TV-Tipp: „Makellos“
Ein Mann für gewisse Stunden
Der ARD-Film „Makellos“ mit Adele Neuhauser erzählt die Geschichte einer Frau um die 60, die eine verhängnisvolle Affäre mit einem Sexarbeiter beginnt.
© BR/Bavaria Fiction GmbH/Jacqueli
Constanze Laux (Adele Neuhauser) lässt sich auf den Escort Ricardo Westerhoff (Manuel Rubey) ein.
Von Tilmann P. Gangloff
Constanze (Adele Neuhauser) ist Anfang sechzig und fühlt sich wie so viele Frauen ihres Alters übersehen; zumindest in ihrer Ehe. Männern mag es ähnlich gehen, aber zumindest ihr Toni kompensiert das anderweitig. Eine Freundin gibt ihr den Tipp, sich doch mal einen Mann für gewisse Stunden zu mieten. Das Rendezvous in einem luxuriösen Münchener Hotel findet jedoch ein abruptes Ende, weil Constanze anders als der bezahlte Liebhaber nicht ohne Weiteres ins Bett hüpfen kann. Die Situation ist nicht nur komplett unromantisch, sondern auch peinlich. Im Aufzug trifft sie auf Ricardo. Der hatte sie bereits auf dem Weg nach oben mit seinem Charme beeindruckt, durchschaut ihre Lage und überredet sie zu einem Getränk im Dachterrassenlokal. Er geht zwar der gleichen Profession nach wie der Callboy, erweist sich aber als unwiderstehlich, weshalb sich der erste Akt dieses Films zu einer lupenreinen Romanze entwickelt.
„Makellos – Eine kurze Welle des Glücks“ ist die dritte Zusammenarbeit des Duos Uli Brée (Buch) und Dirk Kummer (Regie) mit Adele Neuhauser nach den sehenswerten Tragikomödien „Faltenfrei“ und „Ungeschminkt“.
Ein bisschen Krimi-Spannung kommt auch auf
Das Titeladjektiv „makellos“ hat einen geschäftlichen Hintergrund: Constanze und der mit einem ausgeprägten Dialekt von Ulrich Noethen fast schon krachledern dargebotene Toni betreiben ein Familienunternehmen, das in langer Tradition Trachtenkleidung herstellt. Die Geschäfte laufen allerdings längst nicht mehr so gut wie einst, und auch dies trägt dazu bei, dass der zweite Akt zum Drama wird: Toni nimmt erfreut zur Kenntnis, dass die Gattin seit einiger Zeit wie verwandelt ist. Das Paar kommt sich sogar zum ersten Mal seit geraumer Zeit auch körperlich wieder näher, aber dann ist eines Tages ein Umschlag mit Fotos in der Post. Ein darauf notierter Link führt zu einem kompromittierenden Video auf einer anrüchigen Website. Noch sind die Gesichter verpixelt. Damit das auch so bleibt, soll das Ehepaar 500 000 Euro zahlen; einen Sexskandal kann sich der angeschlagene Betrieb nicht leisten.
Wäre „Makellos“ ein Krimi, käme das fachkundige Publikum dem Autor vermeintlich schon in der ersten Szene auf die Schliche, als Constanze das Hotel betritt: Als Rezeptionist ist Michael A. Grimm zu erkennen, der in Filmen und Serienepisoden gern für Schurkenrollen oder zumindest als Verdächtiger engagiert wird. Tatsächlich wird er später noch maßgeblich ins Geschehen eingreifen, aber die Besetzung erweist sich als clevere falsche Fährte.
Ein bisschen Krimi-Spannung kommt trotzdem auf, auch wenn die Geschichte erst mal zur Tragödie wird, denn Constanzes Leben ist bloß noch ein Scherbenhaufen: Die Ehe ist am Ende, das von ihrem Urgroßvater gegründete Geschäft hat sie Toni überschrieben, und weil sie Ricardo für den Erpresser hält, ist auch von dieser Seite kein Trost zu erwarten. Letzter Beistand ist ihre beste Freundin und Mitarbeiterin Karin (Caroline Frank). Sie war es auch, die Constanze den bezahlten Seitensprung empfohlen hatte, allerdings nicht ohne Hintergedanken, was wiederum zur Folge hat, dass der letzte Akt zu einem besonderen Vergnügen wird.
Makellos – Eine kurze Welle des Glücks. Mittwoch, 11. März, 20.15 Uhr, ARD
