Ausstellung von autistischen Künstlern in der Volksbank Backnang

Die Ausstellung „...weil das Leben bunt ist...“ ist am Donnerstag in der Hauptfiliale der Volksbank in Backnang eröffnet worden. Die ausgestellten Werke wurden von autistischen Menschen geschaffen, die bei der Paulinenpflege in Backnang leben und arbeiten.

Harald Hönischs gefallener Engel stellt den Mittelpunkt der Ausstellung dar, 17 Werke finden Platz in der Volksbank. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Harald Hönischs gefallener Engel stellt den Mittelpunkt der Ausstellung dar, 17 Werke finden Platz in der Volksbank. Fotos: Alexander Becher

Von Carolin Aichholz

Backnang. Die farbenfrohe, vielfältige Welt wird in der neuen Ausstellung in der Backnanger Volksbank besonders gewürdigt. Für die Künstler Nuri Akgün, Nina Hinderberger, Harald Hönisch, Sascha Ledig, Patrick Ott und Thomas Weber ist die Vernissage eine besondere Gelegenheit, ihre Kunstwerke interessierten Besuchern zu präsentieren. Geschaffen wurden die 17 Ausstellungsstücke in den Räumlichkeiten der Paulinenpflege in Backnang.

Die Werke stammen von Menschen mit dem sogenannten Autismus-Spektrum-Syndrom, das in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten kann. In einer Künstlergruppe malen die sechs Bewohner der Paulinenpflege Bilder, schnitzen Statuen und haben sogar eine Plastik angefertigt. Alle zwei Wochen haben sie einen Nachmittag, das Projekt läuft bereits mehrere Jahre. Es ist ein sogenanntes tagesstrukturierendes Angebot der Paulinenpflege. Die Menschen, die dort leben und zum Teil auch in den Werkstätten arbeiten, können auch solch zeitfüllenden Aktivitäten nachgehen, die nicht direkt etwas mit den Erwerbsarbeiten der Werkstätten zu tun haben. Eine schöne Art der Beschäftigung findet der Bereichsgeschäftsführer der Backnanger Werkstätten, Gerhard Schmidt, die Projektgruppen. Und er sei immer wieder erstaunt darüber, welch „großartige und farbenfrohe Ergebnisse“ bei der Künstlergruppe entstehen.

Kombination aus Anleitung und Freiheit

Menschen mit Autismus haben eine neurologische Entwicklungsstörung. Schwierigkeiten bei sozialen Interaktionen und der Kommunikation sind typische Kennzeichen, ebenso wie wiederholte und stereotype Verhaltensmuster. Das künstlerische Schaffen helfe Autisten jedoch, sich und ihre Gefühle auszudrücken, so der freischaffende Künstler Dieter Gungl. Er leitet seine Schützlinge an und beobachte stets die Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit.

In einer Künstlergruppe malen die sechs Bewohner der Paulinenpflege Bilder, schnitzen Statuen und haben sogar eine Plastik angefertigt. Foto: Paulinenpflege

© Melanie Maier

In einer Künstlergruppe malen die sechs Bewohner der Paulinenpflege Bilder, schnitzen Statuen und haben sogar eine Plastik angefertigt. Foto: Paulinenpflege

Bei dieser Arbeit ist Gungl die Kombination aus Anleitung und der bestehenden Freiheit seiner Gruppe sehr wichtig. Vom Material über die künstlerische Gestaltungstechnik sowie die Farbgestaltung der Werke lässt jeder Künstler auch seine eigene Persönlichkeit in seine Arbeiten einfließen. Thomas Weber entdeckte vor vielen Jahren seine Begeisterung für die Bildhauerei. „Dem geht er seitdem mit einer bewundernswerten Geduld nach“, sagt Dieter Gungl. Seine zwei Holzschnitzarbeiten bilden menschliche Köpfe ab. An denen hat er bestimmt fast eineinhalb Jahre gearbeitet, sagt Gungl. Der gefallene Engel von Harald Hönisch, die einzige Statue der Ausstellung, die einen Namen bekommen hat, steht prominent mitten im Ausstellungsraum. Die farbenfrohe Plastik thront auf einer Erhöhung. Unterschiedliche Techniken und Materialien, Kunst auf Pappkarton sowie auf der Leinwand bis hin zu den Statuen bilden die Vielfalt ihrer Künstler und die unterschiedlichen Ausprägungen ihrer Autismuserkrankung ab.

Kunst kann bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse helfen

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Kunst wird bei vielen Erkrankungen oder erlittenen Traumata als Therapie eingesetzt, weiß Marco Kelch, Pressebeauftragter der Paulinenpflege. „Einige unserer Bewohner sprechen nicht und nutzen dann die Kunst, um sich auszudrücken. Für Menschen, die furchtbare Dinge erlebt haben wie etwa Geflüchtete, ist das Erstellen von Bildern ein Weg, um einen Schrecken zu verarbeiten, der so furchtbar ist, dass sie nicht darüber reden können“, berichtet Kelch.

Thomas Weber schnitzte seine beiden ausgestellten Statuen in mühevoller Handarbeit.

© Alexander Becher

Thomas Weber schnitzte seine beiden ausgestellten Statuen in mühevoller Handarbeit.

Er selbst sei immer wieder erstaunt, dass sich die autistischen Künstler so sehr in ihre Arbeiten vertiefen und ganz darin aufgehen können. Bei Autisten ist die Gehirnentwicklung verändert. In gewissen Bereichen des Lebens sind sie zwar auf Hilfe angewiesen, entdecken bei Tätigkeiten wie dem Malen jedoch oft bestimmte Inselbegabungen. Zu sehen, wie viele in diesen Gruppen ihr Talent entdecken, ist schön zu sehen, findet Marco Kelch.

Jürgen Schwab, Vorstandsvorsitzender der Volksbank, freut sich besonders darüber, einer solch vielfältigen Ausstellung in der Volksbank eine Bühne zu bieten. Darin sieht er auch eine gewisse Verantwortung: „So leisten wir einen Beitrag zur Integration und fürs Zusammenleben der Menschen.“

Künstler Dieter Gungl weiß, wie wichtig die Ausstellung für seine Kreativgruppe ist. Alle waren sehr nervös und aufgeregt. Sie haben mit ihren Werken ihr Innenleben der Außenwelt präsentiert und diese bekommt es nun zu Gesicht, freut sich Dieter Gungl.

Daneben bekommt auch das Engagement der Mitarbeiter der Paulinenpflege eine Würdigung, indem auch ihrer täglichen Arbeit publikumswirksam eine Bühne geboten wird.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. April in der Hauptfiliale der Volksbank in der Schillerstraße in Backnang während der Öffnungszeiten zu sehen. Geöffnet ist Montag bis Mittwoch sowie Freitag von 9 bis 16 Uhr und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr. Ausstellungsstücke können gekauft werden.

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Erstellt:
16. April 2024, 11:00 Uhr

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