Wohldosiertes Schenken in Backnang und Umgebung

Kinder und ihre Weihnachtsgeschenke, es ist ein schönes und ein viel diskutiertes Thema. Jede Familie entscheidet für sich über Maß und Mitte. Was alle eint, ist, dass Konsumerziehung das ganze Jahr über stattfindet und Eltern ihre Kinder prägen, wie sie mit Geschenken umgehen.

Der Umgang mit Geld, Geschenken, Werten, Teilen und dem Abwartenkönnen zeigt sich unterm Weihnachtsbaum. Foto: Adobe Stock/olly

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Der Umgang mit Geld, Geschenken, Werten, Teilen und dem Abwartenkönnen zeigt sich unterm Weihnachtsbaum. Foto: Adobe Stock/olly

Rems-Murr. Worauf freuen sich Kinder an Weihnachten am meisten? Aufs gute Essen? Den schön geschmückten Baum? Die Verwandtschaftsbesuche? Hand aufs Herz, es sind wohl die Geschenke. Sie sind für die Kleinen zwar das Schönste an Weihnachten, aber über sie und ihre Menge lässt sich trefflich diskutieren. Spätestens ab Dezember wird der pädagogische Zeigefinger erhoben: Eltern sollten ihrem Kind lieber ein Buch statt der neuesten Playstation schenken, lieber zum pädagogisch wertvollen Holzspielzeug aus heimischer Produktion greifen statt zum billigen Bling-Bling aus Asien. Ohnehin, sind zu viele Geschenke nicht Gift für die Kinderseele? Wer will sich schon ein Konsummonster heranziehen? Wie bekommen es Familien hin, an Weihnachten Maß und Mitte zu halten? Und sollen Maß und Mitte an Weihnachten überhaupt das Ziel sein? Es gibt dazu wahrscheinlich ebenso viele Meinungen wie Päckchen unter dem Baum – also viele.

Aus dem, was vier Mütter einer Aspacher Krabbelgruppe erzählen, klingt heraus, dass das Beschenken der Kinder zu Weihnachten in den Familien wohlüberlegt ist. Gruppenleiterin Hannah Sander beobachtet unter dem Jahr, dass ein Zuviel an Spielsachen ihre Kinder überfordert. Dem begegnet sie, indem sie Spielsachen wegräumt und austauscht. Unter dem Weihnachtsbaum liegen für ihre vierjährige Tochter und deren kleinen Bruder daher zwei Geschenke pro Kind – das sind auch mal größere Anschaffungen, an denen sich Verwandte beteiligen können, wie ein neues Bett oder ein Laufrad. Katharina Berr hat Verständnis, dass Omas und Opas, Tanten und Onkel ihrer Tochter zu Weihnachten etwas schenken wollen, das sie auspacken kann und worüber sie sich freut. „Die Verwandten wünschen sich, dass sie zu Weihnachten etwas Sächliches schenken können.“

Geschenkeliste mit Spielsachen

Dem will auch Nadine Broens Rechnung tragen: Sie führt eine Liste mit Wünschen inklusive der Information an die Verwandten, wo sie die Geschenke kaufen können. Dinge, die langfristig sind, kommen auf die Liste, etwa ein Lernturm und andere gezielt gewählte Spielsachen. Sina Ludwig ist Mutter von drei Kindern und „Spielzeug ist massenhaft vorhanden“. Unter dem Weihnachtsbaum liegt daher „lieber nicht zu viel, aber etwas, das man gebrauchen kann, auch Praktisches“. Es kann sein, dass Wünsche manchmal unerfüllt bleiben, „wenn etwas die Möglichkeiten oder den Platz übersteigt“. Einig sind sich die Mütter, dass sie Enttäuschungen an Heiligabend vermeiden wollen. „Es ist schon sehr schön, wenn die Kinder die Geschenke sehen und strahlen.“

Rainer Wiedmann kann das aus der Erfahrung mit seinen Enkeln bestätigen: „Wenn der Opa unter dem Weihnachtsbaum mit seinem Enkel das neue Spiel spielt, haben beide Seiten etwas davon. Es ist für beide Seiten schön“, sagt der Seniorchef des Backnanger Spielwarenfachgeschäfts Wiedmann. Sein Sohn Matthias Wiedmann unterstreicht: „Schenken ist etwas Schönes. Gerade an Weihnachten darf die heile Welt doch in Ordnung sein.“ Aber in der Weihnachtszeit werde das Schenken zu einem aufgeladenen Thema. Dabei würden die Menschen in Deutschland laut Statistiken in anderen Bereichen wesentlich mehr Geld ausgeben als für die Spielwaren ihrer Kinder. Als Händler hätten sie keinen Einfluss auf die Menge der Spielsachen, die die Kunden kaufen. „Das ist eine persönliche Entscheidung von jeder Familie“, so der Juniorchef. Sie als Fachhändler können beraten – etwa hinsichtlich der Altersempfehlung – und über das Sortiment steuern. Wiedmann führt bewusst keine Spiele für PC oder Konsole, weil sie den ausgeprägten Medienkonsum vieler Kinder für bedenklich halten und das nicht unterstützen wollen.

Medien im Zusammenhang mit Weihnachten spricht auch Manuela Kübler an. Nachdem Kinder stark mit Werbung konfrontiert sind und sich dem nicht entziehen können, „will das Kind alles haben, verständlicherweise bei der Flut“, sagt die Erzieherin und Mutter zweier erwachsener Kinder. Sie hat sich zur Erziehungsberaterin weitergebildet, ist in Teilzeit im Murrhardter Kinderheim angestellt und arbeitet selbstständig als Familiencoachin (www.familie-im-mittelpunkt.de).

Nach den eigenen Beweggründen fragen

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Das, was Eltern vorleben, übernähmen die Kinder. Insofern würden Eltern das Konsumverhalten ihrer Kinder mitprägen. „ Der Umgang mit Geld, Werten, Geschenken, Teilen und dem Abwartenkönnen: Das findet das ganze Jahr über statt.“ Sie rät, Weihnachtsgeschenke bewusst auszuwählen und dabei die Bedürfnisse der Kinder zu achten. Beim gemeinsamen Gestalten eines Wunschzettels würden sich Wünsche raushören lassen. Denn die Erwachsenen sollten sich dabei fragen: „Ist die Äußerung des Kindes das, was es wirklich braucht, oder steckt dahinter etwas anderes? Was steckt hinter dem Wunsch?“ Mit dem Begriff Wunsch sei oft das Materielle gemeint, dabei könne ein Wunsch auch ein längerfristiges Ziel sein – zum Beispiel einen guten Job und eine Familie zu haben. „Die Frage ist: Was brauchst du, damit es dir gut geht? Das betrifft eher die Grundbedürfnisse nach Sicherheit und Annahme.“

Kübler rät außerdem dazu, sich selbst zu hinterfragen: „Was sind meine Beweggründe, warum ich etwas schenke? Was bedeutet es, einen Wunsch auszuschlagen?“ Es sei mitunter schwierig, einen Wunsch nicht zu erfüllen, weil sich ein schlechtes Gewissen einstellen könne. Abgrenzung werde schwer, wenn Emotionen mitspielten und man die Sorge habe, das Kind könne einen nicht mehr lieb haben. Bleibt ein Wunsch vom Wunschzettel unerfüllt, helfe manchen Kindern, wenn sie eine Erklärung für dieses „Nein“ bekommen. Sie helfe beim Verstehen. Kübler schildert, dass das Sättigungsgefühl Geschenke etwas wertlos machen könne – im Gegensatz zu etwas, auf das man beispielsweise lange spart.

„An was erinnert man sich selbst an Weihnachten?“, fragt sie. Für die meisten dürfte die tolle, mit Eltern oder Großeltern verbrachte Zeit das Wertvollste sein. Und gemeinsame Zeit lässt sich auch in Form von materiellen Geschenken schenken.

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Erstellt:
9. Dezember 2025, 06:00 Uhr

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