Vom Bandhaus auf die große Bühne: Backnangerin bei „The Voice Kids“

Lilly Becker aus Backnang hat mit gerade mal elf Jahren bereits ihren ersten großen TV-Moment erlebt. In der Sat-1-Sendung „The Voice Kids“ überzeugte sie mit ihrer reichen Stimme und dem Song „I wish“ von Stevie Wonder. Unterstützt wird sie von ihrer Gesangslehrerin Biggi Binder.

In der Jugendmusik- und Kunstschule im Backnanger Bandhaus arbeiten Lilly Becker (rechts) und Biggi Binder (links) gemeinsam an einem neuen Song. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

In der Jugendmusik- und Kunstschule im Backnanger Bandhaus arbeiten Lilly Becker (rechts) und Biggi Binder (links) gemeinsam an einem neuen Song. Foto: Tobias Sellmaier

Von Kai Wieland

Backnang. Das Tor öffnet sich, die Scheinwerfer und sämtliche Blicke – von rund 500 Publikumsgästen in einem Berliner TV-Studio und schließlich auch von Hunderttausenden an den Bildschirmen – sind auf die elfjährige Lilly Becker aus Backnang gerichtet. „Das war echt mega“, schwärmt diese und sprüht dabei sichtlich vor Begeisterung über das Erlebte. „Ich war schon ein bisschen aufgeregt, aber positiv, ich hab mich einfach darauf gefreut.“

Die Aufzeichnung der sogenannten Blind Auditions in der zwölften Staffel der Sat-1-Sendung „The Voice Kids“, in der junge Gesangstalente versuchen, Stars wie Lena, Wincent Weiss oder Smudo und Michi Beck von den Fantastischen Vier von ihrem Talent zu überzeugen, liegt bereits einige Wochen zurück. Die Erinnerung daran ist aber auch heute noch äußerst lebendig, wenn Lilly sich zu ihrer wöchentlichen Unterrichtsstunde bei Biggi Binder in der Jugendmusik- und Kunstschule im Backnanger Bandhaus einfindet. Gemeinsam mit der Gesangslehrerin arbeitet sie derzeit an einem eigenen Song. „Es wäre klasse, wenn du den Auftakt zu deinem Vers in den vierten Takt deines Intros bauen würdest“, schlägt Biggi Binder vor, was Lilly sogleich mithilfe einer App am Tablet umzusetzen versucht. Die Lehrerin ist offenkundig beeindruckt von der technischen Findigkeit der Nachwuchssängerin, aber auch musikalisch traut sie ihr eine Menge zu. „Bereits bei der ersten Unterrichtsstunde war mir klar, dass ich es hier mit einem kleinen Rohdiamanten zu tun hatte“, erinnert sie sich. „Die Leichtigkeit und Flexibilität, mit der sie sich in höchste Höhen schwingt, ihr warmes, helles Timbre, der auffallend präsente Sound und Lillys reife Art, zu phrasieren, dazu eine bemerkenswerte Persönlichkeit – hier fließen Ausstrahlung, Empathie, Ideenreichtum und eine große Eigendynamik in den Stimmklang mit ein und machen Lillys Stimme zu etwas ganz Besonderem.“

Über mehrere Runden nach Berlin

Ava Max, Taylor Swift, Sia, Adele, Rihanna – ihre musikalischen Vorbilder sind erfolgreiche Frauen mit großer Stimme und auch ansonsten dreht sich vieles in ihrem Leben um die Musik. Die Entscheidung zur Teilnahme an der TV-Show kam daher nicht über Nacht, erzählt Lilly Becker, die seit drei Jahren Gesangsunterricht nimmt, mittlerweile auch Gitarre lernt und in der Schulband der Max-Eyth-Realschule spielt. „Ich habe schon immer gerne gesungen und fand die Sendung einfach cool. Seit ich sie zum allerersten Mal gesehen habe, wollte ich dort schon mitmachen.“ Gesagt, getan: Ein Bewerbungsvideo, in dem sie den Song „Rolling in the Deep“ von Adele performte, öffnete die Tür zu einem ersten sogenannten Scouting in Köln. Dort überzeugte sie mit „Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper, vor allem aber mit einem Song, der für eine Elfjährige etwas überraschend daherkommt: „I wish“ von Stevie Wonder. Eingeübt hat sie das Lied mit ihrer Gesangslehrerin. „Als ich anfing, mit Lilly zu arbeiten, habe ich schnell festgestellt, dass sie eine enorme Musikalität mit einem ausgeprägten Rhythmusgefühl besitzt“, erklärt Biggi Binder. „Um dieses bei ihr zu fördern, habe ich ihr den herrlich groovigen Song in einer Version von Lady Gaga gezeigt. Sie war sofort davon begeistert.“

Lilly Becker performt auf der Bühne der Sat-1-Sendung „The Voice Kids“ bei den sogenannten Blind Auditions. Copyright: Sat.1/Claudius Pflug

© Copyright: Sat.1/Claudius Pflug

Lilly Becker performt auf der Bühne der Sat-1-Sendung „The Voice Kids“ bei den sogenannten Blind Auditions. Copyright: Sat.1/Claudius Pflug

Erste Gelegenheiten, den Song live auf einer Bühne zu performen, hatte sie bereits im Rahmen zweier Events der Jugendmusikschule erhalten und das mit entsprechend euphorischem Feedback. „Die Unterstützung von Biggi Binder war wirklich Gold wert, weil Lilly dadurch schon ihre ersten Auftritte hatte und so überhaupt erst auf die Idee kam, an der Sendung teilzunehmen“, sagt Lillys Mutter Anja Becker. Ihre Tochter nickt eifrig. „Ich finde auch, dass sich meine Stimme bei Biggi total entwickelt hat. Ich weiß gar nicht, ob ich es ansonsten gemacht hätte.“

Weitere Themen

Auch in Köln kam Lillys Darbietung von „I wish“ so gut an, dass der Song bei einem zweiten Scouting-Termin in Berlin erneut von der Jury gefordert wurde. „Sie haben gesagt, dass er Lilly gut steht“, erinnert sich Anja Becker. Trotzdem sei nach jedem Vorsingen viel Zeit verstrichen, bis die Benachrichtigung über das Weiterkommen eintraf. „Wir mussten ganz viel fiebern, das war richtig spannend.“

Styling, Interviews und neue Freunde

Zu guter Letzt trudelte die frohe Botschaft aber doch im Hause Becker ein: Zur Aufzeichnung der Blind Auditions ging es für Lilly eine Woche lang nach Berlin. Auf dem Programm standen Vocal Coaching, Interviewtraining, Styling und schließlich die TV-Show selbst. Dabei verbrachte die Nachwuchssängerin viel Zeit mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Ich habe da auch echt Freundinnen gefunden, denn es haben ja alle dasselbe Hobby“, erzählt Lilly Becker. Und was sagen die Freunde zu Hause? Das sei mitunter schwierig gewesen, schließlich durften nur die Lehrer, nicht aber die anderen Schülerinnen und Schüler über die Hintergründe ihrer Abwesenheit Bescheid wissen, erklärt Anja Becker. „Einmal haben sie mich im Zug gesehen und dachten, dass ich schwänze, das war wirklich lustig“, berichtet Lilly lachend.

Schließlich war der große Moment gekommen und die junge Sängerin stand vor den vier Jurysesseln, welche ihr – wer die Show kennt, weiß Bescheid – den Rücken zukehrten. Würde einer von ihnen, überzeugt von Lillys Talent, den Knopf drücken und sich umdrehen? Darüber habe sie sich in diesem Moment gar nicht so sehr den Kopf zerbrochen, verrät die Backnangerin. „Es hat sich einfach toll angefühlt, auf dieser großen Bühne zu stehen. Ich hab mich auch gefreut, die Stars zu sehen, aber da auch realisiert, dass sie im Grunde auch nur Menschen sind“, zeigt sie sich trotz ihres jungen Alters bereits weise. Ansonsten habe sie nicht darüber nachgedacht, wer alles im Publikum saß – die Familie samt Großeltern und sogar Biggi Binder waren mit nach Berlin gereist –, sondern sich ganz auf ihren Auftritt konzentriert. „Wenn man sich da zu sehr ablenken lässt, besteht immer die Gefahr, den Text zu vergessen.“ Sehr verständlich, zumal Lilly, die auch ihre ersten eigenen Songs in englischer Sprache schreibt, erst seit etwa anderthalb Jahren Englisch an der Max-Eyth-Realschule lernt.

Ob es letztlich zum Weiterkommen gereicht hat? Das darf Lilly freilich noch nicht verraten. Spätestens mit der Ausstrahlung wird das Rätsel aber gelüftet.

Ausstrahlung und Social Media Lilly Beckers Auftritt bei „The Voice Kids“ ist bereits jetzt beim Streaming-Portal Joyn Plus sowie am Freitag, 5. April, ab 20.15 Uhr auf Sat.1 zu sehen. Wer noch mehr von Lilly hören möchte, hat dazu in den sozialen Netzwerken Instagram, Tiktok und Youtube auf dem Kanal Lillys.voice die Gelegenheit.

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Erstellt:
3. April 2024, 11:30 Uhr

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