Julian Schiebers Ziel ist klar, der Weg dorthin noch nicht

Nach seinen ersten Trainererfahrungen bei der TSG Backnang und der SG Sonnenhof Großaspach macht der Ex-Profi nun im Sommer erst einmal Pause und begibt sich auf Fußballweiterbildungstour. Dabei leistet er im Fautenhau schon jetzt erfolgreiche Arbeit.

Ein halbes Jahr schaut Julian Schieber noch, dass es bei Großaspachs A-Jugend läuft. Dann plant er eine Pause als Trainer ein und schaut, wie es andernorts funktioniert. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Ein halbes Jahr schaut Julian Schieber noch, dass es bei Großaspachs A-Jugend läuft. Dann plant er eine Pause als Trainer ein und schaut, wie es andernorts funktioniert. Foto: Alexander Becher

Von Uwe Flegel

Als Stürmer galt Julian Schieber einst als Typ, der ohne große Umwege in Richtung gegnerisches Tor steuert. Nun, gut vier Jahre nach seinem letzten Bundesliga-Spiel, ist der in Backnang geborene Angreifer offenbar gerne bereit, auch einmal abzubiegen. Der ehemalige Profifußballer schaut, ob das Ziel vielleicht auch über eine andere Strecke zu erreichen ist, ob er eventuell gar den Kurs ein wenig verändern soll. Beim Versuch, sich eine Karriere nach der Karriere aufzubauen, ist der 34-Jährige immer noch ein bisschen ein Suchender. Im Sommer hört er als Cheftrainer der A-Jugend und als Co-Trainer des Oberliga-Teams der SG Sonnenhof Großaspach auf. Er wird wieder zum Schüler, um zu hospitieren und bei anderen Trainern und erfahrenen Coaches über die Schulter zu schauen. Er will einfach weiter lernen, der Mann, der bereits in der Champions League in einem Finale am Ball war, der den deutschen Supercup gewonnen hat und der als 19-Jähriger mit dem VfB Stuttgart Deutscher A-Jugend-Meister war.

Der Einstieg ist gemacht, nun folgt ein vorübergehender Ausstieg

Nun gibt er die Erfahrung aus 167 Bundesliga-Spielen für den VfB Stuttgart, den 1. FC Nürnberg, Borussia Dortmund, Hertha BSC und den FC Augsburg gerne an den Nachwuchs weiter. „Ich sehe mich auf lange Sicht eher im Jugendbereich.“ Die Aussage stammt aus der Zeit, kurz nachdem er im Sommer 2021 aus Augsburg zurückgekehrt war und nicht mehr ständig zwischen der Fuggerstadt am Lech sowie seiner Frau und den drei Kindern im Murrtal hin- und herpendeln musste. Der erste Job in der neuen alten Heimat war dann aber als Co-Trainer des Oberligisten TSG Backnang eine Tätigkeit im Erwachsenenbereich. Nach zwölf Monaten an der Seite von Spielertrainer Mario Marinic ging es zum Nachbarn SG Sonnenhof. Dort war er erst ein Jahr Assistent von Evangelos Sbonias, nun arbeitet er Pascal Reinhardt zu. Vor allem aber ist Schieber im Fautenhau als Coach im Nachwuchsbereich tätig. Erfolgreich. Erst bei den B-Junioren, seit einer halben Saison bei der A-Jugend. Mit der liegt er nach der Vorrunde unerwartet auf Rang zwei. Nur die Übermannschaft der Liga, der verlustpunktfreie SC Freiburg, ist besser. Schieber ist davon nicht überrascht: „Diese Mannschaft hat in dieser Liga nichts verloren, sie ist zu gut.“

Der frühere U-21-Nationalspieler fühlt sich wohl als Trainer im Nachwuchsbereich

Entsprechend zufrieden ist der frühere U-21-Nationalspieler mit seiner Aufgabe im Jugendbereich: „Da entscheide ich selbst, wie wir spielen, mit welchen Vorgaben ich mein Team ins Spiel schicke.“ Anweisungen, die seine Jungs offenbar verstehen und umsetzen. „Ich habe den Eindruck, dass sie durchaus was mitnehmen, dass ich ihnen was mitgeben kann.“ Es läuft gut und wenn ihn was schmerzt, dann „dass uns über den Winter drei Spieler verlassen haben, weil sie nicht die von ihnen erhoffte Spielzeit hatten“. Zahlenmäßig ist das angesichts der Größe des SG-Kaders kein Problem. Schieber ist trotzdem enttäuscht, fragt sich „warum es nicht geklappt hat, sie zu überzeugen, den Weg bei uns weiterzugehen“. In der Jugend sei immer viel Euphorie und Talent dabei, „aber eben auch sehr viel Enttäuschung“, hat er erkannt. Gilt das auch für ihn als A-Jugend-Trainer, wenn er ein Talent wie Lukas Stoppel hat, das ihm im Prinzip jedoch nie zur Verfügung steht, da es in der Oberliga benötigt wird? „Natürlich willst du als Trainer erfolgreich sein, aber du freust dich, wenn es jemand nach oben schafft und dann dort auch bleibt.“ Das gelte für Lukas Stoppel wie für den ebenfalls erst 18-jährigen Jannis Gesell: „Ihn habe ich bei Hollenbach gesehen, zu uns geholt und nun bin ich froh, dass er bei uns im Aktivenbereich einen Vertrag erhält.“

Schieber versucht, Überzeugung und Willenskraft zu vermitteln

Der beim SV Unterweissach groß gewordene Schieber weiß allerdings, dass damit nur der erste kleine Schritt geschafft ist. Um auf lange Sicht weiterzukommen, braucht es Attribute wie Überzeugung und einen ausdauernden Willen. Das zu vermitteln, sieht er als seine Aufgabe an. Er verdeutlicht das am Beispiel der ersten Mannschaft des eigenen Vereins, die als Oberliga-Spitzenreiter hofft, am Saisonende den Sprung in die Regionalliga zu schaffen. Julian Schieber sagt dazu: „Wichtig ist das Ziel Aufstieg. Und da ist im Sport die Liga gar nicht so entscheidend. Wichtig ist, alles dafür zu tun, um ein gestecktes Ziel zu erreichen.“ Wer vorwärtskommen wolle, für den gelte es, jeden Tag seine Rolle anzunehmen und dem Druck standzuhalten.

Einige alte Weggefährten, bei denen sich ein Blick über die Schulter lohnt

Das ist viel und trotzdem sagt der Fußballer mit zwölf Jahren in der Bundesliga: „Ich sehe mich noch in der Ausbildung.“ Die sogenannte B-plus-Lizenz des DFB hat er, der A-plus-Schein ist das nächste Ziel. Davor schaut er nun anderen, erfahreneren Trainern über die Schulter und tauscht sich mit ihnen aus. Sein Ex-Verein in Dortmund könnte eine Station sein, sein ehemaliger Coach Jürgen Klopp, wenn der nach seiner Auszeit irgendwo wieder einsteigt, oder auch der VfB sowie das Ausland. Kontakte hat er genug. Zum Beispiel zum Ex-Aspacher Evangelos Sbonias. Der 41-Jährige ist mittlerweile beim 1. FC Köln II tätig und Julian Schieber hält offensichtlich große Stücke auf seinen Chefcoach bei der SG in der vergangenen Saison. „Ich war ein Jahr in seinem Trainerteam und habe gesehen, wie er etwas entwickelt. Was er erreicht hat, ist kein Zufall, sondern Ergebnis harter Arbeit.“ Eventuell muss der 34-Jährige gar nicht so arg lange suchen, wenn er am Saisonende abbiegt, um seinen Weg über eine andere Strecke zu finden.

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Erstellt:
9. Februar 2024, 06:00 Uhr

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