Zehn Fakten zum Haus des Landtags
Das Haus des Landtags ist seit dem Jahr 1961 aus Stuttgart nicht mehr wegzudenken. Zehn Fakten über das Bauwerk vor der anstehenden Landtagswahl am 8. März.
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Prägt das Stuttgarter Stadtbild: das Haus des Landtags
Von Valentin Schwarz
Stuttgart - Grün umrahmt von Parkwiesen, in Nachbarschaft zu Neuem Schloss und den Staatstheatern, unweit der Königstraße: Hier, im Herzen Stuttgarts, liegt der Zielort all jener Kandidatinnen und Kandidaten, die am 8. März in den baden-württembergischen Landtag einziehen wollen. Wichtig ist das Parlament wegen der Politik, die darin gemacht wird. Aber im Stadtbild spielt auch der Bau selbst eine prägende Rolle. Zehn Fakten über das Haus des Landtags.
1. Politik-Theater
Nach dem Zusammenschluss von Baden und Württemberg 1952 tagte das neue Parlament zunächst behelfsmäßig im Eduard-Pfeiffer-Haus im Stuttgarter Heusteigviertel. Plenarsitzungen fanden dort in einem ehemaligen Theatersaal statt. 1961 folgte dann der Umzug ins Haus des Landtags, dem ersten Neubau eines Parlaments im Deutschland der Nachkriegszeit.
2. Erleuchtete Parlamentarier
Die Zeiten von Debatten in zweckentfremdeten Räumen waren anschließend erst einmal vorbei. Schließlich stehen im Haus des Landtags sieben Sitzungssäle zur Verfügung. Das Aushängeschild: der Plenarsaal. In den fielen jahrzehntelang keine Sonnenstrahlen. Erst bei der Generalsanierung zwischen 2013 und 2016 erhielt das Gebäude runde Deckenfenster – und der Plenarsaal damit Tageslicht.
3. Raumfragen
Apropos Plenarsaal: Mit seinen 410 Quadratmetern Fläche könnte er nach der anstehenden Wahl an seine Grenzen geraten. Infolge des veränderten Wahlrechts ist es möglich, dass mehr als 200 Abgeordnete in den Landtag einziehen (aktuell: 154). Dann wäre wohl ein größerer Umbau notwendig. Erste Pläne für einen „Interimsplenarsaal“ wurden allerdings verworfen – und das Eduard-Pfeiffer-Haus dürfte inzwischen auch nicht mehr für eine Übergangsphase infrage kommen.
4. Nachahmer in Skandinavien
In der Gestaltung des Landtags zeigt sich das demokratische Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik. So setzten seine Architekten auf eine Metall-Glasfassade, die im Erdgeschoss durchsichtig ist. Hinzu kommt die Lage im Zentrum Stuttgarts, nah am Alltag der Menschen. Dieser Stil, für den der Landtag ein frühes Beispiel war, zog sich später durch Europa. Insbesondere in Skandinavien entstanden mehrere Parlamentsgebäude, die sich durch viel Glas und eine Integration ins Stadtbild auszeichneten.
5. Hunderte Angestellte – aber keine Fensterputzer
Demokratische Transparenz – das ist also die symbolische Idee hinter der Glasfassade. In der Heimatregion der Kärcher-Geräte dürfte beim Anblick der riesigen Scheiben vielen jedoch ein anderer Gedanke kommen: Wer macht die eigentlich sauber? Hauseigene Fensterputzer beschäftigt der Landtag nicht, stattdessen kümmert sich eine externe Reinigungsfirma einmal im Jahr darum. Ansonsten arbeiten allerdings rund 65 Festangestellte im Gebäude. Die gesamte Landtagsverwaltung kommt sogar auf 300 Stellen und umfasst Stenografen oder Pressesprecherinnen genauso wie Schreinerinnen und Elektriker.
6. Umstrittene Kunst
Im und um das Haus des Landtags sind zahlreiche Kunstwerke zu finden – die „Bekleidete liegende Frau“ von Henry Moore aber nicht mehr. Ursprünglich vor dem Gebäude aufgestellt, konnten sich viele Stuttgarterinnen und Stuttgarter mit der Bronzeskulptur nie wirklich anfreunden. 1984 wurde sie an ihren heutigen Standort vor die Staatsgalerie verlegt.
7. Stuttgart im Meer
Ein anderes Ausstellungsstück erlaubt im Erdgeschoss einen ganz tiefen Blick in die Vergangenheit der Region. Dort zeigt eine Schiefertafel aus Holzmaden Versteinerungen aus der Zeit vor rund 180 Millionen Jahren, als das heutige Baden-Württemberg von einem tropischen Meer bedeckt war.
8. Untergrundstrukturen
Im Gegensatz dazu hat der Treppenabgang neben dem Landtag nichts mit der Erdgeschichte zu tun – auch wenn er einem Krater ähnelt. Seit 2017 führt er zum Bürger- und Medienzentrum, das als Ort für Pressekonferenzen und als Besuchereingang dient. Dabei handelt es sich nicht um den einzigen unterirdischen Zugang zum Parlament. Auch das Haus der Abgeordneten auf der anderen Seite der Konrad-Adenauer-Straße ist über einen Tunnel mit dem Hauptgebäude verbunden.
9. Kein Platz für Mikrowellen . . .
Erbaut wurde das Haus der Abgeordneten in den 1980er Jahren, weil der Platz im Hauptgebäude damals knapp wurde. 1987 fertig gestellt, verfügt es über mehr als 200 Büroräume – und über Küchen. Damit ist das Haus des Landtags nicht ausgestattet. Wer hier speisen will, muss ins „Plenum“. Also in das Restaurant auf der Schlossparkseite des Gebäudes, nicht in den Plenarsaal, in dem Essen und Trinken verboten ist.
10. . . dafür aber für Kinder
Gut aufgestellt ist das Haus des Landtags dagegen in Sachen Toiletten. Auf jeder Ebene findet sich je ein WC für Männer und eines für Frauen. Dazu kommen zwei behindertengerechte Toiletten. Und auch ein Eltern-Kind-Zimmer gibt es inzwischen. Im Januar vergangenen Jahres wurde außerdem ein kleiner Sitzungsraum mit Spielsachen, Kinderstühlen, Stillsessel und einem Arbeitsplatz eingerichtet.
