Backnanger classic-ope(r)n-air: Klassik mal ganz anders

Das 26. classic-ope(r)n-air am 15. Juni trägt den Titel „Heimat, Lebensfreude, Weltmusik!“. Das Quartett Mo Zulu Art wird neben zwei Solisten sowie Musikerinnen und Musikern des Württembergischen Staatsorchesters und der Stuttgarter Philharmoniker auf der Bühne stehen.

„Einkehr – Gipfelglück“ lautete im vergangenen Jahr das Leitmotiv des classic-ope(r)n-airs. 2023 feierte die Einzelkonzertreihe ihr 25-jähriges Bestehen. Archivfoto: Alexander Becher

© Alexander Becher

„Einkehr – Gipfelglück“ lautete im vergangenen Jahr das Leitmotiv des classic-ope(r)n-airs. 2023 feierte die Einzelkonzertreihe ihr 25-jähriges Bestehen. Archivfoto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Backnang. Mozart trifft auf afrikanische Zulu-Musik: So lässt sich der Name des Quartetts Mo Zulu Art aus Wien in aller Kürze erklären. Vor nunmehr 20 Jahren hat das A-cappella-Trio Insingizi aus Simbabwe (bestehend aus Vusa Mkhaya Ndlovu, Dumisani Ramadu Moyo und Blessings Zibusiso Nqo Nkomo) mit dem österreichischen Pianisten Roland Guggenbichler diese besondere Verschmelzung von Klassik und südafrikanischem Zulu-Gesang ins Leben gerufen. Seitdem haben die vier Musiker unzählige Konzerte in mehr als 20 Ländern gegeben, unter anderem mit den Wienern Symphonikern. Beim diesjährigen classic-ope(r)n-air werden sie unter der Leitung von Dirigent Rainer Roos zum ersten Mal in Backnang auftreten.

Daneben stehen selbstverständlich aber auch wie gewohnt Lieblingsstücke aus der populären Oper wieder auf dem Programm, darunter etwa „La Bohème“ von Giacomo Puccini. Mo Zulu Art werde insbesondere den zweiten Teil des Abends nach der Pause prägen, erklärt Roos, Chefdirigent der Strauss-Capelle Wien und Intendant der Schlossfestspiele Zwingenberg am Neckar.

Um den Bogen zu der Gruppe schlagen, beginnt die Veranstaltung selbstredend mit einem Mozart-Stück: mit der Ouvertüre zu „Don Giovanni“. Der Salzburger Musiker und Komponist werde anfangs Programmschwerpunkt sein, kündigt Roos an.

Rund 40 Musikerinnen und Musiker des Württembergischen Staatsorchesters und der Stuttgarter Philharmoniker sowie zwei Opernsolisten werden mit ihm auf der Bühne stehen. Letztere sind bereits beide mit Roos in Backnang aufgetreten: die Sopranistin Xenia von Randow erstmals 2023 beim classic-ope(r)n-air, der Tenor Manolito Mario Franz zuletzt 2022 beim Neujahrskonzert im Bürgerhaus. Einzig neu dabei sein wird Joachim Schall, langjähriger erster Konzertmeister der Staatsoper Stuttgart (1977 bis 2014) und aktueller Konzertmeister in Zwingenberg. Matthias Wächter, der lange Konzertmeister beim classic-ope(r)n-air war, könne krankheitsbedingt leider nicht mehr dabei sein, erklärt Roos.

Auch für das Orchester sind die Stücke von Mo Zulu Art musikalisches Neuland

„Nach der Pause werden bis auf zwei Stücke alles Werke von Mo Zulu Art sein, die sie gemeinsam mit dem Orchester zu Gehör bringen“, teilt Rainer Roos mit. „Ich hoffe, dass dem Publikum das Programm gefällt. Im zweiten Teil sind natürlich viele Stücke dabei, die man so vielleicht nicht direkt kennt. Wobei man die klassischen Anteile – Mozart, Haydn, Schubert, Beethoven –, die mit anklingen in der Musik von Mo Zulu Art, sicherlich wiedererkennen wird.“ Er sei außerdem gespannt darauf, wie die Musiker und Musikerinnen des Orchesters auf das für sie musikalische Neuland reagieren werden. „Ich glaube, sie werden Spaß haben.“

Die Mitglieder von Mo Zulu Art freuen sich schon sehr darauf, mit dem Orchester aufzutreten. „Sie spielen zwar öfter einmal mit einem Streichquartett oder -quintett zusammen, aber sie haben kaum Konzerte mit großem Orchester“, sagt Roos. Einige Arrangements mussten deshalb extra neu geschrieben werden.

Das Quartett Mo Zulu Art verbindet Klassik mit afrikanischer Musik. Foto: Lukas Beck

Das Quartett Mo Zulu Art verbindet Klassik mit afrikanischer Musik. Foto: Lukas Beck

Backnang sei der Gruppe vorher kein Begriff gewesen, weiß er. Mit dem classic-ope(r)n-air betritt sie also geografisches Neuland. Aber: „Einige der ersten Konzerte haben Mo Zulu Art in der evangelischen Kirche in Nürtingen gegeben“ – gerade mal 60 Kilometer entfernt von der ehemaligen Gerberstadt. „Im Schwäbischen liegt also tatsächlich ein Ursprung von Mo Zulu Art.“

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Selbstverständlich werden auch Xenia von Randow und Manolito Mario Franz mit der Band auf der Bühne stehen und singen. Und zwar nicht nur den traditionellen Abschluss „O sole mio“ (Eduardo Di Capua). „Da weiß ich aber selbst nicht genau, was auf mich zukommt“, verrät Rainer Roos und lacht. „Ich hab die Jungs von Mo Zulu Art nur gefragt, ob sie bei ‚O sole mio‘ dabei sein wollen. Daraufhin haben sie gesagt, das machen sie gerne, sie überlegen sich etwas. Aber was genau, weiß auch ich nicht.“

Der Dirigent macht sich stets viele Gedanken über das Programm

Die Idee für einen Abend unter dem Titel „Heimat, Lebensfreude, Weltmusik!“ hatte Roos schon im vergangenen Jahr. „Ich schreibe den Text immer schon im März des Vorjahrs. Und tatsächlich ist es so, dass ich mir da immer unglaublich lange Gedanken drüber mache“, erklärt er. Schließlich handele es sich beim classic-ope(r)n-air stets um ein Unikum, eine Einzelveranstaltung, die nirgendwo anders aufgeführt werde. Das Ersinnen des Texts mache aber auch viel Spaß, räumt der Dirigent ein.

Im vergangenen Jahr ließ er sich stark von der gesamtgesellschaftlichen Situation beeinflussen. „Ich hatte den Eindruck, die Leute sind alle so deprimiert – tagtäglich werden sie mit Inflation und Krieg konfrontiert“, sagt er. „Da dachte ich: Man muss wirklich auch versuchen, das zu schätzen, was man hat. Ich versuche etwa immer, wahrzunehmen, wie schön wir es hier vor der Haustür haben, wenn ich zum Beispiel an der Murr entlangspaziere.“ So kam er zum Heimatbegriff im Titel. Heimat, das ist für Rainer Roos aber auch die Begegnung mit Menschen, die er von früher kennt – „sei es in Backnang auf dem Marktplatz oder in Kirchberg in der Kirche, wenn ich dort an der Orgel die Abendmesse spiele.“

Während der Phase, in der er noch über den Text sinnierte, sah er zufällig den Film „Steine am Weg“ über Mo Zulu Art im ORF (https://t1p.de/mozuluart), in dem für ihn viel Lebensfreude transportiert wird. „Drei der Musiker kommen ja aus Simbabwe. In viel ärmeren Verhältnissen als bei uns wird dort zum Beispiel Weihnachten als ganz großes Fest der Freude gefeiert – nicht so still wie bei uns“, beschreibt Rainer Roos.

Gleichzeitig sei er ein großer Liebhaber von Weltmusik – davon, in die Musik anderer Menschen, Länder und Kulturen einzutauchen. Unter anderem seine Reisen mit der Strauss-Cappelle ermöglichen ihm das immer wieder, was er als großes Glück begreift. In Zwingenberg am Neckar hat Roos die Reihe „Musik aus aller Welt“ initiiert. Dort sind Mo Zulu Art bereits aufgetreten. Mit der Gruppe möchte er nun also „ein bisschen was von der weiten Welt nach Backnang bringen.“

Es gibt nur noch Schönwetterkarten

Event Das classic-ope(r)n-air findet am Samstag, 15. Juni, von 20.30 Uhr an auf dem Backnanger Marktplatz statt. Bei schlechtem Wetter wird es ins Bürgerhaus verlegt.

Karten Die Vorverkaufstickets sind bereits restlos ausverkauft. „Wir freuen uns, dass sich das classic-ope(r)n-air dieser großen Beliebtheit erfreut“, sagt Laura Reich, die stellvertretende Leiterin des Kultur- und Sportamts. Einen Hoffnungsschimmer gebe es aber noch: „Wenn sich abzeichnet, dass das Wetter am 15. Juni so gut wird, dass die Veranstaltung nicht ins Backnanger Bürgerhaus verlegt werden muss (also kein Sturm oder Gewitter angesagt ist), werden noch einmal knapp 150 Tickets in den freien Verkauf gegeben.“ Die Entscheidung wird voraussichtlich am 13. Juni getroffen. Erhältlich sind die Tickets dann bei den üblichen Vorverkaufsstellen sowie online als sogenannte print@home-Tickets.

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Erstellt:
31. Mai 2024, 06:00 Uhr

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