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Zwei Frauen wollen auf den Chefsessel

Bürgermeisterwahl Burgstetten: Amtsinhaberin Irmtraud Wiedersatz und Herausforderin Sonja Winter präsentieren sich bei Kandidatenvorstellung in Burgstall

Die Bürgermeisterwahl in einer Woche stößt in Burgstetten auf großes Interesse. Mehr als 200 Besucher strömten am Donnerstagabend zur Kandidatenvorstellung in die Gemeindehalle nach Burgstall. Dort bekamen sie allerdings nur zwei der drei Bewerber zu sehen.

Die Reihen in der Gemeindehalle Burgstall sind gut gefüllt, als Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz (links) und Herausforderin Sonja Winter ihre Ideen für Burgstetten präsentieren. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Reihen in der Gemeindehalle Burgstall sind gut gefüllt, als Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz (links) und Herausforderin Sonja Winter ihre Ideen für Burgstetten präsentieren. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BURGSTETTEN. Dauerkandidat Samuel Speitelsbach aus Ravenstein (Neckar-Odenwald-Kreis) hatte seine Teilnahme abgesagt. Ein Eklat wie in Murrhardt, wo Speitelsbach im Juli bei der Kandidatenvorstellung den Hitlergruß zeigte und daraufhin des Saales verwiesen wurde, blieb den Burgstettenern somit erspart. Blieben noch Amtsinhaberin Irmtraud Wiedersatz und Herausforderin Sonja Winter. Beide hatten jeweils 15 Minuten Zeit, um sich vorzustellen und eine weitere Viertelstunde, um Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Wiedersatz, die seit 1995 das Rathaus der 3700-Seelen-Gemeinde leitet, zählte in ihrer Rede auf, was unter ihrer Führung alles erreicht wurde. So biete Burgstetten bereits seit 2009 eine Ganztagsbetreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr an. Das Angebot für Senioren werde zurzeit vom Haus Elim durch den Neubau in Burgstall mit 30 Plätzen in der Tagespflege sinnvoll ergänzt. Und natürlich ließ Wiedersatz auch die 2,4 Millionen Euro teure Sanierung des Freibads, die in diesen Tagen begonnen hat, nicht unerwähnt. „Wir können mit Stolz sagen, dass wir das gemeinsam hinbekommen haben“, erklärte die Bürgermeisterin. Bei verschiedenen Aktionen waren rund 215000 Euro an Spenden für das „Bädle“ zusammengekommen.

Burgstetten sei schon immer eine finanzschwache Gemeinde gewesen und müsse deshalb bei den Investitionen Prioritäten setzen. Trotzdem seien nach der Sanierung des Freibads alle öffentlichen Einrichtungen in gutem Zustand. „Wir haben bewiesen, dass mit Willenskraft, Ideenreichtum und einem engagierten Gemeinderat sehr viel bewegt werden kann“, sagte die 58-Jährige, die sich um eine vierte Amtszeit bewirbt.

Beim Blick in die Zukunft ging Wiedersatz unter anderem auf das Neubaugebiet Brühl VI mit 40 Bauplätzen und auf die geplante Ansiedlung eines Rewe-Marktes in Burgstall ein. Außerdem wolle die Gemeinde künftig mehr für den Klimaschutz tun, etwa durch weitere Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden oder auch durch Zuschüsse an private Bauherren. Auch eine Ladesäule für Elektroautos sei in der Nähe des Bahnhofs geplant. In der Fragerunde ging es dann noch einmal um das geplante Baugebiet in Erbstetten. Ein Bürger wollte wissen, wie die Gemeinde die Bewohner dort vor Lärm schützen will angesichts der Nähe zur Kreisstraße. Man werde ein Lärmschutzgutachten in Auftrag geben und dann geeignete Maßnahmen beschließen, versprach Wiedersatz: „Ich bin sicher, es ist machbar, dass der Lärm nicht in die Häuser dringt“, so die Bürgermeisterin.

Gegenkandidatin Sonja Winter wollte zu Beginn erst einmal etwas gerade rücken. Dass sie die reine Frauenbesetzung im Burgstettener Rathaus „grausam“ finde, wie kürzlich in der BKZ zu lesen war, stimme nicht. Da müsse der Journalist was falsch notiert haben. Sie sei allenfalls der Ansicht, dass eine solche Zusammensetzung „nicht optimal“ sei und eine gute Durchmischung besser wäre.

Anschließend brauchte die sichtlich nervöse Kandidatin einen Großteil ihrer Redezeit, um ihren beruflichen und privaten Werdegang darzustellen und zu erklären, warum sie sich das Bürgermeisteramt trotz fehlender Verwaltungserfahrung zutraut. „Ich bin belastbar und kann viel arbeiten“, erklärte die 55-Jährige, die nach einer kaufmännischen Ausbildung bei verschiedenen Firmen tätig war, unter anderem als Chefsekretärin und im Marketing.

Schon immer habe sie gerne anderen geholfen, erklärte Winter. Deshalb habe sie sich auch für eine Kandidatur entschieden, nachdem sie von verschiedenen Seiten darauf angesprochen worden sei. „Die Leute wollten eine Wahl“, so Winter. Als unabhängige und parteilose Kandidatin sei sie frei von jeglichen Einflüssen und Interessen und fühle sich alleine den Bürgern verpflichtet. Diese will sie, wenn sie gewählt wird, bei wichtigen Fragen stärker einbinden als bisher.

Sonja Winter will die Einwohnerzahl steigern

Zu konkreten Themen sagte Winter relativ wenig. Sie erklärte, Burgstetten müsse „das Potenzial der S-Bahn viel mehr nützen, um Menschen in die Gemeinde zu locken“. Die Einwohnerzahl müsse steigen, um auch für Einzelhändler attraktiver zu werden. Gleichzeitig sprach sich die Herausforderin allerdings dafür aus, den Flächenverbrauch einzudämmen. Statt neue Baugebiete auszuweisen, solle Burgstetten lieber die zahlreichen Baulücken im Ort schließen.

Bei den Publikumsfragen stieß die Herausforderin bisweilen an Grenzen und musste einräumen, dass sie sich mit manchen Themen noch nicht beschäftigt hat. Einem Fragesteller versprach sie jedoch, sich für eine bessere Busverbindung von Burgstall nach Affalterbach starkzumachen. Außerdem schlug sie vor, entlang der Hauptstraße weitere Parkplätze auszuweisen. „Das führt automatisch zu einer Verkehrsberuhigung.“

Den beiden Kandidatinnen und natürlich auch Samuel Speitelsbach bleibt jetzt noch eine Woche Zeit, um die Bewohner von Erbstetten, Burgstall und Kirschenhardthof von sich zu überzeugen. Am Sonntag, 22. September, haben dann die Wählerinnen und Wähler das Wort. Sollte ein zweiter Wahlgang nötig sein, findet dieser am 13. Oktober statt.

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Erstellt:
14. September 2019, 06:00 Uhr

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