Einige Neuerungen zum Jubiläum

Die Vorfreude steigt: Mit zwei Jahren Verspätung soll in einem Monat endlich das 50. Backnanger Straßenfest stattfinden. Das neue Organisationsteam will den Charakter des traditionsreichen Festes bewahren, aber auch ein paar neue Akzente setzen.

Melissa Wesche hat die Unterführung am Bahnhof mit dem Straßenfest-Schriftzug bemalt, zur Freude von Kulturamtsleiter Johannes Ellrott (links) und OB Maximilian Friedrich. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Melissa Wesche hat die Unterführung am Bahnhof mit dem Straßenfest-Schriftzug bemalt, zur Freude von Kulturamtsleiter Johannes Ellrott (links) und OB Maximilian Friedrich. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

Backnang. Wer mit dem Zug oder der
S-Bahn in Backnang ankommt, kann ihn kaum übersehen: den riesigen kunterbunten Schriftzug in der Unterführung am Bahnhof. Melissa Wesche vom städtischen Baubetriebshof hat ihn nach einer Vorlage des Grafikers Helmut G. Bomm auf die graue Wand gepinselt, um bei allen Passanten die Vorfreude zu wecken. Denn in einem Monat heißt es endlich wieder: „Koi Zeit, Stroßafescht.“ Als der Backnanger Gemeinderat Ende März beschloss, dass das viertägige Fest im Juni wieder in seiner gewohnten Form stattfinden soll, war diese Entscheidung riskant. Immerhin lag die
7-Tage-Inzidenz zu diesem Zeitpunkt noch bei 1750. Mittlerweile hat sich die Coronalage aber zum Glück entspannt: Wenn nicht noch etwas völlig Unvorhergesehenes passiert, wird das Fest wie geplant am Freitag, 24. Juni, um 19 Uhr eröffnet.

Die Vorfreude ist auch Maximilian Friedrich anzumerken: „Das ist für mich ein persönliches Highlight“, sagt der Backnanger Oberbürgermeister, der erstmals die Eröffnungsrede halten und das erste Fass anstechen wird. Eine Premiere ist es auch für das neue Organisationsteam im städtischen Kulturamt. Nach dem Tod des Eventmanagers Jürgen M. Häfner hatte der Gemeinderat vor einem Jahr beschlossen, dass die Stadt das Straßenfest künftig wieder selbst auf die Beine stellt. Im vergangenen Herbst machten sich Sanoj Abraham, Violeta Zobel und Lilli Büchele an die Arbeit.

Ihr Ziel war es, einerseits die beliebten Straßenfesttraditionen zu bewahren: Die Eröffnung auf dem Marktplatz, das Nachwuchsfestival (siehe Artikel unten) oder den romantischen Zapfenstreich am Montagabend wird es deshalb auch dieses Jahr wieder geben. Andererseits sind zum Jubiläum auch einige Neuerungen geplant.

Abends legen DJs

auf dem Müller-Parkplatz auf

Das beginnt schon mit den Böllerschüssen vom Stadtturm, die traditionell das Fest eröffnen. Bisher war immer ein Schuss pro Jahr zu hören, was bei der 50. Auflage aber ziemlich lange gedauert hätte. Deshalb soll diesmal ein Schuss pro Jahrzehnt genügen. Unterstrichen wird der fünffache Knalleffekt durch Rauchbomben in den Stadtfarben Blau und Gelb. Passend zum Jubiläum produzieren die Macher auch ein Video mit historischen Aufnahmen vom Straßenfest, das an verschiedene Hauswände auf dem Festgelände projiziert wird. Der Heimat- und Kunstverein plant außerdem eine begleitende Ausstellung im Helferhaus.

Gefeiert wird wie üblich bis Montagabend in der gesamten Innenstadt, wobei zu den fünf bekannten Bühnen diesmal noch eine sechste hinzukommt. Der Parkplatz hinter dem Drogeriemarkt Müller in der Grabenstraße wird zum Treffpunkt für die Fans von elektronischer Musik. „Dort werden abends bekannte Backnanger DJs auflegen“, kündigt Sanoj Abraham an. Die Veranstalter nehmen damit einen Wunsch auf, der vor allem von jungen Menschen an sie herangetragen wurde. „Diese Musikrichtung war auf dem Straßenfest bisher gar nicht präsent“, weiß Abraham.

Auf den anderen Bühnen wird weiterhin live Musik gemacht, wobei jeder Platz sein eigenes Profil hat. Am Marktplatz gehts traditionell zünftig zu, am Obstmarkt spielen Coverbands, im Biegel wirds international, etwa mit einer Combo aus Südamerika. Und alle, die auf härteren Sound stehen, erwarten Punkrock und Heavy Metal auf der Jugendmeile des Juze.

Eine Kurskorrektur ist auf dem Stiftshof geplant: Bisher war dort Rambazamba angesagt. Nun soll dieser Bereich ein anderes Publikum anlocken, tagsüber vor allem Familien. Deshalb wird der Kindertreff samt Hüpfburg vom Müller-Parkplatz auf den Freithof verlegt. Auch auf der Bühne gibt es ein Kinderprogramm, unter anderem mit Professor Pröpstls Puppentheater und dem Galli-Theater. Abends dürfen dann die Erwachsenen „feiern, aber nicht eskalieren“, wie Kulturamtsleiter Johannes Ellrott betont. Dazu soll auch die Auswahl der Bands beitragen. Statt „Hölle, Hölle, Hölle“ soll es auf dem Stiftshof diesmal ein anspruchsvolleres Musikprogramm geben, das gemeinsam mit dem Team vom Kulturgut Hagenbach zusammengestellt wurde.

Sportprogramm zum Mitmachen

auf dem Marktplatz und im Biegel

Wer nach dem Feiern wieder in Schwung kommen möchte, für den gibt es am Samstagvormittag auf dem Marktplatz und am Sonntag im Biegel ein sportliches Mitmachprogramm. Verschiedene Vereine und Initiativen stellen unterschiedliche Sportarten vor, von Pilates über Yoga bis Taekwondo. Jeder, der Lust hat, kann einfach vorbeikommen und mitmachen. „Da kann man dann den Restalkohol vom Vorabend rausschwitzen“, sagt Johannes Ellrott und lacht.

Ein Wunsch des Gemeinderates war es, die Backnanger Vereine beim Straßenfest wieder stärker einzubinden. Das ist zumindest diesmal noch nicht gelungen: 22 Vereine haben sich um einen Stand beworben, exakt so viele wie beim letzten Straßenfest 2019. Immerhin konnte aber die Zahl der Backnanger Gastronomen von 20 auf 25 erhöht werden. Insgesamt wird es beim Straßenfest wieder mehr als 100 Stände geben. Bei der Auswahl der Betreiber habe man Wert auf Vielfalt gelegt, sagt Ellrott. Unerwünschte Angebote, etwa hochprozentigen Alkohol, habe man ausgeschlossen.

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Erstellt:
25. Mai 2022, 06:00 Uhr

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