wollen wir einen Spaziergang machen?“ sagten. Die gleichen Aussagen in Erwachsenensprache stießen auf weniger Interesse. Das galt auch, wenn zwar der Tonfall, nicht aber der Inhalt stimmte: Eine Aussage wie „Gestern Abend war ich im Kino“ riss unabhängig von der Betonung keinen der Hunde vom Hocker.

Auch mit Menschenaffen versuchen Forscher schon lange verbal zu kommunizieren. Skeptiker bezweifeln zwar nach wie vor, dass die Tiere wirklich verstehen, was gesagt wird. Trotzdem ist es in etlichen Fällen gelungen, zwischen Menschen und ihrer nächsten Verwandtschaft erstaunlich komplexe Inhalte zu vermitteln. So haben Wissenschaftler Schimpansen und Gorillas die Grundzüge der Gebärdensprache ASL beigebracht, in der sich manche Tiere auch durchaus geschickt ausdrücken können.

Eine andere Kommunikationsform beherrscht der Bonobo Kanzi. Forscher haben ihm beigebracht, auf einer Computertastatur Symbole zu drücken. Diese stehen jeweils für ein englisches Wort, das dann von einer Computerstimme gesprochen wird. So kann man Kanzi komplexe Fragen und Aufgaben stellen, die er meist korrekt beantwortet oder löst. Als er „den Hund die Schlange beißen lassen“ sollte, suchte er die Spielzeugtiere heraus, steckte dem Hund das Reptil ins Maul und drückte ihm die Kiefer zusammen. Allerdings ist bisher kein Menschenaffe auf die Idee gekommen, selbst Fragen zu stellen. Hier hatte ein Graupapagei namens Alex den Schnabel vorn. Er konnte nicht nur Farben, Formen und Gegenstände benennen. Eines Tages musterte er sein Spiegelbild und erkundigte sich: „Welche Farbe?“ Auch die richtige Antwort lernte er, nachdem er ein paarmal „grau“ zu hören bekommen hatte.

Ein Gespräch mit Papageien hat den Vorteil, dass es in menschlicher Sprache geführt werden kann. Da macht es einem ein Delfin schon schwerer. Die Meeressäuger haben zwar ein riesiges Repertoire an Pfiffen und anderen Lauten, mit denen sie untereinander kommunizieren. Was die Töne bedeuten, ist aber schwer herauszufinden. Um den Code zu knacken, beobachten Denise Herzing von der Florida Atlantic University und ihre Kollegen Zügeldelfine vor den Bahamas und versuchen, deren Laute mit bestimmten Verhaltensweisen in Zusammenhang zu bringen. Sie wissen zum Beispiel, dass die Tiere für jeden Artgenossen einen individuellen „Signatur-Pfiff“ verwenden – „als würden sie sich gegenseitig Namen geben“, so die Forscherin.

Um sich mit den Delfinen zu verständigen, haben Computerexperten einen Unterwassercomputer namens CHAT (Cetacean Hearing and Technology) entwickelt. In dieses Gerät haben sie ein paar künstliche Pfiffe eingespeist, die für verschiedene Spielzeuge wie ein Seil, ein Tuch oder ein Stück Tang stehen. Wenn zwei Taucher mit den Delfinen im Wasser sind, gibt der eine per Computer zum Beispiel das Signal für „Tuch“, der andere überreicht ihm daraufhin vor den Augen der Meeressäuger den gewünschten Gegenstand. Wenn ein Delfin den Pfiff imitiert, was viele gern tun, übersetzt der Computer das Signal in menschliche Sprache, und das Tier bekommt das Tuch überreicht.

So lernen die Meeressäuger, dass sie mit einem bestimmten Signal ein bestimmtes Spielzeug anfordern können. Oder auch einen bestimmten Forscher. Denn CHAT hat auch einen speziellen „Denise“-Pfiff gespeichert – genau wie die von Artgenossen gepfiffenen natürlichen „Namen“ einiger Tiere. Mit deren Hilfe können die Forscher ihre schwimmenden Bekannten, wie in Delfinkreisen üblich, persönlich begrüßen. Langfristig hoffen die Forscher, weitere Delfinlaute in den Computer einspeisen zu können. Dazu müssten sie allerdings erst ganz sicher sein, was diese Signale genau bedeuten.

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Erstellt:
28. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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