Von der Fotocollage bis zum Eitemperabild: Die Backnanger Künstlergruppe stellt im Bandhaus aus

In der Ausstellung „Kunstraum“ stellt die Backnanger Künstlergruppe in ihrem Atelier im Backnanger Bandhaus vor allem kleine und mittlere Formate aus. Die Werkschau ist ein Einblick in das abwechslungsreiche Schaffen der drei Künstlerinnen und acht Künstler.

Die Künstlerinnen und Künstler haben alle Wände bestückt. Am Donnerstag sind zum Aufhängen der Bilder vor Ort: Herbert Seybold (von links), Sieghart Hummel, Elke Vetter, Kurt Entenmann, Ernst Keller, Ursula Draxler, Rainer Vogt und Cosima Gerner. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Die Künstlerinnen und Künstler haben alle Wände bestückt. Am Donnerstag sind zum Aufhängen der Bilder vor Ort: Herbert Seybold (von links), Sieghart Hummel, Elke Vetter, Kurt Entenmann, Ernst Keller, Ursula Draxler, Rainer Vogt und Cosima Gerner. Foto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Backnang. Was die Backnanger Künstlergruppe schon immer ausgemacht hat, das ist ihre Vielseitigkeit. Jedes der insgesamt elf Mitglieder hat einen ganz eigenen Stil und eine eigene Vorgehensweise beim künstlerischen Schaffensprozess. Welche unterschiedlichen Werke das hervorbringt, können Besucherinnen und Besucher in der neuen Ausstellung „Kunstraum“ erfahren. „Das Schöne daran ist, dass sich alle elf Künstlerinnen und Künstler an dieser Schau beteiligen“, freut sich die Vorsitzende der Gruppe, Elke Vetter. Sie steht mitten in dem Ausstellungsraum, in dem an diesem Donnerstagvormittag noch ausgemessen, gehämmert und aufgehängt wird.

Nur ein großes Format ist dabei

Vor allem kleine und mittlere Formate bestücken die Wände. Nur Cosima Gerner, das neueste Mitglied der Gruppe, hat dieses Mal etwas mehr Raum für ein Großformat zur Verfügung gestellt bekommen, da sie zum ersten Mal an einer Ausstellung der Künstlergruppe teilnimmt und vor allem großformatig malt. Zur Werkschau hat sie – neben einem kleineren Hasenbild – eine zwei auf 1,60 Meter große Leinwand beigesteuert, auf die Sonnenblumen gemalt sind. „Mit dem Acrylbild wollte ich die Leichtigkeit des Sommers transportieren“, sagt die Künstlerin aus Lorch. Entstanden sei es erst diesen September oder Oktober.

Cosimas Gerners Onkel Kurt Entenmann ist mit sechs Bildern vertreten. „Neue Planeten“ heißt die Reihe, die der in Korb lebende ehemalige Kunstlehrer nun erst erschaffen hat – „sie sind noch keine Woche alt“, sagt er. Die in Blau, Schwarz und Weiß gehaltenen und am Computer entfremdeten Fotografien zeigen Szenarien aus dem Weltall. „Bei diesem Bild habe ich die Maus so schnell wie möglich bewegt“, sagt Kurt Entenmann und deutet auf Linien, die den Hintergrund füllen. „Ich wusste selbst nicht, was dabei herauskommt.“

Ebenfalls digital erstellt und bearbeitet worden sind die Ausstellungsstücke, die von Sieghart Hummel und Rainer Vogt stammen. Gemeinsam haben sie die Vielfarbigkeit. Doch während Hummels Werke entfernt an die surrealistischen Kreationen des katalonischen Künstlers Salvador Dalí erinnern (eine Iris schwebt etwa über dem Meer, in das rote Lava hineinläuft), zeigen Vogts Bilder realitätsgetreu Nahaufnahmen von Farbpaletten, die dadurch ihren gegenständlichen Bezug verlieren und als eigenständige Kunstwerke erscheinen.

Backnanger Altstadt in Sepia

Eine komplett andere Wirkung erzielen die dazwischen hängenden 16 Holzplatten von Ursula Drexler – eine in der Farbe Gold, die anderen tiefschwarz. Längliche Einkerbungen verleihen ihnen Struktur. Sie sei von einem durch die Temperaturschwankungen aufgerissenen Fahrradweg auf der Insel Sylt inspiriert worden, erzählt die Künstlerin aus Oppenweiler. „Die Risse haben Bauhofmitarbeiter mit Teer gefüllt, die Linien auf den Platten existieren genau so.“ Über 200 Fotos habe sie von dem Weg aufgenommen, die schönsten ausgesucht.

Wie gedruckte Schwarz-Weiß-Comics sehen die vier Bilder von Gilbert Peckels auf den ersten Blick aus. In Wirklichkeit zeichnet der aus Luxemburg stammende Grafiker mit einem extrem dünnen Pinsel, weiß Elke Vetter.

Die Backnanger Künstlerin selbst hat sechs Collagen für die Schau bereitgestellt, für die sie unter anderem Fotografien und selbst gedruckte Papiere verwendet hat. Zwei davon sind voller Blätter, die wie Speere auf dem Papier liegen, die beiden darüber haben das Thema Kopf. Ein alter Wasserbehälter hat Elke Vetter zu den zwei übrigen Collagen veranlasst. „Seine Risse sehen aus wie eine Landschaft“, erklärt sie. Ebenfalls von ihr stammt eine „Objektkiste“ im Schuhschachtelformat, in der unter anderem eine Holzfigur und ein roter Wecker von der Decke baumeln.

Von Herbert Seybold aus Oberweissach sind insgesamt neun Werke vorhanden. Eines zeigt die Backnanger Altstadt, laviert in Sepia mit einer Rohrfeder, die anderen sind Urlaubsskizzen. „Für mich sind diese Bilder wie Fotos, nur eben selbst gemalt“, sagt der Künstler. Da sind etwa eine leuchtend gelbe Radlerflasche, Pinien- und Olivenbäume oder auch eine dreibeinige blaue Liege.

Zwei Statuen hat der Backnanger Bildhauer Gregor Oehmann beigesteuert: eine rundliche Frauenfigur im geblümten Badeanzug und eine Hacke aus Metall, die dem Publikum eine rosafarbene Zuge hinstreckt.

Mit einer speziellen Farbe – Eitempera, mit Öl, Harz und Farbpigmenten versetztes Eigelb – hat Ernst Hövelborn seine vier Leinwände bemalt. Es sind farbintensive, symbolbehaftete Werke, die zur Mythologie und Antike Bezüge herstellen.

Von Ernst Keller stammen zwei Acrylgemälde und sechs Skizzen – alle abstrakt, Spielraum zur Interpretation lassend. Eine dieser Zeichnungen, geschaffen mit dickem schwarzem Strich und maximal einer Farbe, weckt etwa das innere Bild einer Tänzerin, ein anderes das einer ausgedrückten Tube.

Ausstellung Die Werkschau im Atelier der Backnanger Künstlergruppe (drittes Obergeschoss im Bandhaus) beginnt heute Abend um 19 Uhr mit einer Vernissage. Die Ausstellung ist an den Wochenenden 18. und 19. November sowie 25. und 26. November von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Unter der Woche können weitere Besichtigungen mit Elke Vetter vereinbart werden. Sie ist unter Telefon 07191/86931 erreichbar.

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Erstellt:
17. November 2023, 14:00 Uhr

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