TSG Backnang: Vier Steuermänner für die Jugend

Der einstige Vorzeigebereich des Fußball-Oberligisten aus den Etzwiesen hat in jüngster Vergangenheit einige Rückschläge hinnehmen müssen. Nun müht sich eine neue Jugendleitung seit Saisonbeginn, dass der Trend umgedreht wird und es im Nachwuchsbereich künftig wieder passt.

Michael Kittelberger, Steffen Winkler, Janos Kovac und Maksim Benenson (von links) schauen positiv nach vorn. Als vierköpfige Jugendleitung wollen sie dem Nachwuchs der TSG Backnang neuen Schwung verleihen und eine gute Struktur zurückbringen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Michael Kittelberger, Steffen Winkler, Janos Kovac und Maksim Benenson (von links) schauen positiv nach vorn. Als vierköpfige Jugendleitung wollen sie dem Nachwuchs der TSG Backnang neuen Schwung verleihen und eine gute Struktur zurückbringen. Foto: Alexander Becher

Von Uwe Flegel

Es gab Zeiten in den Etzwiesen, da war die Jugendabteilung dem Aktivenbereich sportlich voraus. Einer wie Steffen Winkler weiß das. Schließlich war er in den Neunzigern und von 2002 bis 2005 in der Landes- und Verbandsliga für die TSG-Fußballer selbst am Ball. Zudem engagierte er sich wenig später auch als Trainer im Nachwuchsbereich und hielt mit der Backnanger B-Jugend die Oberliga. Lang, lang ist es her.

Mittlerweile ist der Traditionsverein aus dem Murrtal zwar mit der ersten Mannschaft in der Oberliga daheim. Dafür hat er aber im Jugendbereich seine führende Stellung an Rems und Murr verloren. Winkler und seine Mitstreiter Michael Kittelberger, Janos Kovac sowie Maksim Benenson wollen das korrigieren – und das möglichst rasch. Als Team arbeiten die vier seit Saisonbeginn daran, den einstigen Stolz des Etzwiesenklubs in Richtung der Qualität zu bringen, „für die die TSG mal stand“, sagt Winkler. Für den Satz erntet er vom Rest der Jugendleitung zustimmendes Nicken.

Wobei das, was mal war, für das Quartett gar nicht unbedingt im Vordergrund steht. Nach dem Ausstieg von Rene Klauß, den es aus beruflichen Gründen in die Schweiz zog, geht’s darum, dass „wir einfach wieder Kontinuität im Verein haben. Und da geht es bei uns in der Jugendleitung schon mal los“, erklärt Janos Kovac, der ebenfalls bereits über ein Jahrzehnt Ehrenamt bei der TSG auf dem Buckel hat. Zwar war der 51-Jährige zwischendurch raus, doch nun ist er wieder mittendrin und bringt sich vor allem im Mädchen- und Frauenfußball ein: „Als Wolfgang Keller aufgehört hat, wollte ich den Bereich nicht sterben lassen.“

Die Führung der Jugend hat noch weitere Unterstützung

Eine Motivation, die in irgendeiner Form für jeden der vier gilt. Sie alle erlebten mit, wie im Murrtal ein alter, traditionsreicher Kahn vor sich dahin dümpelte. Statt zu jammern, packten sie an. Sie übernahmen Verantwortung in der Jugendleitung und sattelten zu ihren Trainerjobs noch was drauf. Als Team, denn „einer allein kann so eine Aufgabe weder sportlich noch strukturell stemmen“, ist sich das Quartett einig und der 38-jährige Michael Kittelberger ergänzt: „Wir haben zudem hinter unserem Team noch ein Team.“ Dazu zählt ein Altgedienter wie der ehemalige Vorsitzende Dieter Schaupp, ein Rüdiger Lüftner oder Marie Grimmer und ihr Mann Heiko Grimmer.

Als eine der wichtigsten Aufgaben sehen Kittelberger und Kollegen an, „dass wir wieder eine gute Struktur in der Jugend hinbekommen“. Eine, die nachhaltig ist. Dabei bauen die vier auf flache Hierarchien. Zwar ist der erst 24-jährige Maksim Benenson als Vorstand Jugend offiziell der Chef, doch anstehende Aufgaben werden möglichst gemeinsam gelöst. Das Quartett will den Teamgeist vorleben, den es von den Jungs und Mädels in den Jugendteams erwartet.

Einfach so daher gesagt, scheinen solche Sätze nicht. Schließlich war der Entschluss zur Zusammenarbeit kein Schnellschuss, sondern stand am Ende einer sogenannten Taskforce. Die war entstanden, als es beim TSG-Nachwuchs immer öfter klemmte. Sportlich und strukturell. Auch weil wie bei vielen anderen Vereinen zunehmend weniger bereit waren, ehrenamtlich mitzuarbeiten. Am Schluss der Gesprächsrunden waren sich Benenson, Kittelberger, Kovac und Winkler einig, das Boot gemeinsam auf Vordermann bringen zu wollen.

Dabei sehen sie sich durchaus auf einem guten Weg, obwohl sie wissen, dass der wohl kaum noch zu verhindernde Abstieg der A-Jugend aus der Regionenstaffel garantiert nicht der Anspruch eines Oberligisten sein kann. Schritt für Schritt soll das wieder in die richtige Richtung gelenkt werden. Das aber behutsam. „Wir müssen Altlasten aufarbeiten und versuchen, das, was wir haben, zu halten“, sagt Steffen Winkler und meint: In den unteren Altersbereichen will sich die TSG breit aufstellen und dann diesen Spielern im oberen Bereich Leistungssport anbieten können. So soll auch eine Bindung zum Verein entstehen, die zum Beispiel hilft, die vor dieser Saison wiedergegründete Zweite mit jungen Akteuren zu speisen und sie wenigstens von der Kreisliga B in die Kreisliga A zu hieven.

Das Ziel ist für das Quartett klar, der Weg dahin auch. Dabei wissen sie, dass es viel Arbeit bedeutet. Entsprechend froh ist Maksim Benenson darüber, dass der gute Ruf der TSG-Jugendarbeit noch nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. Ein Pfund, mit dem der Verein wuchern will und kann. Helfen soll zudem die Kooperation mit den Stuttgarter Kickers, „von der wir durchaus profitieren“. Nicht unbedingt dadurch, dass im oberen Altersbereich Spieler von den Höhen Degerlochs ins Murrtal wechseln. Dafür reicht die Regionenstaffel in der A- und B-Jugend nicht aus. Kittelberger und Kovac bauen eher darauf, „dass uns Trainer und Mitarbeiter des Kickers-Nachwuchsleistungszentrums mit Wissen unterstützen und wir mithilfe von Fußball-Camps sowie Fördertraining solch attraktive Angebote machen können“, dass es beim TSG-Nachwuchs wieder richtig vorwärts geht.

Aufgaben in der Jugendleitung

Maksim Benenson ist als Vorstand Jugend offiziell der Kopf des Teams. Er vertritt den Nachwuchs auch im TSG-Vorstand.

Michael Kittelberger ist Sportlicher Leiter für die Altersklassen U 13 und jünger.

Janos Kovac ist Hauptverantwortlicher für den Frauen- und Mädchenfußball.

Steffen Winkler trainiert die A-Jugend und ist Sportlicher Leiter für U 14 bis U 19.

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Erstellt:
10. April 2024, 06:00 Uhr

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