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Leichtathleten ziehen sich wieder Spikes an

Schneller, höher, weiter – so in etwa könnte das Credo eines Sportlers der LG Weissacher Tal lauten. Und sich dabei mit anderen Athleten bei Wettkämpfen zu messen, gehört selbstverständlich dazu. Jedoch war dies lange Zeit coronabedingt nicht möglich.

Aydin Tekdal hat beim Wettkampf nach der Coronapause in Sindelfingen mit 50,44 Sekunden über 400 Meter eine persönliche Bestzeit aufgestellt. Foto: R. Görlitz

© Ralf Görlitz

Aydin Tekdal hat beim Wettkampf nach der Coronapause in Sindelfingen mit 50,44 Sekunden über 400 Meter eine persönliche Bestzeit aufgestellt. Foto: R. Görlitz

Von Simon Ferber

Sprungseil, Medizinball und Deuserband – diese drei Trainingsmittel waren die Grundausrüstung der Athleten während der durch die Coronapandemie verursachten Zwangspause. Denn die Kontaktbeschränkungen der Behörden haben auch vor dem Trainingsgelände der LG Weissacher Tal keinen Halt gemacht. Dass man sich davon jedoch nicht aufhalten lassen sollte, Sport zu treiben und seiner Lieblingssportart nachzugehen, wussten die Verantwortlichen der LG von Anfang an. So verging auch nicht allzu viel Zeit. Es wurden schnell zahlreiche Alternativen angeboten. Zum einen gab es – trotz der Sperrung des Stadions am Bildungszentrum – weiterhin die Möglichkeit, individuell zu trainieren. Der Laufsport beispielsweise stellt prinzipiell eine Einzelsportart dar, sodass es für einen Läufer nichts Neues ist. Dabei blieb es jedem selbst überlassen, ob das Training auf örtlichen Wald- oder Feldwegen oder auch eventuell auf dem heimischen Laufband stattfand.

Zum anderen gab es Trainingspläne, welche von Sinje Hettich, Trainerin der Aktiven ab dem Jahrgang U 16, erstellt und individuell von den Sportlern durchgeführt wurden. „Wir konnten den Kontakt zu unseren Sportlern stets aufrechterhalten. Die Trainingspläne wurden positiv angenommen, was sich später in den ersten Trainings nach der Kontaktsperre zeigte“, schildert die Trainerin. Doch dabei sollte es noch lange nicht bleiben.

Wenn ein Treffen nicht möglich war, musste man sich eben etwas anderes einfallen lassen. So ungefähr dachten auch die Verantwortlichen und Mitglieder aus dem Täle. Nach jedem Work-out konnten die Sportler, egal ob jung oder alt, ein Selfie in den Gruppenchat posten. Dadurch blieb der Kontakt untereinander noch besser erhalten, nebenbei sorgten die Bilder für eine steigende Motivation der anderen Läufer. Dass während der Coronapandemie vermehrt Zeit in den eigenen vier Wänden verbracht wurde, das hat sich Sinje Hettich zunutze gemacht und wöchentliche Trainingseinheiten an die Sportler verteilt. Dabei wurde völlig unterschiedlich an Kräftigung, Mobilisation, Geschicklichkeit und Beweglichkeit gefeilt. Die Hilfsmittel für die Einheiten waren gewöhnliche Haushaltsgegenstände. Sich davor drücken war also keine Option. Im Gegenteil: Mit Begeisterung wurden die Übungen mit Handtüchern, PET-Flaschen oder auch Socken angenommen. Zusätzlich wurden dazu in Kleingruppen Videoclips zur jeweiligen Übung gedreht und an die anderen Sportler verteilt. Den Kindern und Jugendlichen hat dies besonders gefallen, denn der Kreativität wurden dabei keine Grenzen gesetzt. Lediglich die auszuführende Trainingsmethode musste nach den Vorgaben des Trainingsplans ausgeübt werden. „Wir wollen die Kinder und Jugendlichen auch zum selbstständigen, spaßbetonten und lebenslangen Sporttreiben animieren“, erklärt Sinje Hettich und beruft sich auf die Philosophie der LG Weissacher Tal. Des Weiteren betont die Übungsleiterin: „Sie trainieren für sich, ihre Gesundheit und ihr individuelles Ziel und nicht für den Trainer.“

Aber dass auch eine beeindruckende Übergangsphase, die die Vereinsfunktionäre souverän gestaltet hatten, nicht ewig dauern darf und kann, wussten alle. Umso mehr Freude kam auf, als am 11. Mai die Tore des Stadions am Bildungszentrum Weissacher Tal wieder öffneten. Natürlich mussten sich alle Beteiligten an die vom Verein ausgefertigten Bestimmungen des Coronaschutzkonzepts halten. Zunächst wurde in Kleingruppen mit maximal vier Personen trainiert, später wurde die Anzahl auf neun Personen hochgeschraubt. Die Übungseinheiten konnten wieder zu den gewohnten Trainingstagen stattfinden. Nico Hettich, Geschäftsführer der LG, zeigt sich erleichtert: „Die veränderten Bedingungen wurden von allen schnell angenommen. Wir waren froh, endlich wieder die Spikes anziehen zu dürfen und uns in unserem Stadion austoben zu können.“

Nun wurden die Beschränkungen weiter gelockert. Inzwischen finden wieder erste Wettkämpfe statt, wenn auch nur in kleinen Formaten. Die Sportler der LG dürfen sich also wieder unter realen Wettkampfbedingungen mit anderen Sportbegeisterten messen. Dies dürfte in Zeiten von Corona vermutlich einem vorgezogenen Weihnachtsfest ähneln. Einen guten Grund zum Feiern gab es derweil schon. Sprinter Aydin Tekdal stellte in Sindelfingen in seinem ersten Lauf nach der Coronapause eine neue persönliche Bestzeit auf. Mit einer beeindruckenden Zeit von 50,44 Sekunden über 400 Meter ließ er alle Kontrahenten an diesem Tag hinter sich. Ein Merkmal, dass die eingeleiteten Methoden während des Lockdowns erste Früchte getragen haben und die Sportler fleißig waren.

Doch wie in vielen anderen Lebensbereichen stellt man sich auch bei der LG die Frage, wie die kommenden Wochen und Monate angegangen werden sollen beziehungsweise dürfen. Größere Volksläufe werden in diesem Jahr vermutlich nur schwer zu realisieren sein. Deshalb werden im Weissacher Tal Überlegungen für einen kleinen Wettkampf Anfang August angestellt. Eine Feier zum 30-jährigen Vereinsbestehen inklusive Sportfest konnte durch die behördlichen Anordnungen nicht stattfinden, ebenso wie die geplante Hauptversammlung. Wann die Veranstaltungen nachgeholt werden können, ist aufgrund der dynamischen Lage derzeit noch nicht abzuschätzen. Klar ist bereits, dass der Trainingsbetrieb auch in den bald anstehenden Sommerferien stattfinden soll, sodass die Kinder und Jugendlichen weiterhin am gemeinsamen Sport dranbleiben können, den sie in der Coronapause lange vermissen mussten.

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Erstellt:
15. Juli 2020, 06:00 Uhr

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