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Feuerwerke der Farbigkeit

„Farbenrausch“: Kornwestheimer Museum würdigt den Backnanger Maler Manfred Henninger

Die Ausstellung „Farbenrausch. Die Natur im Werk des Spätimpressionisten Manfred Henninger“ im Museum Kleihues-Bau in Kornwestheim thematisiert die Farbigkeit in den Gemälden des am 2. Dezember vor 125 Jahren in Backnang geborenen Künstlers. Museumsleiterin Saskia Dams spricht von Feuerwerken der Farbigkeit.

Feuerwerke der Farbigkeit

© yanik88 - stock.adobe.com

Von Ingrid Knack

BACKNANG/KORNWESTHEIM. 2015 zeigte das Museum im Kleihues-Bau in Kornwestheim die Ausstellung „Manfred Henninger – Exiljahre im Tessin“, kuratiert von der damaligen, langjährigen Museumsleiterin Irmgard Sedler. Werke von 1936 bis zu Henningers Berufung nach Stuttgart an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste als Leiter der Malklasse für Landschaft und Bildnis 1949 (später war der Kokoschka-Schüler Rektor und danach Prorektor der Akademie) wurden präsentiert. „Er war einer der Letzten, der das Arbeiten mit der Farbe, mit dem Pinsel, mit den Grundfarben, mit dem Anmischen der verschiedenen Töne auch wirklich noch gelehrt hat“, erklärt Dams. Für Kornwestheim hat der Backnanger eine besondere Bedeutung, Henninger-Ausstellungen gibt es immer wieder. Denn dort befindet sich ein Großteil seines Nachlasses. Wegen einer umfangreichen Schenkung mit mehreren Hundert Werken hatte der Gemeinderat 1987 sogar den Bau eines eigenen Galeriegebäudes nach dem Entwurf von Architekt Josef Paul Kleihues beschlossen.

Die Kinderecke und das Schlüsselbild

In den Jahren danach gab es weitere Schenkungen seitens der Familie Henninger, die die Arbeit der Galerie von Anfang an schätzte. Auch zum „Farbenrausch“ steuerte Agnes Henninger, die Witwe des Henninger-Sohns Arnold, Exponate bei. Darunter eine Arbeit in Pastellkreide auf Papier für den Kinderbereich, in dem die Bilder so niedrighängen, dass die Kleinen sie bequem anschauen und sich bei ihren Zeichnungen und Malereien ganz einfach Inspirationen holen können. In der Kinderecke hängt auch das Aquarell „Blumenstück“ aus dem Jahr 1986, eine Leihgabe der Stadt Backnang.

„Trotz seiner vielen Exiljahre und wirklich schweren Zeiten hat sich Manfred Henninger nicht unterkriegen lassen, auch nicht hinsichtlich der Farbigkeit seiner Werke“, sagt Saskia Dams. Deshalb rückte sie bei der Geburtstagsausstellung Henningers Farbspektrum in den Vordergrund. Das Schlüsselbild für Dams waren die Mohnblumen in einem Werk von 1983. So kam sie auf die Idee, die Werkschau in Farbfenster einzuteilen. Die Stellwände wurden deshalb in den Farben gestrichen, die in einer bestimmten Werkgruppe dominieren: Grün, Gelb, Ocker, Orange, Violett und Blau. Dies ist auch Ausdruck davon, dass die Farbigkeit der Werke im Lauf der künstlerischen Tätigkeit Henningers variiert – diese entwickelt sich von der dunklen erdfarbenen Tonigkeit der 20er-Jahre bis hin zur allfarbigen Strukturdichte der 70er-Jahre. Zudem lässt die Kuratorin den Künstler selbst zu Wort kommen. Über vielen Bildern sind Henninger-Zitate zu lesen. „Die Texte sind alles Zitate aus seinen Schriften, die jeweils inhaltlich passen“, so Dams. Sie ermöglichen dem Betrachter, in die Gedanken- und Kunstwelt des Backnangers einzutauchen und zu verstehen, wie der Künstler sich und seine Arbeit sah. „Er selber empfand sich als jemand, der in der Lage war, der Natur nicht nur zuzuhören, sondern sie auch zu verstehen und das dann in Farbe umzusetzen. Das ist etwas Besonderes“, weiß Dams. Henninger selbst schrieb einmal: „Erlebt man dann noch im Molino di Brumo einen Sturzbach bei sommerlichem Gewitter, so fühlt man die Macht der Naturgewalten gegenüber dem in ihnen sich verlierenden Menschen (...). Die Natur spricht hier ihre Worte deutlich eindrucksvoll und lesbar für den, der ihr noch zuhören kann.“ Der Mitbegründer der Stuttgarter Neuen Sezession, für den die Farbe das wichtigste Element der Malerei war, verstand sich also als eine Art Vermittler zwischen Natur und Betrachter. Die gegenständliche Darstellung verlässt er dabei nicht ganz, dennoch zeigt seine Malerei einen hohen Grad der Abstraktion.

Immer wieder, wenn man inmitten des Farbenrauschs die vielen kurzen, parallel geführten Pinselstriche bewusst wahrnimmt, wie etwa in dem Gemälde „Steinbruch“ (um 1926), wird man an die Arbeitsweise von Paul Cézanne erinnert. Mit dem französischen Maler und insbesondere mit dessen impressionistischer Phase hat sich Henninger intensiv auseinandergesetzt. Die Pinselstriche deutet Dams gar als eine Art Hommage an Cézanne. „Es war kein Zufall, dass er ein- und denselben Blick mehrfach gemalt hat. Henninger hat sehr gerne auch seriell gearbeitet und ähnlich wie die Impressionisten die verschiedenen Eindrücke bei wechselnden Lichtstimmungen, zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten gemalt.“ Auch Anleihen bei Lovis Corinth sind bei Henninger zu entdecken. Ein Beispiel dafür gibt die Kornwestheimer Ausstellung mit „Ronco im Winter“ aus dem Jahr 1943.

Landschaft bei Catanzaro, um 1960. Im Zusammenhang mit diesem Ölgemälde findet sich an der Wand das Henninger-Zitat: „In Spanien hat meine Palette ihre höchste Helligkeit erreicht, bedingt durch die Wirkung des strahlenden Lichtes der Außenwelt.“

© Ingrid Knack

Landschaft bei Catanzaro, um 1960. Im Zusammenhang mit diesem Ölgemälde findet sich an der Wand das Henninger-Zitat: „In Spanien hat meine Palette ihre höchste Helligkeit erreicht, bedingt durch die Wirkung des strahlenden Lichtes der Außenwelt.“

Das mediterrane Licht hat Manfred Henninger (1894 bis 1986) auf seine Heimat im schwäbischen Raum projiziert. So erscheinen auch hiesige Landschaften wie hier „Am Max-Eyth-See“ (1973) unter einem anderen Vorzeichen – sie versprühen eine bezaubernde, fast schon mediterrane Aura.

© Ingrid Knack

Das mediterrane Licht hat Manfred Henninger (1894 bis 1986) auf seine Heimat im schwäbischen Raum projiziert. So erscheinen auch hiesige Landschaften wie hier „Am Max-Eyth-See“ (1973) unter einem anderen Vorzeichen – sie versprühen eine bezaubernde, fast schon mediterrane Aura.

Büste Henningers von Fritz Nuss

© Ingrid Knack

Büste Henningers von Fritz Nuss

Das Mohnblumen-Bild war für Museumsleiterin Saskia Dams das Schlüsselbild bei der Konzeption der Henninger-Ausstellung in Kornwestheim. So wurden die Werke nicht chronologisch aufgehängt, sondern nach Farben. An den Wänden wird die Hauptfarbe der jeweiligen Werke aufgegriffen. Fotos: I. Knack

© Ingrid Knack

Das Mohnblumen-Bild war für Museumsleiterin Saskia Dams das Schlüsselbild bei der Konzeption der Henninger-Ausstellung in Kornwestheim. So wurden die Werke nicht chronologisch aufgehängt, sondern nach Farben. An den Wänden wird die Hauptfarbe der jeweiligen Werke aufgegriffen. Fotos: I. Knack

Info
Soiree am Sonntag

Am Sonntag, 1. Dezember, wird um 17 Uhr im Museum im Kleihues-Bau zu einer Soiree zum 125. Geburtstag Manfred Henningers eingeladen. Die Gäste können sich auf einen Opern- und Liederabend mit literarischen Beiträgen freuen. Henninger war ein musikbegeisterter Künstler, der sowohl die Oper als auch die klassische Musik schätzte. Neben seiner Malerei veröffentlichte er auch theoretische Schriften zur Malerei und schrieb zahlreiche Gesänge. Um dies zu würdigen, wird der künstlerische Teil des Abends von dem Schauspieler Sebastian Schäfer, dem Tenor Reto Raphael Rosin und dem Pianisten Bernhard Epstein gestaltet. Opernarien von Richard Wagner, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini sowie Lieder von Joseph Haydn und Franz Schubert werden umrahmt von Klavierstücken Robert Schumanns und Ludwig van Beethovens. Kombiniert werden die Musikstücke mit literarischen Beiträgen antiker Autoren und Schriften Henningers. Neben einer telefonischen Reservierung unter 07154/ 202-7401 oder per E-Mail an die Adresse museen@kornwestheim.de gibt es Karten an der Abendkasse (15 Euro inklusive Eintritt ins Museum).

„Intensive und leuchtende Farben dominieren derzeit im Museum im Kleihues-Bau. Henninger hat es verstanden, aus Licht und Dunkel einen vibrierenden Farbteppich zu erschaffen. Seine Naturschönheiten werden auf ganz besondere Weise in bildhafte Darstellungen verwandelt. Ich selbst bin immer wieder aufs Neue fasziniert über die Ausstrahlungskraft der Werke und lade unsere Gäste herzlich ein, die Bilder auf sich wirken zu lassen“, sagt Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Die Ausstellung ist bis 15. März im Museum in der Stuttgarter Straße 93 zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, feiertags geschlossen. Eintritt: 5,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, für Kinder von drei bis sechs Jahren 1 Euro.

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Erstellt:
30. November 2019, 06:00 Uhr

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