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„Ich traue der TSG den Klassenerhalt zu“

Das Interview: Heute kehrt Evangelos Sbonias als neuer Trainer des SGV Freiberg zu seinem alten Verein in die Etzwiesen zurück. Vor dem Auftaktspiel in der Fußball-Oberliga spricht der 37-Jährige unter anderem über seine turbulente Amtszeit in Backnang.

Hinauf in die Regionalliga: Ex-TSG-Coach Evangelos Sbonias zeigt an, wo er mit dem SGV Freiberg spätestens 2022 sein will. Foto: Baumann

© Pressefoto Baumann

Hinauf in die Regionalliga: Ex-TSG-Coach Evangelos Sbonias zeigt an, wo er mit dem SGV Freiberg spätestens 2022 sein will. Foto: Baumann

Von Steffen Grün

Es hat schon Trainer gegeben, die länger das Sagen unter dem Viadukt hatten als Evangelos Sbonias und trotzdem keinen so bleibenden Eindruck hinterließen. Als der Bietigheimer im November 2018 anheuerte, war Backnang dem Abstieg geweiht. Eine starke Oberliga-Rückrunde hätte fast noch zur Trendwende geführt, aber eben nur fast. Unglücklich ging es runter, souverän sofort wieder rauf, doch wegen der Coronapandemie war die Saison im März dieses Jahres abrupt beendet. Sbonias sagte Servus – warum, erklärt der A-Lizenz-Inhaber im Interview noch einmal. Nun trainiert er den SGV Freiberg und räumt ein, dass er sich das heutige Gastspiel bei seinem Ex-Verein um 14 Uhr im Etzwiesenstadion zu einem späteren Zeitpunkt gewünscht hätte.

Erinnern Sie sich an den 7. März 2020?

Da war das letzte Spiel der vergangenen Verbandsliga-Saison mit der TSG Backnang beim SV Fellbach, kann das sein?

Nein, die Partie in Fellbach fand bereits eine Woche vorher statt. Es war das 0:0 zu Hause gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen.

War das tatsächlich das letzte Spiel? Das fühlt sich fast so an, als wäre es aus einer anderen Zeit. Es ist schwierig, sich dahin zu versetzen, weil in der Fußballwelt und in der normalen Welt damals irgendwie noch alles okay zu sein schien. Seitdem haben sich viele Dinge verändert.

Rechneten Sie damals schon damit, dass es Ihre letzte Partie als TSG-Trainer gewesen ist, weil es zum Saisonabbruch kommen könnte?

Viele hatten schon damit gerechnet, ich noch nicht. In Deutschland war Corona damals ja noch im Kommen und dass es dann so schnell gehen und es das letzte Spiel sein würde, davon war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht überzeugt.

Kurz darauf wurde auch der Trainingsbetrieb eingestellt. Wie haben Sie das abrupte Ende Ihrer Amtszeit in den Etzwiesen erlebt?

Als endgültig klar wurde, dass es keine Rückkehr mehr geben würde, nicht einmal auf den Trainingsplatz, hatte ich einige Zeit damit zu kämpfen. Man konnte sich gegenseitig nicht gebührend verabschieden, die Meisterschaft sowie den Oberliga-Aufstieg nicht miteinander auf dem Platz feiern. Es war sehr schwierig, das zu verarbeiten und zu akzeptieren.

Was waren die Hauptgründe dafür, dass Sie bereits im März beschlossen hatten, die TSG Backnang nach der Saison zu verlassen?

Es ist weiterhin dasselbe, auch wenn ich nun einige Monate später gefragt werde. Es war ein Bauchgefühl, darauf höre ich oft, da ist nichts hineinzuinterpretieren. Es gab und gibt keine Probleme, ich war sehr gerne in Backnang und kehre auch sehr gerne zurück. Ich habe tolle Spieler, super Verantwortliche und sympathische Anhänger kennengelernt. Mir war auch wichtig, es schnell und sauber gegenüber dem Verein zu kommunizieren, um den Verantwortlichen genügend Zeit zu verschaffen, einen Nachfolger zu finden.

Viele glaubten damals, Sie hätten schon einen neuen Verein, dem war aber nicht so.

Bei mir gibt es kein Taktieren. Ich sagte damals, dass ich noch keinen neuen Verein habe, und das war definitiv so. Vielleicht kann es der eine oder andere jetzt besser nachvollziehen, dass es wirklich ein Bauchgefühl war. Ich hatte nichts in der Hinterhand, das wissen jetzt alle.

Trotzdem die Frage: Waren die finanziellen Mittel in Backnang schlicht zu knapp, um mit Ihrem großen Ehrgeiz Schritt zu halten?

Nein, null Komma null. Auch mit den finanziellen Mitteln in Backnang haben wir hervorragende Arbeit geleistet. Wir sind sehr unglücklich aus der Oberliga abgestiegen und völlig souverän wieder aufgestiegen, obwohl es auch in der Verbandsliga einige Vereine gibt, die andere Möglichkeiten haben. Wenn ich mir den aktuellen Kader anschaue, traue ich der TSG den souveränen Klassenerhalt zu.

Haben möglicherweise die organisatorischen Rahmenbedingungen eine Rolle gespielt?

Nein. Der Verein hat zwar viele Aufgaben zu bewältigen und möchte sich stets auch organisatorisch verbessern, aber ich muss eine Lanze brechen: Es ist nicht so, dass es woanders immer besser ist. Allerorten gibt’s Probleme und es sind Kompromisse einzugehen. Nicht nur in Backnang, das habe ich so auch vor den Spielern vertreten. Hier gibt es genügend gute Dinge.

Was bleibt hängen, wenn Sie auf Ihre Zeit bei den Roten mit dem Abstieg in die Verbandsliga trotz der bärenstarken Rückrunde sowie dem sofortigen Wiederaufstieg in die Oberliga trotz des Saisonabbruchs zurückblicken?

Es waren sehr intensive eineinhalb Jahre, die wir mit viel Inhalt gefüllt haben – das sah man am Ende auch am Ergebnis. Ich habe einen topgeführten Verein verlassen, zu dem ich als Zuschauer oder als gegnerischer Trainer sehr gerne zurückkehre. Wenn ich in Backnang ins Stadion laufe, habe ich immer das Gefühl, dass sich die Menschen wirklich freuen, wenn sie mich sehen. Und auch ich freue mich, sie zu sehen. Das ist mir wichtig.

Nun also der SGV Freiberg, bei dem Sie am 25. Juli als Coach vorgestellt wurden. Was hat es am Neckar, was es an der Murr nicht hat?

Hier hat es den Neckar, dort hat es die Murr (lacht). Die Vereine sind natürlich nicht miteinander zu vergleichen. Jeder Klub hat seine eigene Ausrichtung, auch diese beiden. Es wird ein wenig das Bild gezeichnet, dass in Freiberg alles nur mit hochprofessionellen Strukturen funktioniert. Aber auch hier gibt es viele Ehrenamtliche, die sich schon seit Jahrzehnten mit viel Herzblut einbringen und diesen Verein strukturell weiterbringen wollen. Das ist auch eine Parallele zur TSG.

Viele sehen in Ihrem neuen Verein aber den finanziellen Krösus der Oberliga. Ein Ruf, der durch spektakuläre Verpflichtungen wie der von Marco Grüttner sowie einiger weiterer Spieler mit Zweit-, Dritt- und Regionalliga-Erfahrung befeuert wurde. Was sagen Sie dazu?

Andere Oberligisten tun ja gerade so, als würden sie mit Wattebäuschchen werfen. Das ist tiefgestapelt, gelinde ausgedrückt. Es gibt etliche Rivalen, die finanziell auf demselben Niveau oder noch stärker sind. Keiner braucht so zu tun, als hätten wir viel mehr Mittel als andere Oberligisten, nur weil wir etwa Marco Grüttner geholt haben. Er kehrt zu seinem Heimatverein zurück und spielt nicht nur hier, sondern wird sportlicher Leiter und bekommt eine berufliche Perspektive. Daraus dann irgendwelche Dinge abzuleiten, ist sehr weit hergeholt. Auch hier sitzen Spieler am Tisch, die am Ende zu anderen Vereinen gehen, weil dort mehr bezahlt wird.

Die Konkurrenz hebt neben den Stuttgarter Kickers vor allem den SGV Freiberg auf das Favoritenschild. Nehmen Sie diese Rolle an?

Das interessiert mich wenig, ich beschäftige mich damit auch nicht. Das habe ich auch in Backnang nicht getan, als wir mit acht Punkten bereits abgeschrieben waren, als ich dort angefangen habe. Durch dieses Gequatsche ist noch nie etwas passiert und niemand hat etwas erreicht oder nicht erreicht. Es geht darum, hart zu arbeiten. Was das Ergebnis sein wird, kann ich noch nicht vorhersagen, da es in dieser Runde einige Wundertüten gibt. Wir haben 20, 21 neue Spieler, die erst einmal zu einer Einheit geformt werden müssen. Die Einzelteile machen noch lange keinen Topfavoriten aus, auch wenn es aufgrund der Transferaktivitäten vielleicht einfach sein mag, uns auf das Schild zu heben.

Ihr Vorgänger Milorad Pilipovic musste mitten in der Vorbereitung gehen. Droht die Gefahr, dass der Trainerstuhl in Freiberg wegen der hohen Erwartungen zum Schleudersitz wird, wenn es nicht von Anfang an rund läuft?

Wer als Trainer in höheren Gefilden arbeitet, muss damit rechnen, dass es zum Schleudersitz werden kann. Ich habe in den Gesprächen mit Freiberg jedoch das Gefühl vermittelt bekommen, dass es ein Zweijahresprojekt ist, an dessen Ende der Regionalliga-Aufstieg stehen soll. Jedem ist klar, dass es Geduld braucht, eine neue Mannschaft zu formen. Wer mich kennt, weiß aber ohnehin, dass mir niemand zusätzlichen Druck machen muss, weil ich mir den größten Druck selbst mache.

Haben Sie sich gefreut, als Sie sahen, dass Sie mit dem SGV Freiberg schon am ersten Spieltag zur TSG Backnang zurückkehren?

Nein, ganz ehrlich nicht. Später hätte es auch noch gereicht. Zumal sich die TSG aufgrund des Saisonabbruchs dazu entschieden hat, das Trainerteam mit Darko Milosevic, Salvatore Rivarolo und mir am ersten Spieltag zu verabschieden und zudem das Meisterteam zu ehren – jetzt komme ich mit einem anderen Klub, diese Konstellation hätte nicht sein müssen.

Falls es vorher einen Sieger und einen Verlierer gab, sind entweder Sie oder Ihre Ex-Spieler enttäuscht. Spricht für ein Remis, oder?

Da kann ich so nicht zustimmen (lacht). Wir fahren nach Backnang, um dort zu gewinnen. Ich hoffe trotzdem und bin da auch guter Dinge, dass wir danach ein bisschen miteinander feiern können – egal, wie die 90 Minuten gelaufen sind.

Was trauen Sie der TSG in Zukunft zu?

Die Verantwortlichen haben den Kader wieder sehr gut verstärkt und ein schlagkräftiges Team gebastelt. In dieser Saison traue ich der TSG auf alle Fälle den Klassenerhalt zu, auch mittel- und langfristig kann sie sich in der Oberliga etablieren.

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Erstellt:
22. August 2020, 06:00 Uhr

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