Vollzeittrainer für die Schwimmabteilung der TSG Backnang

Anders als sein Vorgänger Vlado Petkovic, der zum SV Waiblingen gewechselt ist, hat Faris Demyeaty bei Backnangs Wassersportlern eine 100-Prozent-Stelle. Der neue Coach kann sich somit auch um die deutlich ausgebauten Kooperationen mit Schulen und Kitas kümmern.

Der neue TSG-Trainer Faris Demyeaty erklärt den nächsten Trainingsinhalt. Seine Schützlinge hören aufmerksam zu. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Der neue TSG-Trainer Faris Demyeaty erklärt den nächsten Trainingsinhalt. Seine Schützlinge hören aufmerksam zu. Foto: Tobias Sellmaier

Eigentlich konnte aus der Zusammenarbeit zwischen der TSG Backnang und Faris Demyeaty nichts werden. „In seinem Profil im Trainerportal stand, dass er nur im Umkreis von 20 Kilometern rund um seinen Wohnort Heidelberg tätig sein will“, erzählt die Schwimmwartin Anja Meyer. Obwohl es von der Stadt am Neckar bis ins Städtchen an der Murr rund 100 Kilometer sind, „habe ich ihn trotzdem mal angeschrieben. Dann haben wir telefoniert und er sagte: ‚Warum nicht?‘“ Von diesem Moment an ging alles sehr schnell. Fast zu schnell für die Abteilungsleitung der TSG, denn Faris Demyeaty sagte nach einer Videokonferenz sofort zu, während die Vereinsverantwortlichen noch ein Probetraining abwarten wollten.

Dieses ging am letzten Donnerstag der Sommerferien über die Bühne. Der Kandidat überzeugte und zog schon am darauffolgenden Sonntag nach Backnang um. Montags bedeutete ein Krafttraining den offiziellen Einstand. Derzeit reicht dem 35-Jährigen noch eine Einzimmerwohnung, doch im Februar wollen auch seine Frau, der fünfjährige Sohn und die einjährige Tochter nachkommen. „Mir gefällt es hier“, sagt Faris Demyeaty, für den Heidelberg nach seinen Jobs bei Vereinen und Verbänden in Frankfurt, Neustadt an der Weinstraße und Mainz sowie einer Zeit als selbstständiger Trainer („Schwimmen mit Faris“) ohnehin nur eine Zwischenstation sein sollte: „Ich liebe kleine Städte, bin in Jordanien auch in einer kleinen Stadt geboren und aufgewachsen.“

Diese liegt am Meer und damit war die Leidenschaft fürs Schwimmen bald geweckt. Später hat er dieses Hobby zu seinem Beruf gemacht, den er seit mittlerweile knapp fünf Wochen in Diensten der TSG ausübt – als Nachfolger von Vlado Petkovic, der ab April verletzungsbedingt ausgefallen war und dann nach knapp zwei Jahren seinen Wechsel zum SV Waiblingen forcierte. Dass ihm die Familie des ehemaligen TSG-Abteilungsleiters Andreas Bartsch dorthin gefolgt ist, bringt Faris Demyeaty um die Trainingsarbeit mit dessen vier Kindern, doch auch ohne dieses Quartett gibt es in Backnang noch genug hoffnungsvollen Nachwuchs.

Durchhaltevermögen ist das Wichtigste, um auf Topniveau kommen zu können

„Wir haben einige große Talente“, sagt der neue Chefcoach, der diese Rolle einst auch schon beim SC Neustadt ausgeübt hat und unbedingt wieder übernehmen wollte. Petros Pappas, Florian Benz, Mia Meyer und Alexej Osyko zählt er auf alle Fälle zu dieser Kategorie. Faris Demyeatys Ehrgeiz ist groß, ein Träumer ist er trotzdem nicht: „Ich will unsere Schwimmer auf internationale Wettkämpfe vorbereiten, aber das braucht viel Zeit.“ Wenn es überhaupt klappt, dauert es sicherlich Jahre und das ehemalige Mitglied des jordanischen Nationalteams im Monoflossenschwimmen, Schwimmen und Triathlon weiß, worauf es ankommt: „Das kontinuierliche Training ist das Wichtigste. Es braucht Durchhaltevermögen, auch wenn die Bestzeit mal stagniert – nur so ist es möglich, auf ein Topniveau zu kommen.“ Seine ersten Eindrücke sind positiv. Er bescheinigt seinen neuen Schützlingen eine hohe Motivation und bereits nach der kurzen Zeit eine sichtbare Entwicklung.

Während sein Vorgänger Vlado Petkovic zuletzt eine 50-Prozent-Stelle hatte, ist Faris Demyeaty in Vollzeit für die TSG tätig. Entsprechend breit gefächert ist sein Aufgabengebiet. An den Vormittagen betreut er von Montag bis Freitag im Rahmen der stark ausgebauten Kooperationen zwischen dem Verein sowie Schulen und Kitas die Kinder im Wonnemar. „Wir kommen damit unserem sozialen Auftrag nach, den Kindern das Schwimmen beizubringen, und ergänzen das begrenzte Kursangebot“, erläutert Anja Meyer. Sollten in der Folge einige Mädchen und Jungen zur TSG kommen, wäre das sicherlich ein angenehmer Nebeneffekt.

Bindeglied zwischen allen Bereichen, Koordination aller Trainer

In der Abteilung selbst ist der neue Trainer nicht nur für die Leistungsgruppe verantwortlich, sondern bietet beispielsweise auch dreimal pro Woche Schwimmtraining für die Wasserballer an. „Er soll sein Wissen zudem in unserer Schwimmschule einbringen, ist das Bindeglied zwischen den einzelnen Bereichen und übernimmt die Koordination aller Trainer mit engmaschigen Gesprächen“, sagt die Schwimmwartin.

Unterhalten könnte sich das Sprachtalent dabei auf Rumänisch, weil das seine erste Station in Europa gewesen ist, auf Englisch, Arabisch und Spanisch. Aber auch mit dem Deutschen klappt es durchaus gut – was die Fachbegriffe angeht ohnehin. Die Sprache ist allerdings auch nicht das einzige Mittel, um den Kindern und Jugendlichen etwas beizubringen. „Faris macht Videos und zeigt ihnen, was sie gut machen und was sie noch nicht gut machen“, verrät Anja Meyer. Sie ist wie ihre Mitstreiter in der Abteilungsleitung der Überzeugung, eine gute Wahl getroffen zu haben: „Wir hatten ein paar Kandidaten, bei ihm hat es gepasst.“ Auch wenn Backnang mehr als 20 Kilometer von Heidelberg entfernt ist.

Start in die neue Schwimmsaison

Auftakt Die Schwimmerinnen und Schwimmer der TSG Backnang sind beim 51. Einladungsschwimmfest des TSV Schmiden im Fellbacher F3 in die neue Saison gestartet. Für den neuen Cheftrainer Faris Demyeaty war es der erste Wettkampf mit seiner Mannschaft nach nur wenigen Wochen der gemeinsamen Vorbereitung.

Bilanz Insgesamt hat der Backnanger Nachwuchs in Fellbach 50 Medaillen gewonnen, davon gleich 23-mal Gold. Am meisten abgeräumt hat dabei der Jüngste im Team: Petros Pappas (Jahrgang 2014) gewann sechs seiner Rennen. Sein Bruder Ilias (2010) holte viermal Gold. Bei den Mädchen war Pia Jelica (2010) mit fünf Siegen die erfolgreichste Backnangerin.

Ausblick Am kommenden Wochenende finden in Neckarsulm die baden-württembergischen Kurzbahnmeisterschaften statt. Die TSG Backnang ist bei diesem Wettkampf mit insgesamt fünf Schwimmerinnen und Schwimmern am Start.

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Erstellt:
15. Oktober 2025, 11:30 Uhr

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