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Zu Fuß durch die Republik

Drei Monate Deutschland stecken in seinen Beinen: Markus Mohr ist seit Mitte Juli zu Fuß in der Republik unterwegs, um nicht nur Land, sondern auch Leute kennenzulernen. Nun hat er in Backnang Halt gemacht, seine Eltern und die Stadt besucht, in der er aufgewachsen ist.

Von Heinkensbüttel nach Backnang: Diese Strecke hat Mohr bereits zurückgelegt.

Von Heinkensbüttel nach Backnang: Diese Strecke hat Mohr bereits zurückgelegt.

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Gar nicht müde – ganz im Gegenteil – sitzt Markus Mohr nun in einer Eisdiele in Backnang und löffelt die aufgeschäumte Milch vom Cappuccino. Für einen, der gerade von Niedersachsen über Brandenburg, Sachsen und Bayern nach Backnang gelaufen ist, macht er nicht den Eindruck, als steckten ihm die vielen Kilometer in den Knochen.

Dunkle, kurze Haare, kurzer Bart, noch einen Rest der Sommersonne im Gesicht. Mitte Juli machte er den ersten Schritt seiner wohl einjährigen Reise, die ihn zu Fuß quer durch Deutschland führt. Mit nichts mehr als einem kleinen Rucksack auf dem Rücken und einem selbst gebauten Wagen, den er hinter sich herzieht. Heute geht es für ihn weiter in Richtung Zugspitze.

Aufgrund seines Berufs als Gärtner war der 33-Jährige immer wieder in Deutschland unterwegs und sah, wie unterschiedlich Land und Leute sind. „Es kann ja nicht sein, dass ich das Land, in dem ich aufgewachsen bin, nicht kenne“, dachte er sich und fasste den Entschluss, den er nicht bereute. Denn bereits nach den ersten drei Monaten seiner Tour hat Mohr viel zu erzählen – vor allem, weil er viel mit Menschen in Kontakt kommt, sich mit deren Traditionen, Sorgen und Belangen beschäftigt. Was machen Sie? Wo gehen Sie hin? Oder was ist in Ihrem Wagen? Die Leute kämen auf ihn zu, manche gehen ein Stück mit, viele laden den Wanderer zu sich nach Hause ein. In der Regel ist er mit dem Zelt unterwegs, doch es komme eben auch vor, dass ihm ein Dach über dem Kopf angeboten wird.

„Uns ist oft nicht bewusst, wie schön unser Land ist“, sagt Mohr. Um den Leuten genau das bewusst zu machen, führt er seit Beginn seiner Tour einen Reiseblog, in dem der Hobbyfotograf neben beeindruckenden Landschaftsaufnahmen auch Texte zu seinen täglichen Etappen verfasst. Und tatsächlich sind manche Fotos überraschend: So schöne Ecken gibt’s in Deutschland?

Ein genaues Ziel gibt es für Markus Mohr, der in einer kleinen Gemeinde in Niedersachsen lebt, nicht, nur die grobe Richtung. „Treiben lassen“, lautet seine Devise – und: „loslassen können.“ Denn so ganz einfach ist es nicht, seine gefestigten Alltagsstrukturen hinter sich zu lassen. Aber schon nach den ersten Schritten war alles vergessen. „Man muss nur begreifen, dass das kein Urlaub ist“, erklärt er. Deshalb hat er auch auf seiner Tour seinen Alltag: Aufstehen, acht bis neun Stunden laufen, das bedeutet zwischen 30 und 40 Kilometer im Schnitt, Schlafplatz suchen. Doch manchmal komme er auch nicht weit, manchmal hat er interessante Begegnungen am Wegesrand, ein spannendes Gespräch, eine fesselnde Situation – treiben lassen.

Zu so einer extremen Wanderung gehört neben dem besonderen Equipment auch, sich auf das wirkliche Notwendige zu beschränken. „Man lernt, dass man nur wenig zum Leben braucht.“ Worauf er aber nie verzichten will, ist die Dusche, bevor er in seinen Schlafsack steigt. Das war umso nötiger, als er die Region um Berlin bei Temperaturen bis zu 38 Grad erreicht hatte. „Die Hitze hat mir zu schaffen gemacht.“ Die extrem warmen Temperaturen haben nicht nur das Laufen schwer gemacht, am Abend war der Körper heiß, der Atem heiß, der Kopf müde. Bis zu acht Liter hat er in der Zeit am Tag getrunken, nur um das Ausgeschwitzte wieder aufzutanken. In den vergangenen drei Monaten hat Mohr ganze zehn Kilo abgenommen. „Und das, obwohl ich ständig gegessen habe“, sagt Markus Mohr lachend. Bedient am reichen Obst- und Gemüseangebot der Republik. „So viel Obst habe ich selten gesehen.“ Und gleichzeitig so viel Trockenheit im Land. Trockenheit, die ihm eine von drei unangenehmen Situationen seiner Wanderung einhandelte. „Ich kam an einen Waldbrand“, erzählt er. Zuerst war da der Geruch, dann auch schon die Flammen zu erkennen. Der Wind trieb die Funken, das Feuer sprang über und breitete sich in Windeseile aus. Mohr nahm die Beine in die Hand und konnte den Flammen rechtzeitig entkommen.

Auch mit dem Eichenprozessionsspinner machte er trotz jeglicher Vorsicht Bekanntschaft. An der polnischen Grenze beobachteten und verfolgten ihn ein paar Männer ein Stück. „Es könnte eine selbst ernannte Bürgerwehr gewesen sein, aber das werde ich nie erfahren.“ Bis auf diese eine mulmige Begegnung habe er aber hauptsächlich positive Bekanntschaften gemacht. „Die meisten Menschen sind aufgeschlossen und freundlich.“

In unruhigen Zeiten, in der die Stimmung im Land zu kippen droht, lernt Markus Mohr neben Deutschland auch sich selbst kennen. Denn auf einer solchen Reise hat man Zeit, abseits jeglichen Alltags, nachzudenken: „Träume hat jeder, nur die Wenigsten setzen sie um.“

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann Markus Mohr online auf seiner Deutschland-Wanderung unter www.landschaftsfotografie-mohr.de begleiten.

Von einem, der auszog, um seine Heimat kennenzulernen
Markus Mohr ist seit drei Monaten zu Fuß unterwegs durch Deutschland. Im Rucksack und seinem selbst gebauten Wagen befindet sich alles, was er zum Leben braucht.Fotos: privat

© yanik88 - stock.adobe.com

Markus Mohr ist seit drei Monaten zu Fuß unterwegs durch Deutschland. Im Rucksack und seinem selbst gebauten Wagen befindet sich alles, was er zum Leben braucht.Fotos: privat

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Erstellt:
4. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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