Metastasen und Melanome

Wie ein Hefepilz Hautkrebs aggressiver und häufiger macht

Ein bei fast jedem vorkommender Hefepilz hat eine fatale Nebenwirkung auf Hautkrebs: Er macht Melanome aggressiver und fördert die Bildung von Metastasen, wie eine Studie enthüllt.

Candida albicans  ist ein Pilz der Candidagruppe, die den Hefepilzen zugeordnet wird.  Dieser Pilz ist  beim Menschen häufig auf den Schleimhäuten von Mund und Rachen und im Genitalbereich sowie im Verdauungstrakt zu finden.

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Candida albicans ist ein Pilz der Candidagruppe, die den Hefepilzen zugeordnet wird. Dieser Pilz ist beim Menschen häufig auf den Schleimhäuten von Mund und Rachen und im Genitalbereich sowie im Verdauungstrakt zu finden.

Von Markus Brauer

Dreiviertel aller Menschen tragen den Hefepilz Candida albicans ins sich, meist ohne es zu bemerken. „Dieser Pilz ist Teil des menschlichen Mikrobioms. Er kommt im Mund vor, auf der Haut, im Verdauungstrakt und der Vagina“, erklärt Leire Aparicio Fernández von der Universität des Baskenlands.

Candida albicans ist ein natürlicher und eigentlich harmloser Bewohner des menschlichen Körpers. Er ist im Darm genauso zu finden wie auf anderen Schleimhäuten. Doch wenn er sich vermehrt ausbreitet, kann er zum gefährlichen Krankheitserreger mutieren.

Pilzinfektion schwächt Immunabwehr

Dieser Hefepilz besiedelt die Haut, die Schleimhäute im Mund, den Verdauungstrakt und die Vagina. Im feuchten Milieu findet er ideale Lebensbedingungen und kann sich stark vermehren – wie auf den Schleimhäuten, in der Leistengegend, unter den Achseln, zwischen den Fingen und Zehen, in Bauchfalten, unter den Brüsten oder unter der Vorhaut. Dieses verstärkte Hefepilzwachstum kann zur Pilzerkrankung Candidose führen.

Eine Candida-Infektion ist vor allem dann problematisch, wenn sich der Hefepilz aufgrund eines geschwächten Immunsystems unkontrolliert vermehrt und in den Blutkreislauf oder das Gehirn gelangt.

Jetzt haben Forscher um Leire Aparicio Fernández noch eine weitere, zuvor unerkannte Nebenwirkung entdeckt. Candida albicans kann zum „Turbo“ für bestimmte Krebsarten werden. „In Zellkulturen wurde gezeigt, dass Candida albicans krebsfördernde Zellprozesse verursachen kann“, schreiben Aparicio Fernández und sein Team im Fachjournal „Scientific Reports“.

Demnach kann Candida Krebsgene aktivieren, die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe anregen und Zellen mobiler machen.

Wie sich eine Pilzinfektion auf Hautkrebs auswirkt

Wie sich eine Candida-Infektion speziell auf Hautkrebs auswirkt, haben die Forscher für ihre Studie untersucht. In einem ersten Test setzten sie Melanomzellen abgetöteten oder lebenden Candidazellen aus. „In beiden Fällen enthüllte dies, dass sich dadurch die Beweglichkeit der Krebszellen erhöhte und sie sich leichter an Endothelzellen der Leber anheften konnten“, berichtet das Team.

Weitere Analysen offenbarten, was dabei im Inneren der Hautkrebs-Zellen vor sic geht. Demzufolge programmiert der Hefepilz den Zellstoffwechsel der Melanomzellen ganz massiv um. „Unsere Resultate zeigen, dass 63 verschiedene Gene hochreguliert werden.“ Unter diesen Genen sind mehrere Krebsgene sowie Bauanleitungen für Botenstoffe, Transkriptionsfaktoren und verschiedene Stoffwechselfunktionen.

Genetischer Wachstumsfaktor regt Tumorwachstum an

Eines dieser vom Pilz beeinflussten Gene erwies sich als besonders potent. Es fördert die Ausschüttung des Wachstumsfaktors VEGF (vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor). Dieser regt das Gefäßwachstum in der Tumorumgebung an und hilft der wachsenden Krebsgeschwulst dadurch, sich mit Blut zu versorgen.

„Turbo“ für Melanome

„Der Pilz verschafft den Krebszellen dadurch günstige Bedingungen, um mehr Sauerstoff und Energie zu gewinnen“, erklärt Aparicio Fernández. „Das erleichtert es den Melanom-Zellen, ins Blut und andere Organe zu streuen.“

Zur Info: Ein Melanom ist ein bösartiger Tumor der Pigmentzellen (Melanozyten), der durch UV-Strahlung entsteht.

Was das konkret für die Entwicklung des Melanoms bedeutet, untersuchte das Team in Experimenten mit Mäusen. Diesen wurden entweder „normale“ Hautkrebszellen eingepflanzt oder solche, die zuvor durch die Gegenwart von Candida umprogrammiert worden waren.

Nach 14 Tagen hatten die mit den Candia-aktivierten Krebszellen deutlich mehr und größere Lebermetastasen bei den Mäusen verursacht als die unbeeinflussten Hautkrebszellen. Dies bestätigt, dass der Hefepilz Candida albicans eine eskalierende Wirkung auf Melanome haben kann. Er macht den Hautkrebs aggressiver und mobiler und fördert dadurch die Bildung und das Wachstum von Metastasen.

Neuer Ansatz für Therapien

Gleichzeitig demonstrieren die Ergebnisse, dass auch vermeintlich harmlose mikrobielle Mitbewohner des Menschen unerkannte Nebeneffekte haben können.

„Wir haben schon häufiger die Rolle von Viren und Bakterien bei Krebserkrankungen diskutiert, aber Pilze wurden dabei vergessen“, erläutert Aparicio Fernández. „Wir müssen uns bewusst machen, dass auch diese Pilze Teil unseres Mikrobioms sind – und dass sie nicht nur direkte, sondern auch indirekte Auswirkungen haben können.“

Die neuen Erkenntnisse eröffnen aber auch die Chance, künftig Hautkrebs und seine Metastasen besser zu bekämpfen. Denn wenn man die Infektion mit Candida albicans eindämmt, könnte dies dem Melanom seinen „Turbo“ nehmen. „In Zukunft könnte es vielleicht möglich werden, Mittel gegen die Pilze als ergänzende Therapie gegen Melanome einzusetzen“, schreiben die Forscher.

Arten von Hautkrebs

Malignes Melanom Schwarzer Hautkrebs – auch malignes Melanom genannt – ist eine Tumorerkrankung der Haut, die von den pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) ausgeht. Er ist die gefährlichste Form des Hautkrebs. Er kann sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten.

Basalzell-Karzinom/Plattenephithel-Karzinom: Der helle Hautkrebs, zu dem das Basalzell-Karzinom und das Plattenephithel-Karzinom zählen, ist deutlich verbreiteter als der schwarze Hautkrebs, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen oder schuppige Veränderungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht, Ohren, Hände oder Nacken.

Durch Operationen oft heilbar Die meisten malignen Melanome werden aber so früh erkannt, dass sie durch eine Operation entfernt werden können. Das Melanom fällt meist auf, weil sich ein Pigmentmal verändert oder neu entsteht. Wenn eine Operation nicht möglich ist oder der Krebs bereits gestreut hat, kann eine Bestrahlung oder auch eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein.

Ursachen für Hautkrebs Als wichtigste Ursachen für Hautkrebs gelten: Eine starke, wiederkehrende UV-Belastung mit Sonnenbränden. Der regelmäßiger Besuch eines Sonnenstudios erhöht das Risiko deutlich. Menschen gelten als besonders gefährdet, die einen hellen Hauttyp, einer große Zahl an Muttermalen und Schwarzen Hautkrebs in der engeren Familie haben.

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Erstellt:
5. Februar 2026, 12:56 Uhr

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