36. Jazztage im Theaterhaus

Was für ein Jazz-Programm!

Eine, die das Instrument Stimme beherrscht wie wenig andere, wird die 36. Jazztage im Stuttgarter Theaterhaus adeln: die Ausnahme-Vokalistin Lauren Newton.

Lauren Newton

© Lichtgut/Christoph Schmidt

Lauren Newton

Von Thomas Staiber

Die Landesmusikräte haben 2025 das älteste aller Instrumente zum Instrument des Jahres gewählt: die menschliche Stimme. Wikipedia definiert sie als „den durch die Stimmlippen im Kehlkopf erzeugten und im Vokaltrakt modulierten Schall“. Die Singstimme, genuine musikalische Ausdrucksform des Menschen, ertönt unter der Dusche, bei Karaoke und im Konzertsaal. Laut Musikrat ist sie „das Instrument, das uns zu Menschen macht und uns, über alle Sprachgrenzen hinweg, mit anderen verbindet“.

Eine, die dieses Instrument beherrscht wie wenig andere, wird am 11. April bei den 36. Jazztagen im Stuttgarter Theaterhaus auftreten: die Vokalistin Lauren Newton, die 1952 im US-Staat Oregon auf die Welt kam, ein klassisches Gesangsstudium an der dortigen Universität absolvierte, anschließend an der Stuttgarter Musikhochschule bei Sylvia Geszty studierte und von Erhard Karkoschka Unterricht in Komposition und Neuer Musik erhielt.

Seit fünfzig Jahren wohnt die Amerikanerin in Tübingen. Aus der Avantgarde-Musikszene ist sie nicht wegzudenken, im neuen Jazz eine Größe. Vor fünf Jahren erhielt sie den Landesjazzpreis für ihr Lebenswerk.

Petra Olschowski, damals noch Staatssekretärin sagte: „Ihre charismatische Stimme zieht in den Bann. Ich freue mich sehr, dass wir mit Lauren Newton auch erstmals eine Frau in der Kategorie Lebenswerk auszeichnen.“ Professor Rainer Tempel begründete die Jury-Entscheidung: „Lauren Newton ist eine Künstlerin mit großer Haltung: unbeirrt, integer, authentisch, nie effekthascherisch.“

Schon 1983 wurde ihre erste LP als Bandleaderin mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Zweiundvierzig Jahre und Dutzende von Alben später, nach Konzerten mit dem Vienna Art Orchestra, Bernd Konrads Südpool, mit Aki Takase, Bobby McFerrin und anderen Stars des Jazz, nach Auftritten mit dem österreichischen Dichter Ernst Jandl, nach Theaterproduktionen und Lehrtätigkeiten an den Universitäten in Graz, Luzern und Essen, nach Workshops und Meisterkursen wurde sie unlängst mit dem renommierten Albert-Mangelsdorff-Preis ausgezeichnet. Wenig schmeichelhaft – doch man versteht, was gemeint ist – wurde sie in der Laudatio als „Abrissbagger von Klischees“ bezeichnet.

Das Festivalpublikum wird mit Lauren Newton eine Pionierin der Stimmkunst ein herausforderndes, aber gewiss kein langweiliges Konzert erleben. Auftreten wird sie mit drei anderen Künstlern. SenSing, der Name des Quartetts, spielt auf eine Yoga-Variante an, bei der es – wie beim Singen – um die Verbindung von Körper und Seele geht. Singen als Lufthauch der Seele, als innerer Tanz – das weist auf die Spiritualität dieser femininen Vokalformation hin.

Wer die nur angucken möchte, dem sei Wilhelm Busch in Erinnerung gerufen: „Beim Quartett sind stets zu sehn vier Mäuler, welche offenstehn.“ Jedoch wer Ohren hat zu hören und sich auf diese Musik einlässt, kann sich auf eine facettenreiche Klangreise begeben, die bis weit hinein in eigene Gefühlswelten führen kann.

Das Programm

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Erstellt:
26. März 2026, 14:50 Uhr

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