Die Ferien sind vorbei

Gestern Morgen hat das dritte Schuljahr unter Coronabedingungen begonnen. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich, dass sie wieder vor Ort am Unterricht teilnehmen können. Das morgendliche Testen und das Maskentragen im Unterricht sind für sie längst zur Routine geworden.

Bevor der Unterricht beginnt, wird gemeinsam getestet. Die Zehntklässler haben darin schon viel Erfahrung. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Bevor der Unterricht beginnt, wird gemeinsam getestet. Die Zehntklässler haben darin schon viel Erfahrung. Foto: A. Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Am Montagmorgen, um kurz nach 7 Uhr, haben sich schon viele Schülerinnen und Schüler vor dem Haupteingang des Bildungszentrums Weissacher Tal (Bize) in Cottenweiler eingefunden. In Gruppen stehen sie vor den Schildern, auf denen die Klassen angeschrieben sind, die sich davor versammeln sollen. Klassenweise dürfen sie in das Gebäude hineingehen. Der Unterricht beginnt um 7.25 Uhr. Bei Regen sei die Sitzmulde im Inneren der alternative Treffpunkt, erklärt Mathe- und Sportlehrer Frieder Beck, der an diesem Morgen vor dem Eingang Aufsicht hat. „Vor dem Sportunterricht wird hier auch getestet“, sagt der Pädagoge.

Normalerweise. Denn regulärer Unterricht findet am ersten Schultag nach den Sommerferien noch nicht statt. Zunächst stehen drei Schulstunden mit dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin auf dem Programm, berichtet Ralf Bachmeier, der die Gemeinschaftsschule des Bize leitet. Die Zeit soll dazu dienen, die obligatorischen Schnelltests durchzuführen, die neuen Stundenpläne zu besprechen, die Bücher zu verteilen, die Sitzordnung festzulegen und die neuen Schüler kennenzulernen, die eventuell in die Klasse kommen.

„In der Schule ist es besser zu lernen“

„The same procedure as last year – äh ja, s Gleiche wie em ledschde Jahr halt au“, begrüßt Guido Bauer seine Klasse an diesem Morgen, während eine Schülerin die noch eingepackten Schnelltests verteilt. Die Schüler stecken geübt die Stäbchen in die Nase. „Unangenehm ist das immer, aber mittlerweile ist es – genau wie die Masken – eigentlich Routine“, sagt Lukas Heinle. Der 15-Jährige freut sich darüber, zurück in der Schule zu sein. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sage. Aber in der Schule ist es besser zu lernen. Und man trifft hier viele Freunde“, sagt er. „Es ist gut, dass wir wieder zurück sind“, stimmt die 16-jährige Amina Belarbi zu. „Das Homeschooling war schon anstrengend.“ Mit ihrer Freude sind die beiden nicht alleine. „Jetzt merkt man, dass die Schule nicht nur für die bloße Vermittlung von Wissen da ist“, sagt Ralf Bachmeier. „Sogar die größten Chaoten haben sich auf den Unterricht vor Ort gefreut.“

Dass es nicht wieder zum Fernunterricht kommt, dafür will das Kultusministerium unter anderem mit vermehrten Schnelltests sorgen. Dreimal statt zweimal pro Woche sollen sich die Schülerinnen und Schüler künftig testen. „Wer geimpft ist, muss den Test künftig nicht mehr machen – darf aber noch, wenn er oder sie das möchte“, klärt Klassenlehrer Guido Bauer auf. Ungeimpfte Lehrkräfte müssen sich nach der neuesten Auflage der Coronaverordnung des Landes dagegen an allen Schultagen testen. Wobei am Bize nur wenige Lehrerinnen und Lehrer noch nicht vollständig geimpft sind, wie Schulleiter Ralf Bachmeier weiß.

Neben den Tests und den Masken gibt es am Bize weitere Sicherheitsvorkehrungen, die es dem Virus möglichst schwer machen sollen, sich zu verbreiten: So werden für die drei Schularten (Gemeinschaftsschule, Realschule und Gymnasium) nach wie vor verschiedene Eingänge genutzt, obwohl das nicht mehr nötig ist. Im Gebäude herrscht Einwegverkehr – die Richtung ist durch Schilder und Absperrungen erkennbar. Und dann ist da noch die Belüftungsanlage, die die Luft 2,5-mal pro Stunde umwälzt. Dazu wird gelüftet.

Dass mit Maßnahmen wie diesen der Schulbetrieb aufrecht erhalten werden kann, wünscht sich auch Henning Zimmermann. „Was wirklich kommt, lässt sich – wie wir ja alle gelernt haben – schwer vorhersagen“, so der Schulleiter des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums in Murrhardt. An seiner Schule habe der Unterricht sehr strukturiert angefangen, sagt er: „Wir sind ja inzwischen routiniert im Umgang mit dem Pandemiegeschehen. Alle wurden zu Beginn getestet, dann sind wir zum Unterricht übergegangen.“ Einige positive Fälle hat es am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium gestern allerdings gegeben. Und zwar mehr, als er erwartet hatte, sagt Zimmermann. „Aber die Erfahrung zeigt, dass oft falsch-positive dabei sind.“ Ob das auch dieses Mal so ist, müssen PCR-Tests zeigen. Der Schulleiter zeigt sich dennoch vorsichtig optimistisch: „Mit den Tests und Impfungen haben wir auf jeden Fall eine andere Situation als im vergangenen Herbst.“

Obwohl der Umgang mit der Pandemie auch an der Mörikeschule in Backnang längst Routine ist, sei es zum Schulstart doch ein bisschen turbulent zugegangen, sagt die Rektorin Karin Moll, die zusätzlich geschäftsführende Schulleiterin in Backnang ist. Einerseits, weil neu angemeldete Schüler dazugekommen seien, andererseits, weil sich viele Eltern nicht ausreichend über die Einreiseregeln informiert haben. „Wir haben sehr viele Nachfragen“, sagt sie. Außerdem seien manche Kinder nach dem Urlaub noch in Quarantäne.

Was Moll als schwierig empfindet, ist der hohe Verwaltungsaufwand, den die Krise mit sich bringt. Die Statistiken, die darüber geführt werden müssen, wie viele Schüler am Tag da waren, wie viele Tests gemacht wurden und wie viele positiv waren. Zudem hätte sie sich gewünscht, dass das Kultusministerium die Schulen früher über die neuen Regeln informiert hätte, damit diese sich besser hätten vorbereiten können.

Den Start ins neue Schuljahr hat Karin Moll in Backnang trotzdem als „insgesamt ganz gut“ erlebt. An ihrer Schule hatte am Montagmorgen nur ein Test ein positives Ergebnis – weit weniger, als sie erwartet hatte. Die Schulleiterin hatte befürchtet, dass es wegen der Reiserückkehrer mehr Fälle geben würde. „Vielleicht wird der Herbst doch nicht so dramatisch“, hofft sie.

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Erstellt:
14. September 2021, 06:00 Uhr

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