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„Ein Genuss, wie schön wir’s hier haben“

Erster Naturgartenwettbewerb der Stadt Backnang ist entschieden: Familie Schopf aus Waldrems hat eine der schönsten Anlagen

Beim ersten Naturgartenwettbewerb der Stadt Backnang haben Jutta und Achim Schopf aus Waldrems einen ersten Preis gewonnen. Die Vielseitigkeit ihrer Flächen, die überwiegend heimischen Gewächse und die Insektenfreundlichkeit der Stauden und Wildkräuter haben die Jury überzeugt.

„Im Garten hat’s immer ein G’schäft“, sagen Jutta und Achim Schopf. Ihre beiden Buben halten sich bei der Gartenarbeit eher zurück, haben dafür die vielen Tiere in ihre Herzen geschlossen. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

„Im Garten hat’s immer ein G’schäft“, sagen Jutta und Achim Schopf. Ihre beiden Buben halten sich bei der Gartenarbeit eher zurück, haben dafür die vielen Tiere in ihre Herzen geschlossen. Fotos: J. Fiedler

Von Florian Muhl

BACKNANG. Jutta Schopf steht in ihrem Bauerngarten, als der Zeitungsreporter erscheint. Kein Zufall, denn: „Mein Mann und ich sind jede freie Minute im Garten“, sagt sie und lächelt. Man sieht es der 49-Jährigen an, wie wohl sie sich zwischen ihren Stauden und Blumen, Gemüsebeeten und Obstbäumen fühlt. Bereits von der Straße aus macht der erste Blick auf das Anwesen der Familie deutlich: Hier werden die Außenanlagen mit viel Liebe und Fleiß, gepaart mit Hingabe und Kreativität, angelegt und dann gepflegt.

Vor 13 Jahren haben sich die Schopfs ihr Häuschen, das am südlichen Ortsrand von Waldrems mitten im Grün gelegen ist, gekauft. Es wurde damals in einer Zeitungsanzeige angepriesen. Bei der ersten Besichtigung sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, erinnert sich Jutta Schopf. Der Garten hinterm Haus erinnert an eine kleine Parklandschaft.

„ Fische haben wir nicht, die würden uns die Insektenlarven wegfressen“

Hohe Bäume spenden im Sommer reichlich Schatten. In der Mitte ein kleiner Folienteich, der mit Holzlatten umzäunt ist. Darüber ist ein Netz gespannt – nicht wegen der Fischreiher, die sich an Fischen vergehen könnten. Denn Fische sind gar keine drin. „Bewusst nicht“, sagt die biologisch-technische Assistentin, die sich beim Landeskriminalamt auf Spurensuche begibt. „Die Fische würden uns die ganzen Insektenlarven wegfressen.“ Das Netz hindere das Herbstlaub daran, in den Teich zu fallen.

Vor über zehn Jahren haben die Schopfs mit dem Bau des Teichs begonnen. „Der war gerade mal halb fertig, da haben sich schon die ersten Molche angesiedelt“, erinnert sich die Mutter zweier Jungs. „Wie die Umzäunung noch nicht da war, lagen mein Mann und ich stundenlang vor dem Teich mit dem Bestimmungsbuch vor uns, um gleich nachzuschauen, welche Insekten da angeflogen und angekrabbelt kommen.“

Zur Freude der beiden 13 und 10 Jahre alten Buben, die sich bei der Gartenarbeit doch etwas zurückhalten, gibt es viele Tiere im Garten. Kaninchen nagen an grünen Halmen, Hühner laufen hin und her und Katzen streunen durch die Wiesen. Alle Zwei- und Vierbeiner können sich frei bewegen. Tagsüber jedenfalls. „Die Tiere, das ist mein Ding“, sagt Jutta Schopf. Insgesamt sind es jeweils 3 Katzen und Kaninchen, 9 Meerschweinchen, 6 Laufenten und 23 Hühner der unterschiedlichsten Rassen und Mischformen und alle wunderschön. Nicht zu vergessen die beiden Frösche, die sich seit einigen Jahren im Teich wohlfühlen. Und die Igelfamilie, eine Mutter mit ihren drei Jungen, die sich unterm gemauerten Grill im Laub ein neues Heim schaffen konnte. Und der Zaunkönig, der im Außenpavillon unterm Dach sein Nest gebaut hat. Und, und, und...

Und auch die Bienen. Die beiden Naturgartenfans haben seit 13 Jahren eigene Bienen, heuer sind es neun Völker. Den Honig, den sie herstellen, bieten die Schopfs auch Nachbarn zum Kauf an. Und woher stammt das Imkerwissen? „Ich habe Kurse besucht, im Bienenzüchterverein Winnenden und in Hohenheim“, sagt Jutta Schopf. „Mittlerweile macht mein Mann auch kräftig mit.“ Der 57-jährige DV-Organisator ist auch immer dann zur Stelle, wenn es um den Baumschnitt geht. „Das ist nicht so meine Sache. Ich bin eher im Gemüsegarten und beim Teich aktiv“, sagt die 49-Jährige. „Aber wir sind beide sehr flexibel, machen zusammen alles, was anliegt.“ Und das sei ein Haufen Geschäft. „Man findet immer was. Manchmal verflucht man’s auch, wenn ich beispielsweise im Bauerngarten mit dem Unkrautzupfen hinten fertig bin, könnt ich vorne grad wieder anfangen.“

Aber solche Momente des Verfluchens sind sehr selten. Jutta und Achim Schopf genießen ihr grünes Paradies. „Ein Genuss, wie schön wir’s hier haben“, sagt die Frau mit dem grünen Daumen. Aber die Anzahl und Vielfalt der Vögel nehme immer mehr ab, klagt sie. Aus diesem Grund sei es den beiden Gartenbesitzern wichtig, Blühwiesen für Insekten anzulegen. Dafür ist seit knapp fünf Jahren Platz genug. Die vor dem Haus liegende große Wiese konnten die Schopfs erwerben, sodass ihr ganzes Anwesen nun auf rund 25 Ar angewachsen ist. „Wie gesagt: ein Paradies“, schwärmt Jutta Schopf. „Für mich ist es fast eine Strafe, in den Urlaub fahren zu müssen, weil ich dann weg von unserem Garten bin.“

„Ein Genuss, wie schön wir’s hier haben“

© Schopf

„Ein Genuss, wie schön wir’s hier haben“

© Jörg Fiedler

Info
Premiere: Erster Naturgartenwettbewerb in Backnang

Die Stadt Backnang richtete in diesem Jahr erstmals einen Naturgartenwettbewerb aus. Anlass im Frühjahr war das 40-jährige Bestehen des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald (wir berichteten).

Ziel des Wettbewerbs war es, Privatpersonen, Firmen und Institutionen einen Impuls zu geben, lebendige, artenreiche Gärten zu schaffen und zu erhalten. „Gute Beispiele motivieren zur Nachahmung! Sie werten die Wohnumgebung auf“, warb die Stadt in ihrem Flyer.

Ein naturnaher Garten zeichnet sich durch Strukturreichtum, Giftfreiheit, ein großes Nahrungsangebot und Lebensstätten für heimische Tiere aus. Natürliche Entwicklungen werden zugelassen, gleichzeitig werden bewusst standortangepasste Lebensräume gestaltet.

Naturnahe Gärten und Grünanlagen fördern Bienen, Insekten und andere heimischen Wildtiere sowie Wildpflanzen und helfen, die Lebensgrundlagen der Menschen zu sichern. „Sie erfreuen, entspannen und beleben“, so die Stadt.

Gesucht wurden Bürger oder Institutionen, die sich für Natur im Garten oder auf dem Balkon begeistern, die den Rasenmäher öfter stehen lassen und die sich vorwiegend für heimische Stauden, Gehölze und Strukturvielfalt entscheiden.

Zu diesem Wettbewerb, einer Kooperation zwischen der Stadt und den Naturschutzverbänden, haben sich 17 Teilnehmer angemeldet. Es erfolgte eine Bewertung anhand eines Beurteilungsbogens. Bei der Ehrungsveranstaltung gab es unlängst ausschließlich erste, zweite und dritte Preise.

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Erstellt:
7. November 2019, 06:00 Uhr

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