Die TSG Backnang holt Sebastian Gleißner zurück

Die Oberliga-Fußballer konzentrieren sich auf die morgige Partie beim TSV Essingen (15.30 Uhr), doch im Hintergrund wird am künftigen Kader gewerkelt. Dass es den Mittelfeldstrategen nach nur einem Jahr beim SV Fellbach wieder in die Etzwiesen zieht, ist ein wichtiger Baustein.

Sebastian Gleißner (links) trägt ab dem Sommer wieder das TSG-Trikot. Archivfoto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Sebastian Gleißner (links) trägt ab dem Sommer wieder das TSG-Trikot. Archivfoto: Alexander Becher

Von Steffen Grün

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison hatte Sebastian Gleißner seinen hohen Wert für die TSG Backnang noch einmal dick unterstrichen. Im Endspiel um den Klassenverbleib, das die Roten gegen Rielasingen-Arlen unbedingt gewinnen mussten, erzielte der Mittelfeldstratege zunächst das 1:0 und sorgte mit dem 3:1 in der dritten Minute der Nachspielzeit für die Erlösung. Der Etzwiesenverein durfte sich auf seine vierte Oberliga-Runde in Serie und die sechste insgesamt freuen. „Das sind Emotionen pur. Das war für mich ein toller Abschied mit einem Happy End nach einer sehr intensiven Saison“, sagte Sebastian Gleißner, der zu dem Zeitpunkt bereits die Rückkehr zu seinem Heimatverein SV Fellbach verkündet hatte.

Niemand konnte damals ahnen, dass der mittlerweile 29-Jährige nach lediglich einer Spielzeit wieder den umgekehrten Weg vom Remstal ins Murrtal antreten würde. Zumal die Gründe für den Wechsel nach Fellbach stichhaltig waren. Zum einen verschaffte die wesentlich kürzere Hin- und Rückfahrt vom benachbarten Wohnort zum Training dem jungen Vater mehr Zeit für seine Familie und er konnte nach der Arbeit in Unterbrüden wenigstens kurz zu Hause vorbeischauen. Zum anderen ging’s von der Oberliga zwar eine Etage runter in die Verbandsliga, doch mit dem aus Backnang bekannten Trainer Mario Marinic und der Unterstützung des Hauptsponsors Wohninvest sah es beim SVF auch sportlich nach einem sehr spannenden Projekt aus. Das bewahrheitete sich: Das Team vom Kappelberg führt die Tabelle acht Partien vor dem Saisonende an und kann den Oberliga-Aufstieg schaffen.

In Fellbach sieht Gleißner nicht mehr die anfangs erhoffte sportliche Perspektive

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Warum bricht Gleißner die Zelte bei seinem Heimatverein also bereits wieder ab, um nach bislang bereits fünf Spielzeiten im TSG-Trikot (2016 bis 2018, 2020 bis 2023) erneut einen Vertrag bis zum 30. Juni 2026 in Backnang zu unterschreiben? Dass es etwas mit dem kriselnden Geldgeber zu tun hat, der laut Medienberichten zuletzt schon mit seinen Sponsorenzahlungen bei Vereinen wie Werder Bremen, dem TVB Stuttgart oder dem VfL Waiblingen in Verzug geraten sein soll, ist eine naheliegende Vermutung – zumal trotz aller Erfolge auf dem Platz auch Coach Mario Marinic (Ziel unbekannt), Stürmer Fabijan Domic (1. FC Normannia Gmünd) und Abwehrspieler Niklas Koroll (1. CfR Pforzheim) bereits ihren Abschied zum Saisonende verkündet haben und vermutlich weitere Abgänge folgen dürften.

„Derzeit fehlt die sportliche Perspektive, das Projekt wie geplant durchzuziehen“, betont Sebastian Gleißner und meint das Vorhaben, sich nach einem möglichen Aufstieg tatsächlich in Baden-Württembergs höchster Spielklasse zu etablieren. Das ändert allerdings nichts am Ehrgeiz, in den verbleibenden acht Spielen in dieser Saison das Maximum erreichen zu wollen. „Wir als Mannschaft und ich als Spieler wollen den Titel nach Fellbach holen“, verkündet der gebürtige Stuttgarter, der von 2013 bis 2015 auch schon das Großaspacher Trikot getragen hat und beim Sprung in die Dritte Liga mit von der Partie war. Wie die Verantwortlichen beim SVF auf den Aufstieg reagieren und ob es ihnen gelingen würde, eine konkurrenzfähige Mannschaft ins Rennen schicken zu können, ist nicht seine Baustelle.

Als für Sebastian Gleißner klar war, dass er seinen Heimatverein nach einem kurzen Intermezzo wieder verlassen würde, waren Oguzhan Biyik und Marc Erdmann nicht seine einzigen Ansprechpartner. Er habe auch Gespräche mit anderen Vereinen geführt, doch letztlich bekamen die Sportlichen Leiter der TSG seine Zusage. „Ich kenne das Umfeld und weiß, was mich dort erwartet“, sagt er und bezeichnet die Backnanger als „familiären Verein, in den viele Leute viel Herzblut stecken und die als Helfer immer da sind“. Die Rückkehr passe auch zur Situation in seiner Familie mit dem knapp zweijährigen Sohn, obwohl es vom Arbeitsplatz in Auenwald fortan wohl wieder auf direktem Weg auf das Trainingsgelände geht.

In den nächsten Wochen drückt Sebastian Gleißner seinem alten und neuen Verein aus der Ferne die Daumen, dass es mit dem Oberliga-Verbleib klappt. „Ein paar Punkte fehlen noch, aber das sollte machbar sein“, vertraut der Mittelfeldstratege dem TSG-Team, das er für die nächste Saison als erster Zugang verstärkt. „Mit Seba bekommen wir einen unserer absoluten Wunschspieler“, sagt Oguzhan Biyik: „Er bringt die nötige Erfahrung und Mentalität mit, um unsere Mannschaft zu führen.“ Ähnlich sieht’s Backnangs anderer Sportlicher Leiter. Marc Erdmann nennt den Rückkehrer einen „absoluten Ausnahme- und Unterschiedsspieler mit überragender fußballerischer Qualität“. Das hat er vor allem auf seinen Stationen in der Oberliga und nicht zuletzt im TSG-Dress bewiesen, im Speziellen am letzten Spieltag der vergangenen Runde.

Rund ums Spiel in Essingen

Der Trend Daheim läuft’s bei der TSG Backnang seit der Winterpause rund, in vier Spielen gab es drei Siege und ein Remis. Auswärts ist die Bilanz mit drei Niederlagen und zwei Unentschieden weniger rosig. Lust auf die Partie am morgigen Samstag um 15.30 Uhr beim TSV Essingen haben die Roten trotzdem noch. „Wir fahren zuversichtlich hin“, betont Pavlos Osipidis lachend.

Der Gegner Der TSG-Trainer sieht mit dem Gastspiel im Ostalbkreis „eine unangenehme, aber trotzdem machbare Aufgabe“ auf sein Team zukommen. Mit drei Punkten mehr liegt Essingen als Achter einen Platz vor Backnang, im neuen Jahr sprangen bereits fünf Siege heraus und der TSV musste sich nur zweimal geschlagen geben (zuletzt beim Spitzenreiter in Villingen mit 0:2). Ein Leistungsträger ist Patrick Funk, der für den VfB Stuttgart in der Saison 2010/2011 sogar neun Erstliga-Partien bestritten hat und später in der Zweiten und Dritten Liga für den FC St. Pauli, den SV Wehen Wiesbaden und den VfR Aalen im Einsatz gewesen ist.

Der Abstiegskampf „Der Deckel ist noch nicht drauf“, sagt Osipidis zum angepeilten Klassenverbleib. Mit 38 Punkten hat die TSG als Neunter aber gute Karten, zumal alles dafür spricht, dass der ATSV Mutschelbach für die neue Oberliga-Saison nicht meldet und es daher einen Absteiger weniger gibt.

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Erstellt:
18. April 2024, 19:05 Uhr

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