Den Winnender Drillingen geht’s prächtig

Luca, Leon und Levi waren mit ihren Eltern zur entwicklungsneurologischen Nachuntersuchung noch einmal im Rems-Murr-Klinikum

Levi, Leon und Luca (von links) sind mobil und gesund. Darüber freuen sich Nicole Hasimis, die Drillingseltern Joisy Jose und Binoop Pottackal Paul mit Tochter Amelia, Ulrich Bernbeck und Ulrike Schiller.Foto: RMK

© Michael Fuchs Fotografie

Levi, Leon und Luca (von links) sind mobil und gesund. Darüber freuen sich Nicole Hasimis, die Drillingseltern Joisy Jose und Binoop Pottackal Paul mit Tochter Amelia, Ulrich Bernbeck und Ulrike Schiller.Foto: RMK

Winnenden. Selten war so viel Leben und Hallo im Therapieraum der Kinderambulanz, denn heute haben die Winnender Drillinge hier ein Date mit ihrem Doc. Frühchen-Experte Ulrich Bernbeck, der Luca, Leon und Levi seit ihrem ersten Atemzug kennt, untersucht an diesem winterlichen Vormittag noch einmal ihren Entwicklungsstand – drei Monate nachdem sie die Kinderklinik gesund verlassen konnten.

Dazu wurden heute alle drei zuhause ins Auto gepackt und für den Check-Up in der Klinik nun nacheinander aus Teddyplüsch-Overalls, Mützchen und winzigen Fäustlingen befreit. Ein aufregender Tag für die Eltern und ihre Jungs, deren Geburt im Rems-Murr-Klinikum Winnenden bereits sehr viele Menschen berührt hatte. Denn eineiige Drillinge gibt’s nur bei einer von 100 Millionen natürlich entstandenen Schwangerschaften. Ein Wunder der Natur. Dass die Frühchen in der 31. Schwangerschaftswoche komplikationslos per Kaiserschnitt zur Welt kamen und sich prächtig entwickelt haben, verdanken sie freilich dem Zusammenspiel von medizinischer Expertise, guter Versorgung, genetischer Veranlagung – und ganz viel Glück.

Fremdeln ist eine ganz normale Entwicklungsphase

Weil die Babys so zufrieden um die Wette strahlten, beglückten sie nach ihrer Geburt auch das Personal im Perinatalzentrum, wo frühgeborene Babys in enger Zusammenarbeit zwischen Geburtshilfe und Kinder-Intensivstation betreut werden. Doch heute gucken Luca und seine Brüder plötzlich kritischer aus den Stramplern – und der leitende Oberarzt Bernbeck freut sich. Test Nr. 1 bestanden: „Die Babys fremdeln jetzt ein bisschen. Das ist prima so, denn Fremdeln ist eine ganz normale Entwicklungsphase. Wenn sie mich in diesem Alter sofort anlachen würden, würde ich mir heute ein bisschen Sorgen machen“, erklärt der Facharzt für Neonatologie und Entwicklungsneurologie den stolzen Eltern, Joisy Jose und Binoop Pottackal Paul.

Am 26. September 2025 hätten ihre drei Söhne eigentlich Geburtstermin gehabt. Doch Mehrlinge halten sich selten an Kalender, sondern drängeln früher auf die Welt. Am 21. Juli waren sie binnen 30 Minuten da, für jeden Drilling stand direkt ein Kinderarzt parat. Einer von ihnen war Bernbeck. „Das ist das Schöne hier in der Winnender Neonatologie: Ich kann Babys in ihrer Entwicklung begleiten, sehe sie direkt bei der Geburt und auch danach immer wieder.“

Die Initiative Bunter Kreis Rems-Murr betreut Familien mit Frühchen oder kranken Neugeborenen

Begleitend dabei ist bei besonders empfindlichen Babys immer, also auch heute, Nicole Hasimis von der Initiative „Bunter Kreis Rems-Murr“. Ihr Team betreut Familien mit Frühchen oder kranken Neugeborenen in enger Kooperation mit dem Rems-Murr-Klinikum von den ersten Tagen an und steht Eltern nach Heimkehr der Babys weiter zur Seite. „Unser Ziel ist es, dass alle gut in den Alltag finden und lernen, als Familie mit den besonderen Anforderungen dieser Kinder zu wachsen“, sagt Hasimis, während sie Levi auspackt und bei Laune hält. „Wir bieten Unterstützung bei der Versorgung der Babys, beraten bei rechtlichen Themen, organisieren eine Haushaltshilfe und integrieren auch die Geschwisterkinder.“ Bei den Drillingen ist es die fünfjährige Amelia, die heute bei der Untersuchung zuschauen darf. Sie puzzelt auf der Turnmatte und spielt mit Nicole Hasimis.

Die Runde komplett macht Krankengymnastin Ulrike Schiller vom Therapeutischen Team des Rems-Murr-Klinikums. Sie testet und protokolliert beim Check-Up mit, denn bei drei tupfengleich aussehenden Babys wird jede Hand und jedes aufmerksame Auge gebraucht. Weiterer Helfer: Das Handy dokumentiert für die digitale Patientenakte mit. Bernbeck macht gerade ein Video von Levi. Der hält keine Sekunde still, alles zuckt und wackelt. „Solange er wach ist, ist das ein gutes Zeichen. Komm, jetzt legen wir dich auf den Bauch, und dann noch einmal rum mit dir. Guter Muskeltonus, gute Haltung, keine Asymmetrien. Handgreifreflex hat er noch. Stehbereitschaft ist vorhanden“, stellt Bernbeck fest. 15 neurologische Reflexe testet der Experte kurz und schmerzlos durch, die ihm Aufschluss geben, ob sich das Baby körperlich und kognitiv altersgemäß entwickelt. Behutsam noch Kopfumfang und Größe gemessen und einmal auf die Waage gelegt, dann kommt Leon an die Reihe und zum Schluss Luca, der besonders kitzelig quietscht.

Bei Mehrlingen reicht die Milch der Mutter oft nicht aus

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Das Klinikteam ist entzückt. Von allen dreien. „Alle gefallen mir sehr gut, alle haben gut zugenommen und sind inzwischen ziemlich gleich in ihrer Entwicklung“, sagt Bernbeck. Das war nicht immer so, denn Leon, der Zarteste, musste seit der Geburt einiges an Gewicht aufholen. Die Frauenmilchbank, eine Besonderheit im Winnender Klinikum, hat ordentlich mit Spendermilch nachgeholfen in den ersten Lebenswochen. Dieses natürliche Superfood ist enorm wertvoll für Frühchen, weil ihr Immunsystem damit eine gute Starthilfe bekommt. Denn gerade bei Mehrlingen reicht die Milch der eigenen Mutter kaum.

„Inzwischen kann man die drei kaum noch auseinanderhalten, da werden die Lehrer später mal ihren Spaß haben“, sagt Nicole Hasimis, die ebenfalls sehr zufrieden ist, wie alles läuft. „Wir arbeiten gut mit den Eltern zusammen, sie nehmen unsere Hilfe dankbar an.“ Und auch nach der Untersuchung heute gibt es wertvolle Tipps, diesmal vom Kinderarzt. „Legen Sie die Babys zuhause so selten wie möglich in eine Wippe oder einen Maxi-Cosi. Lieber so viel wie möglich auf den Bauch, wenn sie wach sind. In Bauchlage können die Drillinge gut um sich herum gucken und sich miteinander beschäftigen. Die Bauchlage verhindert außerdem, dass Babys schief werden. Schlafen sollen sie dann auf dem Rücken, um plötzlichem Kindstod vorzubeugen.“

Prognose für die weitere Entwicklung ist positiv

Ende Januar machen die Drillinge dann ihren nächsten großen Schritt. „Mit vier bis sechs Monaten dürfen Ihre Jungs Brei essen“, bestätigt Neonatologe Bernbeck, was Mama Joisy Jose bereits mit dem niedergelassenen Kinderarzt besprochen hat. Dieser fachliche Schulterschluss zwischen Klinikärzten und Niedergelassenen ist wichtig, denn die medizinische Begleitung der Drillinge soll weiterhin nahtlos klappen – bis zu den nächsten regulären Nachuntersuchungen in der Winnender Kinderklinik, die im September 2026 und im September 2027 anstehen. Bernbeck ist da voller Zuversicht: „Nach allem, was wir mit den Drillingen bisher erlebt und gesehen haben, ist die Prognose weiterhin gut, dass sie gesund aufwachsen werden.“pm/rmk

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Erstellt:
5. Februar 2026, 10:26 Uhr

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