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„Wir sind immer noch flächendeckend präsent“

Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Waiblingen erklärt Schließung von 13 Filialen mit verändertem Nutzungsverhalten

Von Lorena Greppo

WAIBLINGEN.Dass sich das Nutzungsverhalten der Kunden stark verändert hat, habe die Sparkasse schon vor drei Jahren festgestellt, erklärt die Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Waiblingen, Ines Dietze. Die neuesten Zahlen des Sparkassenverbands Baden-Württemberg sprechen eine klare Sprache: Nur noch einmal im Jahr kommt der durchschnittliche Sparkassenkunde in eine Filiale, 24-mal hebt er Geld am Automaten ab. Hingegen nutzen die Kunden durchschnittlich 108-mal im Jahr das Online-Banking und gar 192-mal die App der Sparkasse. „Die Besuche in den Filialen sind rückläufig“, fasst Dietze zusammen. Stärker nachgefragt würden einerseits Online-Angebote, außerdem habe eine Analyse ergeben, dass die Beratungszentren an größeren Standorten vergleichsweise stärker nachgefragt werden. Man habe es lange herausgezögert, entsprechend darauf zu reagieren, so Dietze – nun soll aber bis Dezember eine Umstrukturierung des Filialnetzes erfolgen. Neun personenbesetzte und vier SB-Filialen werden geschlossen (wir berichteten), außerdem wird das Service- und Beratungsangebot an den Standorten Burgstall, Großerlach, Spiegelberg und Kaisersbach auf einen Wochentag reduziert.

Auch jene vier Filialen hätten eigentlich geschlossen werden sollen – so sah zumindest der ursprüngliche Plan aus. Dagegen haben sich aber offenbar die betroffenen Bürgermeister vehement gewehrt. „Wir sind davon abgerückt, weil wir dem Wunsch entsprochen haben, in jeder Gemeinde noch mit einer Filiale vertreten zu sein“, erklärt Dietze. „Wir sind immer noch flächendeckend im Geschäftsgebiet des Rems-Murr-Kreises präsent.“ Ein Freifahrtschein für diese vorerst geretteten Standorte ist das aber nicht. Es würde weiterhin sehr genau beobachtet, ob das Angebot von den Kunden in Anspruch genommen werde. „Das Kundenverhalten ist nicht statisch, sodass wir immer wieder über Standorte nachdenken müssen“, sagt die Vorstandsvorsitzende. „Es bringt nichts, Standorte vorzuhalten, die vom Kunden nicht genutzt werden.“

Nahversorgung ist ein

entscheidender Faktor

Dass dies bei den betroffenen Bürgermeistern nicht gut ankommt, sei abzusehen gewesen. „Wir sind nicht auf Freude gestoßen, haben aber auch Verständnis vorgefunden“, erzählt Dietze. Leutenbachs Bürgermeister Jürgen Kiesl hatte geäußert, er sei „bestürzt“. Ihm habe sie aber im Gespräch klargemacht, dass die Filialen in Nellmersbach und Weiler zum Stein, die beide zum 1. September geschlossen werden sollen, nur etwa zwei Kilometer von der Filiale im Hauptort Leutenbach entfernt seien. Dort sei neben der Parkplatzsituation auch die Nahversorgung viel besser. „Wir haben auch geschaut: Welche Möglichkeiten gibt es am Standort, das Geld auszugeben“, erklärt Dietze. Denn die wenigsten Kunden machten keinen Umweg, nur um Geld abzuheben. Wer zum Einkaufen fahre, besorge sich das Geld vor Ort.

Den Einwand, dass zumindest ein Geldautomat bestehen bleiben könne, der könne ja schließlich nicht so teuer sein, verneinte Ines Dietze. „Geldautomaten sind sehr kostenintensiv“, stellte sie richtig. Die Anschaffung sei vor allem aufgrund der Sicherheitstechnik schwierig, außerdem erfolge die Bestückung über externe Partner – ein weiterer Kostenfaktor. Damit er sich rentiert, müssten an einem Geldautomaten im Jahr etwa 80000 Verfügungen verbucht werden – davon auch einige von fremden, also nicht Sparkassen-Kunden. In einem ländlichen Gebiet komme man niemals auf diese Zahl. „Ich will das auch nicht nur am Kostenfaktor festmachen“, sagt Dietze. Die Nutzung der Automaten sei allgemein rückläufig. Das habe den einfachen Grund, dass viele Supermärkte inzwischen den Service anbieten, beim Bezahlen des Einkaufs an der Kasse gleich Bargeld vom Konto abzuheben.

Mit der Schließung der 13 Filialen gehe aber auch eine Ausweitung des Leistungsangebots einher, erklärt Dietze. Die Beratungszeiten würden deutlich ausgeweitet, sie werden ab September an jedem Werkstag die zwölf Stunden zwischen 8 und 20 Uhr umfassen. Gleichzeiten würden die Servicezeiten reduziert – das Verbuchen von Überweisungen etwa sei ebenfalls rückläufig. Künftig sollen auch mehr Produktabschlüsse online möglich sein. Frei werdende Mittel würden auch in den Ausbau der Angebote in den medialen Kanälen der Sparkasse investiert. „Das Serviceangebot kommt dem Alltag der berufstätigen Bevölkerung näher“, erklärt Dietze. Aber auch für die mobilitätseingeschränkten Kunden gebe es mehr Optionen. Sie könnten sich ab September Bargeld per Einschreiben zuschicken lassen. Der Kunde könne die Bestellung telefonisch im Servicecenter aufgeben, für einen Selbstkostenpreis von etwa 3,50 Euro pro Sendung könnten so pro Kunde und Tag bis zu 500 Euro verschickt werden. Zudem seien die mobilen Berater der Sparkasse heute schon im Einsatz und besuchten Kunden in ihrem Zuhause. „Das Angebot wollen wir ebenfalls ausweiten“, kündigt Ines Dietze an.

Die Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Waiblingen hält daran fest: Die Umstrukturierung sei notwendig und vertretbar. „Ich habe ein gutes Gefühl und ein gutes Gewissen dabei.“ Auch den Vorwurf, man ziehe sich radikal aus der Fläche zurück (Jürgen Kiesl), will sie nicht gelten lassen. Mit 68 Standorten im Landkreis sei man weiterhin gut vertreten. Sie könne verstehen, dass es den Bürgermeistern der einzelnen Kommunen erst einmal schwerfalle, eine Schließung in der eigenen Kommune zu verkraften, die Entfernung zur nächsten Filiale sei aber überall im Kreis noch vertretbar. Damit hat sich die Angelegenheit wohl aber noch nicht. Der Gemeinderat Burgstetten hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, die Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz dahin gehend zu unterstützen, dass diese sich für eine Ausweitung der Öffnungszeiten der Filiale in Burgstall einsetzt. Die Beratung in den Gemeinderäten Spiegelbergs und Großerlachs steht noch aus.

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Erstellt:
19. Juni 2018, 06:00 Uhr

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