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Böhme: Politik zu abhängig von der Wissenschaft

dpa/lsw Tübingen/Ulm. Politiker verlassen sich nach Ansicht der Tübinger Paläontologin Madelaine Böhme zunehmend und zu stark auf die Wissenschaft. „Meiner Meinung nach muss Politik ein großes Potpourri an Dingen beachten und in ihre Entscheidungen abwägend miteinbeziehen“, sagte Böhme der „Südwest Presse“ (Donnerstag). Die Wissenschaft werde aber immer stärker als eine Art „letzte Instanz“ gesehen. „Die Wissenschaft soll uns sagen, was wir denken, tun und lassen sollen. Und das ist sehr gefährlich, denn das ist nicht die vordringlichste Aufgabe der Wissenschaft“, sagte die Tübingerin.

Madelaine Böhme, Paläontologin, steht im Museum der Universität Tübingen (MUT). Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Madelaine Böhme, Paläontologin, steht im Museum der Universität Tübingen (MUT). Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Weltbekannt wurde die 53-Jährige durch den Sensationsfund des Menschenaffen „Udo“ in Pforzen (Ostallgäu). Vor allem in der Corona-Krise wird darüber diskutiert, ob wissenschaftliche Expertise die einzige oder zumindest wichtigste Grundlage für politische Entscheidungen sein sollte.

Auch die Gesellschaft verweise zunehmend auf das Wissen der Experten, sagte Böhme. „Ich bemerke immer mehr, wie die Wissenschaft zu einer Argumentationshilfe im politischen Diskurs wird.“ Es hätten sich noch nie so viele Menschen als Wissenschaftler bezeichnet - und nie zuvor sei so viel Geld in die Forschung investiert worden. „Allerdings war auch die Abhängigkeit der Wissenschaft von der Politik noch nie so groß wie heute“, sagte Böhme.

Die Nachricht von Böhmes Menschenaffen-Fund in Bayern hatte im vergangenen November für Furore gesorgt und Hypothesen zur Evolution des aufrechten Gangs infrage gestellt. Die versteinerten Fossilien der bislang unbekannten Primatenart Danuvius guggenmosi weisen nach Ansicht von Wissenschaftlern darauf hin, dass sich der aufrechte Gang in Europa statt in Afrika entwickelt haben könnte.

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Erstellt:
20. August 2020, 09:09 Uhr

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