Fundstücke als Basis für die Kunst

Ursula Findling aus Backnang befasst sich in ihren künstlerischen Arbeiten mit Naturstudien.

Ursula Findling arrangiert aus Naturmaterialien Stillleben und malt Aquarelle. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Ursula Findling arrangiert aus Naturmaterialien Stillleben und malt Aquarelle. Foto: A. Becher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Naturstudien haben die Backnangerin Ursula Findling schon immer fasziniert. Jetzt in Zeiten des Lockdowns wendet sie sich wieder den Materialien zu, die sie auf Spaziergängen in der winterlichen Landschaft findet. Sie arrangiert daraus Stillleben und malt kleinformatige Aquarelle.

Es gibt so viele schöne Details zu entdecken, wenn man bewusst und mit offenen Augen durch die Natur geht, unterstreicht Ursula Findling. Da wachsen bizarre Baumpilze an Ästen, Flechten schimmern messingfarben, Rindenstücke sind zart bemoost oder Blätter tragen noch die Herbstfärbung. Ihre Fundstücke arrangiert sie mit viel Liebe zum Detail und malt sie naturgetreu mit feinen Haarpinseln.

Ein Blick auch für kleinere Dinge, die die Natur den Menschen bietet.

Bereits vor über 40 Jahren hat sich die Künstlerin mit dieser Art der Naturstudien beschäftigt und erinnert sich an eine Ausstellung zusammen mit den „Backnanger Malern“ Ende der 1970er-Jahre im Max-Born-Gymnasium, zu denen damals auch Oskar Kreibich und Ernst Hövelborn gehörten. Jetzt in Coronazeiten geht die heute 84-Jährige nicht oft aus dem Haus und unter Leute. Doch ein Spaziergang im Wald habe auch im Winter seine schönen Seiten, betont sie. Man müsse die Kleinigkeiten, die die Natur einem bietet, nur sehen lernen. Auf die Idee, sich wieder auf die kleinen Naturstudien zu besinnen, hat eine Freundin und Kennerin ihrer Werke die Künstlerin gebracht. Aus gesundheitlichen Gründen arbeitet Ursula Findling derzeit nicht an großformatigen Werken, für die sie lange an der Staffelei stehen muss. Da kommt ihr die Arbeit an den kleinen Aquarellen sehr entgegen, und sie lassen sich mit Spaziergängen an der frischen Luft verbinden. Einen Blick fürs Detail habe sie schon immer gehabt. Ursula Findlings großer Wunsch war es, nach dem Besuch des Gymnasiums Kunst zu studieren. Aber ihre Eltern waren damit nicht einverstanden und so landete sie als Kontoristin im Büro eines Fotogeschäfts in Göppingen. Schnell wurde sie dort in Fotoarbeiten miteinbezogen und übernahm das Dekorieren der Schaufenster. Kreatives Arbeiten hatte sie schon immer mehr interessiert als Büroarbeiten. In ihrer Freizeit begann sie schon früh mit dem Zeichnen und Malen von Naturmotiven.

Mitte der 1960er-Jahre zog Ursula Findling mit ihrem Mann und den Kindern nach Allmersbach im Tal und schloss sich in den 1970er-Jahren den Backnanger Malern der Baracke an. Erste Ausstellungen meist mit Landschaftsmalerei folgten.

Ihre künstlerische Ausbildung begann Ursula Findling im Jahr 1978, als ihre familiären Aufgaben nicht mehr ganz so im Vordergrund standen wie die Jahre zuvor und ihre beiden Kinder schon größer waren. Sie besuchte die Kolping-Kunstschule Stuttgart und hat sich in zahlreichen Kursen und Seminaren bei freischaffenden Künstlern in verschiedenen Techniken wie Lithografie, Holzschnitt oder Radierungen weitergebildet. Ende der 1990er-Jahre gab sie auch selbst Malkurse in Gomadingen auf der Schwäbischen Alb, blickt sie zurück.

Inspirationen holte sich die in Göppingen geborene Künstlerin auf vielen Reisen. Fünf Jahre lang – mit Unterbrechungen – lebte sie in Südafrika, wo sie auch künstlerisch tätig war. Zu einer ganz neuen, kräftigen Farbgebung inspirierte sie der Aufenthalt und regte sie zum Spiel mit leuchtenden Rot- und Orangetönen an. Ab 1992 war sie Mitglied im Bund bildender Künstlerinnen Württembergs und hatte unter anderem eine Einzelausstellung im Rathaus Stuttgart. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellung finden sich in ihrer Vita.

Ihren ganz eigenen Stil hat Ursula Findling entwickelt, und es ist ihr wichtig, sich keinem Schema oder Konzept zu unterwerfen. Die Malerin beschäftigt sich auch mit Collagen, wobei sie unterschiedliche Werkstoffe verwendet. Im Jahr 2010 etwa hat sie Fragmente von Backnanger Rechnungsbüchern aus dem 18. Jahrhundert in Collagen verarbeitet. Aus Resten, vor allem von Umschlägen, die beim Restaurieren und Neubinden der rund 300 Jahre alten Bücher anfielen, hat sie Kunstwerke gemacht – ein Ausflug weg von der Natur und hin zu von Menschen Geschaffenem. Ein großformatiges Werk hängt heute im historischen Rathaus in Backnang.

Die Rückbesinnung auf die kleinformatigen Naturstudien als Aquarelle hat ihr wieder bewusst gemacht, wie viel Schönheit die Natur auch im Winter bietet. Die Bilder sollen auch Anregung für andere sein, nicht achtlos an den einzigartigen Details vorbeizugehen.

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Erstellt:
29. Januar 2021, 11:30 Uhr

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