Eileen Gu lacht Reporter aus

„Ziemlich lächerliche Sichtweise“

Als ein Reporter Eileen Gu fragt, ob sie „zwei Goldmedaillen verloren“ habe, lacht die 22-Jährige – und geht damit in sozialen Netzwerken viral.

Freut sich auch über Silber: Free-Skierin Eileen Gu.

© IMAGO / Xinhua

Freut sich auch über Silber: Free-Skierin Eileen Gu.

Von Katrin Jokic

Eileen Gus Lachen geht gerade viral, denn es ist ihre erste Reaktion auf eine Frage bei einer Pressekonferenz. Nach ihren Silbermedaillen bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand-Cortina stellte ein Reporter die Frage, ob sie ihre zweiten Plätze als „zwei gewonnene Silbermedaillen“ oder als „zwei verlorene Goldmedaillen“ sehe.

Gu reagiert deutlich. Sie sei die „am meisten dekorierte Freestyle-Skifahrerin der Geschichte“, sagt die 22-Jährige. Eine olympische Medaille zu gewinnen, sei für jeden Athleten lebensverändernd. Fünf Medaillen zu holen, sei „exponentiell schwieriger“, weil mit jedem Erfolg auch die Erwartungen steigen. Die Perspektive von „zwei verlorenen Medaillen“ nennt sie „eine ziemlich lächerliche Sichtweise“. Sie zeige ihr bestes Skifahren, stehe für Tricks, „die buchstäblich noch nie zuvor gemacht wurden“ – und das sei mehr als gut genug.

 

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Fünf Medaillen in zwei Spielen

Gu hat in Mailand bereits Silber im Slopestyle und im Big Air gewonnen. Gold im Slopestyle ging an die Schweizerin Mathilde Gremaud, Gold im Big Air an die Kanadierin Megan Oldham. In der Halfpipe steht das Finale noch an (21. Februar, 19.30 Uhr).

Bereits bei den Spielen 2022 in Peking hatte Gu zweimal Gold (Big Air, Halfpipe) und einmal Silber (Slopestyle) geholt. Mit nun fünf olympischen Medaillen ist sie die erfolgreichste Freestyle-Skierin der Geschichte. Allerdings gehört sie zu einer Generation, die erstmals mehrere Medaillenchancen pro Spielen hat: Slopestyle und Halfpipe sind erst seit 2014 olympisch, Big Air kam 2022 hinzu.

Zwischen Sport und Superstar-Status

Gu wurde 2003 in San Francisco geboren. Seit 2019 startet sie für China, das Herkunftsland ihrer Mutter. Die Entscheidung löste in den USA politische Diskussionen aus, in China wurde sie zur Symbolfigur. Mit 18 Jahren wurde sie in Peking die jüngste Olympiasiegerin ihrer Disziplin und die erste Frau mit drei Freestyle-Medaillen bei Winterspielen.

Sportlich sorgte sie schon früh für Aufsehen: Sie gewann mehrfach im Halfpipe-Weltcup, holte bei der WM 2021 mehrere Medaillen und landete als erste Frau im Wettkampf einen „Double Cork 1440“, einen technisch extrem anspruchsvollen Trick.

Abseits der Piste ist Gu längst ein globaler Star. Auf Instagram folgen ihr rund 2,6 Millionen Menschen. Laut „Forbes“ ist sie die bestverdienende Athletin der Winterspiele 2026 mit einem Jahreseinkommen von umgerechnet rund 19,5 Millionen Euro. Preisgelder machen davon nur einen Bruchteil aus; der Großteil stammt aus Werbeverträgen und Kooperationen mit Luxusmarken wie Louis Vuitton oder Tiffany & Co. sowie aus Modeljobs. Sie zierte unter anderem die Cover von „Vogue“ in Hongkong und des „Time Magazine“.

Selbstbewusst gegen Erwartungsdruck

Die virale Szene zeigt, wie sehr sich bei Gu sportlicher Anspruch und öffentliche Erwartung überlagern. Wo andere über verpasste Goldchancen sprechen, verweist sie auf die Dimension ihrer Karriere. Fünf olympische Medaillen mit 22 Jahren – und ein weiteres Finale steht noch aus.

Ob die Antwort auch sportlich ein Nachhall ist, wird sich in der Halfpipe zeigen. An Selbstbewusstsein mangelt es der Ausnahmeathletin jedenfalls nicht.

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Erstellt:
19. Februar 2026, 10:38 Uhr

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