Neu im Kino

Zeitreisender will die Welt vor der KI retten

Die „Fluch der Karibik“-Filme haben den US-Regisseur Gore Verbinski berühmt gemacht. Jetzt kommt seine Science-Fiction-Satire „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ins Kino.

Die Weltretter-Truppe in „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

© Constantin Film Distribution GmbH

Die Weltretter-Truppe in „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Von Martin Schwickert

Bereits zum 117. Mal betritt der Zeitreisende den Diner in Los Angeles mit einer klaren Mission. Er komme aus der Zukunft, verkündet er den Anwesenden. Die Menschheit sei dem Untergang geweiht. Nur er und sie könnten die Welt retten. Die Gäste im Restaurant schauen nur kurz auf und scrollen weiter auf ihren Smartphones.

Der Rebell kommt aus der Zukunft

Der Mann im versifften Regenmantel mit seiner unkontrollierten Kopf- und Gesichtsbehaarung wirkt als Apokalyptiker wenig glaubwürdig. Erst als der Eindringling den Mantel öffnet, darunter ein vermeintlicher Sprenggürtel zum Vorschein kommt und sein Daumen auf dem Zündauslöser liegt, hören sie ihm zu. Die Künstliche Intelligenz werde in nicht allzu ferner Zukunft die Macht übernehmen. Die Hälfte der Menschheit werde ausgelöscht, und die andere Hälfte wäre zu sehr in virtuellen Welten gefangen, um zu sehen, was in der Realität vor sich geht.

Aus den Gästen im Restaurant gelte es die sieben richtigen Personen auszuwählen, die jetzt, hier und heute, den zukünftigen Untergang verhindern könnten. Während die Polizei anrückt, um den Geiselnehmer zur Strecke zu bringen, findet sich tatsächlich eine Gruppe von zögerlichen Freiwilligen.

Alle schauen nur noch auf ihre Smartphones

Mit einem umgekehrten „Terminator“-Szenario beginnt Gore Verbinskis Science-Fiction-Satire „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“. War es in James Camerons Klassiker aus dem Jahre 1984 Arnold Schwarzeneggers Cyborg, der aus der Zukunft in die Gegenwart kam, um die Geburt eines vielversprechenden Revolutionärs zu verhindern, ist es nun ein Rebell aus der Zukunft, der in der Jetztzeit die totale Machtergreifung der Künstlichen Intelligenz verhindern will. Ziel der Aktion ist ein Haus in der Vorstadt, in dem ein neunjähriger Junge mit deutlich zu viel Bildschirmzeit den Code programmiert, mit dem die KI die Herrschaft über das menschliche Gehirn erlangen kann.

Während sich das Anti-Apokalypse-Team dorthin vorarbeitet, werden in Rückblenden die einzelnen Freiwilligen und deren Hintergründe vorgestellt. Da sind die Lehrerin Janet (Zazie Beetz) und ihr Ehemann Mark (Michael Peña), der als Aushilfspädagoge die elfte Klasse für „Anna Karenina“ zu begeistern versucht. Die Jugendlichen jedoch schauen nur auf ihre mobilen Endgeräte.

Als Mark aus einem Impuls heraus den Touchscreen eines Schülers berührt, werden alle Geräte gleichgeschaltet. Wie Zombies in einem Romero-Film erheben sich die Jugendlichen simultan in der ganzen Schule und treiben das Lehrpersonal über den Campus, die Gesichter von ihren Displays grotesk beleuchtet.

An derselben Schule kommt der Sohn von Susan (Juno Temple) bei dem Amoklauf eines Mitschülers ums Leben. In den Beratungsstellen für trauernde Eltern bietet man der Mutter an, den Sohn zu klonen. Das Projekt ist staatlich subventioniert, und es gibt sogar einen Rabatt für eine Version, die regelmäßig auf die Produkte der Werbepartner aufmerksam macht. Ganz andere Erfahrungen mit dem hochtechnologischen Fortschritt hat die junge Ingrid (Haley Lu Richardson) gemacht. Seit ihrer Kindheit reagiert sie allergisch auf Smartphones, Wifi und jegliche Form von Kommunikationstechnologie.

Improvisierter Schmuddel-Look

In den Rückblenden entwirft Verbinski („Fluch der Karibik“) ein Zukunftsszenario, das deutlich in unsere Gegenwart hineinragt, und begegnet dieser Dystopie im Fortgang der Geschichte mit einem ausgelassenen, anarchistischen Revoluzzertum. Treibende Kraft hierbei ist der fabelhafte Sam Rockwell, der dem manischen Guerillakämpfer aus der Zukunft seine selbstironische Energie injiziert. Die Handlung des Films holpert manchmal, aber Perfektionismus steht hier ohnehin nicht auf dem Programm. Der Kameramann James Whitaker taucht das Geschehen in einen improvisierten Schmuddel-Look, was dem Film einen sympathischen B-Movie-Charme verleiht.

Daraus könnte ein Kultfilm werden

„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ bündelt und überzeichnet die Frustrationen, Gefahren und Ängste der herannahenden KI-Ära, ohne ins Predigen zu verfallen. Vielmehr setzt Verbinski auf einen schrägen Science-Fiction-Mix, in dem es immer wieder erhellende Punkte der Erkenntnis gibt. Die Technologie-und Gesellschaftskritik wird hier mit einem originellen, skurrilen Vibe ummantelt, der dem entfesselten Werk schon in naher Zukunft einen verdienten Kultfilmstatus bescheren könnte.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die: USA 2026. Regie: Gore Verbinski. Mit Sam Rockwell, Juno Temple, Michael Peña. 134 Minuten. Ab 16 Jahren.

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Erstellt:
10. März 2026, 16:08 Uhr

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