Der nächste Waldschrat wird gewählt

Das inoffizielle Amt, das vor sechs Jahren mit etwas Augenzwinkern als Gegenstück zur Schwäbischen Waldfee ins Leben gerufen wurde, steht demnächst wieder zur Wahl. Abgestimmt werden kann in einer Facebook-Gruppe, in der sich alles um den Schwäbisch-Fränkischen Wald dreht.

Auch wenn der Waldschrat kein offizielles Amt ist, wird er mittlerweile auch von Bürgermeistern oder Verbänden der Gemeinden im Schwäbisch-Fränkischen Wald anerkannt und eingeladen. So zum Beispiel Jan Vogel (mitte), Begründer des Amts, der die Preise bei einer Verlosung des Kreisjugendrings zieht. Archivfoto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Auch wenn der Waldschrat kein offizielles Amt ist, wird er mittlerweile auch von Bürgermeistern oder Verbänden der Gemeinden im Schwäbisch-Fränkischen Wald anerkannt und eingeladen. So zum Beispiel Jan Vogel (mitte), Begründer des Amts, der die Preise bei einer Verlosung des Kreisjugendrings zieht. Archivfoto: Alexander Becher

Von Kristin Doberer

Rems-Murr. Die Bürgermeisterwahl in Großerlach, die am kommenden Sonntag stattfindet, ist nicht die einzige Wahl, die im Schwäbischen Wald in der nächsten Zeit ansteht, auch wenn die anderen Wahlen wohl für deutlich weniger Aufmerksamkeit sorgen werden. So sucht der Schwäbische Wald Tourismus aktuell neue Kandidatinnen für die Schwäbische Waldfee (wir berichteten). Deutlich weiter fortgeschritten ist die Wahl zu deren männlichem Gegenpart, dem Waldschrat. Hier stehen die Kandidaten bereits fest, der Wahlkampf ist schon in vollem Gange.

Freilich geht es bei der Wahl zum Waldschrat deutlich entspannter zu als bei den anderen Wahlen. Denn der Waldschrat ist eigentlich gar kein offizieller Titel. Vielmehr entstand die Idee zu dem Amt vor rund sechs Jahren in der Facebook-Gruppe „Rund um den Schwäbisch-Fränkischen Wald“. In der Gruppe tauschen sich Interessierte und Anwohner über alle möglichen Themen aus, die ihre Region betreffen. Von Wandertipps bis zu schönen Schnappschüssen ist alles dabei. Als 2018 nach Kandidatinnen für die Schwäbische Waldfee gesucht wurde, entstand spontan die Idee, ihr gewissermaßen männliches Pendant an die Seite zu stellen – in erster Linie soll er aber ein Repräsentant für die Gruppe sein.

Mittlerweile ist der Waldschrat ein gern gesehener Gast auf Festen in der Region

Aus der Schnapsidee wurde mittlerweile eine Tradition und obwohl das Amt des Waldschrats immer noch eher inoffiziell ist, hat es sich in der Region etabliert. So wird der Waldschrat mittlerweile auch regelmäßig von Bürgermeistern oder Vereinen auf Feste in der Region eingeladen. Und auch die Facebook-Gruppe hat einen beachtlichen Zuwachs erlebt. Aktuell zählt sie über 3800 Mitglieder, die demnächst über den nächsten Waldschrat abstimmen können.

Vier Kandidaten stellen sich in diesem Jahr als Waldschrat zur Wahl. Einer von ihnen ist bereits bekannt, schließlich hatte er das Amt des Waldschrats bereits mehrfach inne. 2018, 2019 und 2022 war der Backnanger Sven Vollbrecht als Waldschrat unterwegs. Hat er da noch nicht genug? „In den vergangenen Jahren konnte ich aus privaten Gründen nicht kandidieren, aber es macht einfach total Spaß“, sagt er. Nicht nur auf Festen direkt als „Herr Waldschrat“ begrüßt zu werden mache ihm Freude, sondern auch, viele Menschen zu treffen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, erzählt er. Außerdem könne man stolz sein, wenn man diese Gruppe repräsentieren dürfe, so Sven Vollbrecht über die Facebook-Gruppe. „Es gibt keinen Ärger, keine Hetze, sondern einfach eine gute Gemeinschaft.“ Aber auch ohne das Amt sei er viel im Schwäbisch-Fränkischen Wald unterwegs, oft auch mit seiner Tochter, berichtet der Steinmetz.

Ein weiterer Kandidat stammt ebenfalls aus einer Randgemeinde des Schwäbischen Waldes, allerdings in eher entgegengesetzter Richtung. Michael Rupp kommt aus Herlikofen, einem Stadtteil von Schwäbisch Gmünd. In der Natur kenne er sich gut aus, berichtet der 46-Jährige. So ist er Kontrolleur im Bezirksfischereiverein Schwäbisch Gmünd und weiß allerlei über die Pilzsuche. „Außerdem habe ich viele Kontakte zu Jägern in der Gegend, von denen ich immer gut informiert werde“, sagt er. „Ich würde mich sehr freuen, wenn ich der Waldschrat 2024 werde“, so der verheiratete Vater zweier Kinder. Zwei weitere Mitglieder der Facebook-Gruppe haben sich für das Amt beworben. Einer von ihnen möchte sich demnächst in der Gruppe vorstellen.

Der Waldschrat 2023, Patrick Ossentowski, tritt übrigens nicht mehr an. „Es war ein schönes Jahr voller Feste und neuer Bekanntschaften“, meint er. Doch zeitlich würde er das inoffizielle Amt im kommenden Jahr nicht ausfüllen können. Kein Wunder, schließlich war er viel unterwegs im vergangenen Jahr und dabei hat er die Facebook-Gruppe regelmäßig teilhaben lassen – von Weihnachtsmärkten über Feste und Veranstaltungen bis hin zu kleinen Ausflugs- oder Wandertipps in der Region. Dabei ist wichtig: Im Gegensatz zur Schwäbischen Waldfee ist der Waldschrat kein Teil einer Tourismuskampagne. Wie viele und welche Feste er besucht und in welcher Weise er das in der Gruppe dann letztlich mitteilt, bleibt komplett ihm überlassen.

Nicht fehlen dürfen bei Ausflügen allerdings das Waldschratshirt beziehungsweise der Waldschratpullover. Diese werden übrigens individuell an jeden neuen Waldschrat angepasst, sodass dessen Abbild zumindest als Umriss auch erkennbar ist. Wessen Konterfei auf das nächste Waldschratshirt gedruckt wird, das wird sich dann am 25. Februar entscheiden.

Abstimmung Gewählt wird der Waldschrat nicht wie die Waldfee per Expertenpanel, sondern über eine Facebook-Gruppe, in der sich alles um den Schwäbisch-Fränkischen Wald dreht. Die Abstimmung findet am 25. Februar in der Gruppe „Rund um den Schwäbisch-Fränkischen Wald“ statt. Unter folgendem Link findet man die Facebook-Gruppe: www.facebook.com/groups/173475 653401968.

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Erstellt:
15. Februar 2024, 06:00 Uhr

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