Die Murmelbahn im Plattenwald ist jetzt über 50 Meter lang

Der zweite Abschnitt der Kugelbahn im Backnanger Plattenwald wird nächste Woche fertig gebaut. Die inzwischen rund 50 Meter lange Bahn mitsamt Murmelautomat soll zum neuen Anziehungspunkt für Familien im Erholungsgebiet Plattenwald werden.

Jonas Becher (von rechts), Lars Goller und Maximilian Friedrich testen die neue Murmelbahn im Plattenwald. Fotos: Alexander Becher

© Alexander Becher

Jonas Becher (von rechts), Lars Goller und Maximilian Friedrich testen die neue Murmelbahn im Plattenwald. Fotos: Alexander Becher

Von Carolin Aichholz

Backnang. Das Naherholungsgebiet Plattenwald soll noch attraktiver für seine Besucher werden. Neben dem schon seit Jahrzehnten existierenden Wildtiergehege und dem relativ neuen, aber viel genutzten Mountainbiketrail wird nun ein weiterer möglicher Besuchermagnet ausgebaut: die bislang 15 Meter lange Kugelbahn, die unterhalb des Wildtiergeheges ihren Anfang nimmt. Der erste Abschnitt ist bereits seit über einem Jahr fertig und erfreut sich großer Beliebtheit. Nun soll die Erweiterung noch mehr Familien raus in die Natur locken. Zusammen mit dem neuen Abschnitt kommen die Bahnen nun auf über 50 Meter Länge. „Vor allem für Familien mit Kindern macht das den Plattenwald noch attraktiver“, ist sich Oberbürgermeister Maximilian Friedrich sicher.

Damit die Kinder die Bahn auch ausgiebig nutzen können, wird in den kommenden Tagen noch ein Murmelautomat aufgestellt. Der soll – fürs Erste kostenlos – Holzkugeln ausgeben. „Wenn das klappt, werden die Murmeln auch kostenlos bleiben. Wir beobachten das in der Anfangsphase vor allem an den Wochenenden“, erklärt Lars Kaltenleitner, der Leiter des Tiefbauamts. Die Holzmurmeln sind mit Logos von lokalen Unternehmen bedruckt, welche die Bahn sponsern.

Überhaupt ist die ganze Kugelbahn ein Backnanger Eigengewächs. Die dafür verwendeten knorrigen Stämme wurden im Stadtwald geschlagen. „Die Robinie ist das dauerhafteste einheimische Holz, das wir haben“, erklärt der stellvertretende Leiter des Forstamts, Ulrich Häußermann. Es soll auch ohne spezielle Behandlung Jahrzehnte halten. Bearbeitet wird das Holz vom Aspacher Baumpflegebetrieb Fischer. Für Geschäftsführer Lars Goller ist das eine besondere Aufgabe, die nicht viel mit den sonstigen Baumpflegearbeiten gemein hat. „Die Bahn sieht zwar nicht wie ein Systembau aus, ist es aber eigentlich“, sagt Lars Goller. Das bedeutet, dass jedes Teilstück, sollte es doch verfaulen, ausgebaut und ersetzt werden kann.

Handarbeit statt Stecksystem

Die einzelnen Stämme passend zusammenzusetzen erwies sich als knifflig. „Jeder Baum hat einen unterschiedlichen Durchmesser und eine andere Form. Es war nicht leicht, die einzelnen Teile aneinanderzureihen“, sagt Lars Goller. Die Planung und Umsetzung haben federführend seine Forstwirtauszubildenden übernommen, die sich bei dem Projekt kreativ austoben konnten, aber wegen der natürlichen Beschaffenheit und der Form der Stämme auch viel tüfteln mussten. Schließlich sollten am Ende die Kugeln problemlos die Bahn hinabrollen.

Um trotz der recht flachen Neigung ein ausreichendes Gefälle zu haben, beginnt die Murmel ihre Reise auf einem erhöhten Plateau. „Von dort können die Kinder auch gut beobachten, wo sie hinrollt“, sagt Goller. Die Forstwirtazubis haben die natürlichen Rillen und Aushöhlungen des Holzes für die Bahnen genutzt. Bei einer Verästelung haben sie einen Tunnel eingebaut, damit die Murmel mit etwas Schwung das Hindernis überwinden kann. Die Kugeln müssen auf ihrem Weg zum Ende der Bahn auch einige Schikanen passieren. Ulrich Häußermann ist vom äußerlichen Erscheinungsbild der Bahn begeistert. „Wir wollten keine Fertigbahn von der Stange und jetzt haben wir ein echtes Unikat.“

Die Kinder können die Murmeln auf einem Plateau losrollen lassen. Auf dem Weg nach unten müssen die Kugeln einige Schikanen überwinden.

© Alexander Becher

Die Kinder können die Murmeln auf einem Plateau losrollen lassen. Auf dem Weg nach unten müssen die Kugeln einige Schikanen überwinden.

Weitere Themen

Die komplette nächste Woche wird die Bahn noch weitergebaut, bevor sie zur ersten Benutzung freigegeben wird. „Wenn uns hier Kinder beim Bau beobachten, fragen sie immer, wann sie die Bahn endlich ausprobieren können.“ Bis dahin müssen allerdings noch letzte unpassierbare Barrieren ausgebessert werden, die aktuell noch nicht murmelfreundlich verlaufen. „Da merken wir natürlich auch erst in der Benutzung, wo wir noch nachbessern müssen“, sagt Lars Goller.

An Testpersonen dürfte es nach der Freigabe jedenfalls nicht mangeln. Eine XXL-Murmelbahn in Kernen im Remstal entwickelte sich seit der Landesgartenschau zum regelrechten Besuchermagneten. Die herzogliche Kugelbahn hat allerdings mit insgesamt 800 Metern Länge entlang eines 1,5 Kilometer langen Wegs regelrechte Besuchermassen angezogen.

Das soll im Plattenwald vermieden werden. „Wir möchten den Wald für möglichst viele Menschen erlebbar machen und viele Möglichkeiten ausschöpfen. Das muss aber stets im Einklang mit der Natur und dem Artenschutz geschehen“, betont Maximilian Friedrich.

Für Ulrich Häußermann vom Forstamt ist die Lenkung der Besucher ein wichtiges Anliegen. „Der Wald ist ein Erholungsgebiet und darauf liegt die Priorität. Trotzdem ist es uns wichtig, dass auch Wildtiere ihren Raum haben und die Besucher sich zum Beispiel eher im vorderen Teil des Waldes aufhalten und etwa die Jogger im hinteren Teil des Waldes eher für sich sind.“ Wenn auch der zweite Abschnitt der Murmelbahn gut ankommt, könnte die Bahn noch mal erweitert werden.

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Erstellt:
18. Mai 2024, 11:30 Uhr

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