Auenwald: Das tragische Ende einer Faschingsparty
Nach dem Tod eines 39-Jährigen in der Nacht auf Sonntag herrscht in Auenwald Fassungslosigkeit.
Im Bereich des Unfallorts ist ein Strauß weißer Rosen abgelegt worden. Foto: privat
Auenwald. Beinahe gespenstisch liegt am Montagmorgen der Nebel über dem kalten Brüdenbachtal. Noch immer sind fleißige Helfer der Narrenzunft Auenwald damit beschäftigt, die Spuren des großen Nachtumzugs vom vergangenen Samstag zu beseitigen. Die Festzelte rund um die Auenwaldhalle werden abgebaut, Straßensperrungen aufgeladen und eine Frau kehrt vor der Halle sorgfältig die Straße. Unschuldig gluckert derweil der Brüdenbach unter der Brücke hindurch und der Weißach entgegen. Der tragische Vorfall vom Wochenende ist jedoch allgegenwärtig. „Da rutscht einem das Herz erst einmal in die Hose“, sagt Dieter Eisele, Zunftmeister des Gastgebervereins.
Ein 39-jähriger Mann, der Polizeiangaben zufolge in Weissach im Tal wohnte und die Faschingsparty besucht hatte, ist am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr leblos im Brüdenbach aufgefunden worden (wir berichteten). Eine Spaziergängerin hatte ihn offenbar entdeckt und ein Mitglied der Auenwalder Narrenzunft, das sich bereits für den Abbau auf dem Parkplatz eingefunden hatte, hinzugeholt. „Zusammen haben sie festgestellt, dass es ein Mensch ist und nicht etwa eine Puppe“, berichtet Dieter Eisele, der daraufhin von seinem Vereinsfreund informiert wurde und selbst an die Halle kam. Polizei, Rettungswagen und DLRG waren zu diesem Zeitpunkt bereits vor Ort, konnten für den Mann aber nichts mehr tun.
Der Weg entlang des Brüdenbachs zwischen Unterbrüden und Unterweissach ist eine beliebte Strecke für Radler und Spaziergänger. Auch am Montagmorgen sind schon etliche Menschen unterwegs, die meisten von ihnen mit Hund. Nur wenige Hundert Meter vom Schauplatz der nächtlichen Feierei entfernt, noch in Sichtweite des Parkplatzes und der Auenwaldhalle, hat jemand am Ufer einen Strauß weißer Rosen abgelegt. Am Wegesrand sind die Reifenspuren der Einsatzfahrzeuge zu erkennen. Irgendwo hier muss der Mann, mutmaßlich auf seinem Nachhauseweg, in der Nacht auf Sonntag in den Bach gestürzt sein. Die genauen Hintergründe dafür und auch die wahrscheinliche Uhrzeit des Vorfalls sind weiter unklar und werden wohl auch nicht mehr näher untersucht, denn der Unfallhergang erscheint eindeutig. Es gäbe keine Hinweise, die Zweifel daran nahelegten, so ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Aalen am Montag. „Wir gehen davon aus, dass der Mann wahrscheinlich alkoholisiert gewesen und rund drei Meter die Böschung hinuntergestürzt ist.“
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Tief ist der Brüdenbach nicht, aber es reicht allemal, um beim Hineinfallen vollständig nass zu werden. Die Böschung wirkt bei Tageslicht betrachtet zwar harmlos, aber es gibt sehr wohl steile Abschnitte, die bei einem nächtlichen Sturz verhängnisvoll sein können. Was das in Kombination mit winterlichen Temperaturen bedeuten kann, ist bekannt, zumal es nicht der erste Vorfall dieser Art im Weissacher Tal gewesen ist: Im Februar 2016 fiel zwischen Unterweissach und Aichholzhof ein alkoholisierter 50-Jähriger nachts eine steile Böschung hinab in die Weißach. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, wo er später verstarb.
Von einer Gefahrenstelle kann beim Unfallort vom vergangenen Wochenende unter normalen Umständen wohl kaum die Rede sein. Bürgermeister Kai-Uwe Ernst, der am Abend selbst die Veranstaltung besucht hatte und am Sonntagmorgen bei den Bergungsarbeiten vor Ort war, sagt: „Mir wären an dieser Stelle keine ähnlichen Vorfälle aus der Vergangenheit bekannt.“ Es scheint eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen zu sein, die den Mann letztlich das Leben kostete. Die Veranstaltung sei sehr gut besucht gewesen, „fast schon zu gut“, wie Dieter Eisele feststellt. Auch habe die Security regelmäßig Kontrollgänge rund um das Festgelände gemacht und die Umgebung abgeleuchtet. Dass trotzdem offenbar niemand den Sturz bemerkte und dem Mann zu Hilfe eilen konnte, macht die Sache umso tragischer.
