Verständnis, Zähneknirschen und Aufatmen

Die Reaktionen der Verantwortlichen aus dem Fußball-Bezirk Rems-Murr sind auf den Saisonabbruch recht unterschiedlich.

Die Saison von der Verbandsliga abwärts der Amateurfußballer in Württemberg ist abgebrochen und annulliert. Foto: Eibner

© Wolfgang Frank/Eibner-Pressefoto

Die Saison von der Verbandsliga abwärts der Amateurfußballer in Württemberg ist abgebrochen und annulliert. Foto: Eibner

Von Heiko Schmidt

Die Meisterschaftssaison 2020/2021 ist von der Verbandsliga abwärts für die Fußballer in Württemberg mit sofortiger Wirkung abgebrochen – das gilt für die Männer, Frauen und für den Nachwuchs. Diese Entscheidung hat der Beirat des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) getroffen. In der Pressemitteilung des Verbandes heißt es dazu: „Grundlage der Beiratsentscheidung sind die anhaltenden Beschränkungen zur Bekämpfung der Coronapandemie, die eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs bis zum 9. Mai nach einer angemessenen Vorbereitungszeit unmöglich machen.“

Die Wertung der Runde ist aus Sicht des WFV klar geregelt: „Eine Wertung hätte nach der letzten Änderung der WFV-Spielordnung im Februar 2021 vorausgesetzt, dass mindestens 75 Prozent der Mannschaften einer Staffel sämtliche Spiele der Hinrunde absolviert haben. Mit Blick auf das Ende des Spieljahres am 30. Juni ist dies zeitlich nicht mehr möglich.“ Das bedeutet konkret, dass die Saison 2020/2021 annulliert und nicht gewertet wird. Es gibt demzufolge keine Auf- und auch keine Absteiger. Alle Spieler und Verantwortlichen hatten auf ein sportliches Ende der Saison gehofft. Das ist aber nicht mehr möglich.

Wie steht der Fußball-Bezirk Rems-Murr zu der Entscheidung? „Es wurde nun Klarheit für alle geschaffen“, sagt Ralph Rolli. Dem Bezirksspielleiter ist natürlich bewusst, dass es der WFV mit seiner Entscheidung nicht allen Vereinen gerecht gemacht hat. „Uns ist klar, dass die Tabellenersten jeder Liga nicht zufrieden sein werden. Es muss aber allen bewusst sein, dass die Punktspiele nicht mehr zum angegebenen Zeitpunkt beendet hätten werden können.“ Ralph Rolli hofft deshalb darauf, dass die Klubs die Entscheidung akzeptieren und nach vorne blicken. „Keiner von uns hat Corona erfunden.“ Dem Bezirksspielleiter wäre es auch lieber gewesen, wenn die Runde sportlich zu Ende gebracht worden wäre.

Was sagen Vereine, die um den Aufstieg mitgespielt hatten? Die meisten Vereine, die sich Hoffnungen auf den Aufstieg gemacht haben, werden die Entscheidung des WFV zähneknirschend aufgenommen haben. In der Landesliga steht der SV Breuningsweiler ganz vorne. Die Bezirksliga-Tabelle führt der SV Unterweissach an. Erster in den Kreisligen A sind der SC Urbach (Staffel 1) und der TSC Murrhardt (Staffel 2). Vorne nach Punkten stehen in den Kreisligen B die Mannschaften Anagennisis Schorndorf (Staffel 1), Spvgg Unterrot (Staffel 2), SG Schorndorf II (Staffel 3), TSV Schmiden II (Staffel 4) und SV Allmersbach III (Staffel 5). Mahir Celik, Trainer des TSC Murrhardt, spricht das aus, was auch die meisten der anderen Klubs denken: „Nichts ist wichtiger als Menschenleben. Deshalb stehen wir als Trainerteam und unser Vereinsvorstand hinter der Entscheidung des WFV.“ Der Coach macht aber auch klar: „Es ist sehr bitter für uns und sorgt natürlich auch für etwas Verärgerung, aber wir müssen die Entscheidung so akzeptieren.“ Bei seinen Spielern kam auch der Vorschlag, dass die Runde mit den bisher erzielten Ergebnissen zu Ende gespielt wird, wenn es die Coronalage wieder zulässt. Dies scheint für die Verantwortlichen des Württembergischen Fußballverbandes keine Option zu sein. „Die Jungs haben hart dafür gearbeitet, dass wir ganz vorne stehen.“ Den Murrhardtern und den anderen Tabellenersten bleibt aber nun nichts anderes übrig, als weiterhin zu trainieren und den Blick auf die Saison 2021/2022 zu richten.

Wie sehen es die Klubs, die auf einem Abstiegsplatz stehen? Aufatmen können die Teams, die eine verkorkste Runde hatten und sich auf einem Abstiegsplatz befinden. Dies sind in der Landesliga die Rems-Murr-Mannschaften SV Allmersbach und TSV Schwaikheim. In der Bezirksliga trifft das auf den Großen Alexander Backnang, den SV Steinbach und den TV Weiler/Rems zu. In den Kreisligen A bleiben drin: Zrinski Waiblingen, TV Stetten, FSV Waiblingen II, SSV Steinach-Reichenbach II, Iraklis Waiblingen (alle Staffel 1), FC Welzheim, SG Oppenweiler/Strümpfelbach II und FC Viktoria Backnang (alle Staffel 2). „Es war richtig, einen Schnitt zu machen. Ich denke, es ist die einzig richtige Entscheidung“, sagt Darko Milosevic, Trainer des SV Steinbach. Er schiebt nach: „Für uns ist es gut, da wir auf einem Abstiegsplatz stehen. Aber die Tabelle ist überhaupt noch nicht aussagekräftig.“ Milosevic spielt darauf an, dass die Mannschaften in der Bezirksliga lediglich sieben bis neun Partien von insgesamt 30 Begegnungen absolviert haben. „Es ist natürlich traurig für die Mannschaften, die ganz oben stehen“, fühlt Milosevic mit den Tabellenführern. Den Steinbacher Coach beschäftigt jedoch eine ganz andere Sache. „Eine Vorbereitungszeit von lediglich drei Wochen nach einer Pause von fast sechs Monaten wäre nicht zu verantworten gewesen.“ Aus seiner Sicht braucht es viel mehr Zeit, um die Spieler wieder auf ein vernünftiges Fitnesslevel zu bringen. Diese Zeit sollte in der Vorbereitung auf die neue Saison gegeben werden.

Was passiert mit dem Bezirkspokal? Bei der Entscheidung vom Abbruch der Meisterschaftssaison wurden die Pokalspiele ausgeklammert. Möglich ist also, dass der Bezirkspokalwettbewerb bis Anfang Juli noch zu Ende gespielt wird. „Wir werden uns jetzt die Meinungen der Bezirkspokalspielleiter der Männer und Frauen einholen“, sagt Ralph Rolli. Zudem soll natürlich auf die Coronalage geschaut werden. Erst danach kann eine endgültige Entscheidung getroffen werden. Im Männer-Bezirkspokal stehen noch zwei Spiele vom Achtelfinale sowie das Viertel- und Halbfinale und das Endspiel aus. Das macht zusammen neun Partien. Im Bezirkspokal noch vertreten ist unter anderem der TSC Murrhardt, der das Viertelfinale erreicht hat. „Wir sind auf jeden Fall dabei, wenn im Bezirkspokal gespielt wird“, sagt der Murrhardter Trainer Mahir Celik.

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Erstellt:
13. April 2021, 11:30 Uhr

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