„Kleines Finale“: Bayer und Bayern heiß auf Liga-Gipfel

dpa München. Das Beste zum Schluss: Nach der glorreichen Weltfußballer-Kür geht der FC Bayern euphorisiert ins Top-Duell. Das Triplejahr soll unbedingt auf Platz eins beendet werden. Lewandowski und Neuer wollen in einem „geilen Spiel“ vorangehen. Gibt's ein ersehntes Comeback?

Sind mit Bayern bei Tabellenführer Leverkusen gefordert: Hansi Flick (l) und der frischgebackene Weltfußballer Robert Lewandowski. Foto: Sven Hoppe/dpa

Sind mit Bayern bei Tabellenführer Leverkusen gefordert: Hansi Flick (l) und der frischgebackene Weltfußballer Robert Lewandowski. Foto: Sven Hoppe/dpa

Dieser Motivationsschub kommt für den FC Bayern zum perfekten Zeitpunkt. Die großen Ehrungen von Robert Lewandowski als neuer Weltfußballer und Manuel Neuer als Welttorhüter beflügeln den deutschen Rekordchampion für den spektakulären Abschluss des Triplejahres.

„Ich hoffe, dass dieser Abend noch das eine oder andere frei setzt, dass wir alles herausholen, was in uns steckt“, sagte Trainer Hansi Flick am Tag vor dem Bundesliga-Spitzenspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) bei Tabellenführer Bayer Leverkusen. „Es wäre die Kirsche auf der Sahnetorte, wenn wir die drei Punkte holen würden.“

Im finalen Akt eines sportlich grandiosen Jahres wollen die Münchner mit einem Sieg beim Tabellenführer die Bundesliga-Spitze zurück erobern und die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball klarstellen. „Ich hoffe, dass wir die Positionen in der Tabelle wechseln und wieder auf den ersten Platz springen“, sagte Lewandowski. „Wir sind immer noch im Siegermodus und wollen in diesem Modus bleiben.“

Für das Selbstverständnis der in Pokal und Champions League in dieser Saison erfolgreichen Super-Bayern gehört eben das Überwintern auf Rang eins der Bundesliga zum Selbstverständnis. „Es ist noch mal ein kleines Finale“, heizte Kapitän Neuer vor dem Duell am Rhein ein. Die noch ungeschlagenen Gastgeber wollen dabei weiter gegen das im Sommer wieder schmerzhaft erlebte „Vizekusen“-Image ankämpfen.

Bei der Neuauflage des Pokalfinales aus dem Juli, als die Münchner um den Doppeltorschützen Lewandowski ein 4:2 und das Double feierten, könnte sogar der seit Anfang November verletzte Joshua Kimmich wieder zum Kader gehören. Flick ließ die Rückkehr des Mittelfeldchefs ebenso offen wie die des zuletzt angeschlagenen Leon Goretzka. Kimmich wurde nach dem Superjahr der Bayern zusammen mit Lewandowski, Alphonso Davies und dem zum FC Liverpool gewechselten Thiago in die Weltelf der FIFA gewählt. „Titel, wie die von Rob und Manu, sind auch eine gewisse Verpflichtung, die Leistung zu bestätigen“, sagte Flick.

Er selbst haderte allerdings etwas, dass er bei der Kür zum Trainer des Jahres Zweiter hinter Liverpools Meister-Coach Jürgen Klopp wurde. Er sei ein „bisschen enttäuscht“ gewesen, nehme es aber sportlich, sagte der 55-Jährige. „Es geht weiter für uns, wir haben neue Ziele, die wir erreichen wollen.“

Vor dem Duell am Rhein muss Flick das Rückstandrätsel in seinem Ensemble lösen, denn in den vergangenen sechs Ligaspielen ging immer der Gegner in Führung. Die erfolgreiche Mia-san-Mia-Formel, vorne Lewandowski und hinten Neuer, half aber bei den Aufholjagden entscheidend weiter. Eine Bayern-Niederlage gab's in diesen Partien nie. „Wir wollen natürlich den maximalen Erfolg“, sagte Neuer, „und dann freuen wir uns auf Weihnachten.“

Der Münchner Kräfteverschleiß nährt Leverkusens Hoffnung, bei der Reifeprüfung die Spitze zu behaupten. „Wenn man so lange ungeschlagen ist, hat man einfach eine breite Brust“, sagte Nationalspieler Nadiem Amiri vor einem „geilen Spiel“. Anders als früher präsentieren sich die Rheinländer nicht zauderhaft, sondern blicken der Bewährungsprobe forsch und freudig entgegen. „Dafür arbeiten Trainer und Spieler, um solche Spiele zu erreichen. Große Spiele muss man genießen, dann gibt das Energie“, sagte Bayer-Trainer Peter Bosz.

Leverkusen geht nach dem starken Vorjahr, als erst am Ende beim Kampf um den ersten Titel seit 27 Jahren die Luft ausging, furchtlos in das große Duell. „Wir wollen dieses Jahr große Dinge schaffen“, kündigte Offensivspieler Leon Bailey an. Er und Bayerns Champions-League-Siegtorschütze Kingsley Coman prägen derzeit das Flügelspiel in der Bundesliga. „Im Moment ist Kingsley Coman der Maßstab“, hob Flick erneut hervor.

Nach einem „stolzen Tag für den FC Bayern“, wie es Präsident Herbert Hainer nach der Kür von Lewandowski, Neuer & Co. hervorhob, soll das glorreiche Jahr unbedingt mit Platz eins abgeschlossen werden. „Egal wie viele Titel ich gewonnen habe, es wird nie genug“, kündigte Lewandowski an. Doch gerade gegen Leverkusen tat sich der Pole oftmals schwer. In 17 Ligaspielen glückten ihm nur vier Treffer. „Wir wollen weiter gewinnen und weiter Titel holen“, kündigte der auch am Tag nach der Wahl noch ergriffene Lewandowski an. „Ich hoffe, dass unsere Ära noch länger dauert.“ Erstmal soll aber der Sieg gegen Leverkusen her.

© dpa-infocom, dpa:201218-99-743936/3

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Erstellt:
18. Dezember 2020, 13:20 Uhr

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