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Wie sich der Meistertitel auszahlt

In vielen Handwerksberufen wie Elektroniker oder Fleischer sind hohe Gehaltssprünge drin – oder die Chance auf die eigene Firma

Der Meistertitel bringt vielen Handwerkern nicht nur mehr Geld, sondern ist oft Voraussetzung für die eigene Karriere oder die Übernahme eines Betriebes.

Wer einen Handwerker braucht, muss im Durchschnitt rund neun Wochen warten. Der Grund: DerBranche fehlen Fachkräfte,allen voran in den Bereichen Sanitär, Heizung, Klima, Bau, ebenso Elektroniker, Fleischer, Bäcker, Gesundheitshandwerker wie Orthopädietechniker. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) geht aktuell von rund 250 000 offenen Stellen in der Branche aus. „Handwerksberufe können jungen Menschen heute hervorragende Karriereperspektiven bieten“, sagt ZDH-Präsident Peter Wollseifer und setzt noch eins drauf: „Eine Handwerksausbildung ist im Grunde eine Jobversicherung.“

Doch welche Jobs sind lukrativ, und wo lohnt sich ein Meistertitel? Einem Gehaltsvergleich zu Folge verdienen Elektronikmeister mit 44 800 Euro jährlich am meisten, Schlusslicht bilden Beschäftigte im Friseurhandwerk, die es mit Meistertitel auf 24 200 Euro jährlich bringen. Bei der Auswertung haben Experten des Vergleichsportals Gehalt.de fast 11 500 Daten ausgewertet und die Einkommen von zwölf ausgewählten Handwerksberufen ermittelt. Ein Elektroniker mit einer abgeschlossenen Ausbildung verdient jährlich gut 36 000 Euro (der sogenannte Medianwert, also der Zentralwert zwischen dem höchsten und niedrigsten Einkommen dieser Berufsgruppe). Die 40 000-Euro-Grenze können auch Zimmerer (40 100) Euro), Maurer (40 300 Euro) oder Dachdecker (40 300 Euro) als Meister überschreiten. „Für Handwerker, die beruflich aufsteigen oder Führungsaufgaben übernehmen möchten, ist der Meistertitel auf jeden Fall zu empfehlen“, sagt Wollseifer.

Die prozentual größten Gehaltssprünge gibt es durch einen Meistertitel bei Goldschmieden und Fleischern mit jeweils über 25 Prozent. Nach der Lehre verdienen Goldschmiede gut 26 800 Euro, als Meister fast 33 700 Euro. Fleischer verdienen rund 27 000 Euro nach der Ausbildung und mit Meistertitel mehr als 33 800 Euro im Jahr. Der Gehaltsanstieg mit Meistertitel kommt nicht direkt nach der bestandenen Prüfung. Die Daten der Auswertung beziehen sich nicht ausschließlich auf die Erstgehälter für Meister, sondern auf alle Einkommen von Beschäftigten mit diesem Titel.

Im Friseurhandwerk sind die Löhne am niedrigsten. Nach der Ausbildung liegt das Jahreseinkommen bei rund 21 800 Euro, mit Meistertitel sind es 24 200 Euro – das ist ein prozentualer Zuwachs von rund elf Prozent und im Vergleich die schwächste Entwicklung durch den Meistertitel. Etwas besser sind die Kosmetiker/-innen dran, die nach der Ausbildung rund 22 000 Euro verdienen und mit Meistertitel 24 500 Euro. Im Mittelfeld liegen beispielsweise die Gehälter von Lackierern. Sie verdienen nach der Lehre 30 200 Euro und mit Meistertitel 35 700 Euro und damit gut 18 Prozent mehr. „Der erworbene Meistertitel macht sich nicht immer im Gehalt signifikant bemerkbar“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

„Wer mit einem Meisterbrief in den Betrieb zurückkehrt und Zeit und Hirnschmalz reingesteckt hat, erhofft sich in der Regel mehr Verantwortung und Gehalt“, heißt es bei der Handwerkskammer Region Stuttgart. In der Regel gehe es um eine Win-win-Situation, denn auch die Betriebe wollten die jungen Leute ja halten. Allerdings gebe es nicht in jedem Betrieb eine freie Meister- oder Führungsposition oder einen Filialposten. Der Meistertitel ermögliche aber die Gründung des eigenen Unternehmens, was sich in der aktuellen Situation des starken Fachkräftemangels besonders auszahle, sagt Philip Bierbach. Auch beim Branchenverband heißt es: In zulassungspflichtigen Handwerken, etwa dem Kfz-Techniker-, Dachdecker- oder Metallbauer-Handwerk, sei der Meister Voraussetzung, um einen eigenen Betrieb führen zu können. Auch seien die Aussichten, einen bestehenden Betrieb übernehmen zu können, derzeit besonders gut. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn geht bis zum Jahr 2022 von insgesamt rund 150 000 anstehenden Unternehmensnachfolgen aus. Die finanziellen Perspektiven der Jungmeister sieht Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart, überaus positiv: „Ein Meister verdient mindestens so viel wie ein Bachelor. Ein fitter Handwerksunternehmer kann einen Master finanziell locker überflügeln. Und der Lehrling bekommt während der Ausbildung eine Vergütung, ein Student dagegen nichts. Das alles ist leider nicht ­hinreichend bekannt.“

Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung und Automatisierung wachsen auch die ­Sorgen, dassklassische Handwerksberufe aussterbenund durch Maschinen ersetzt werden. Allerdings haben die meisten ­Ausbildungs- und Fortbildungsberufe eine lange Lebensspanne, heißt es beim Branchenverband. Das hänge vor allem damit ­zusammen, dass in der Berufsbildung und bei der Modernisierung von Berufen weniger am Etikett, also der Berufsbezeichnung, sondern mehr am Inhalt gearbeitet werde. So heißt beispielsweise der Tischler immer noch Tischler – oder Schreiner –, macht aber heute vieles anders als noch vor Jahrzehnten. Andere Berufe fusionieren, etwa der Backofenbauer mit dem Ofen- und Luftheizungsbauer. Und aus dem Kfz-Mechaniker und dem Kfz-Elektriker wurde der Kfz-Mechatroniker. „Die Berufe und ihre Ausbildung entwickeln sich mit der Veränderung in der Technik und am Markt“, so Wollseifer. Das Elektrohandwerk etwa dürfte in Zukunft besonders spannend werden unter den Stichworten „Smart Home“ und Gebäudeintegration.

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Erstellt:
2. März 2019, 03:04 Uhr

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