Es formiert sich eine neue Kraft in Weissach im Tal

Der Offene Grüne Treff möchte sich als Offene Grüne Liste bei der Kommunalwahl im Juni aufstellen lassen. Die Mitglieder hoffen, eine neue Fraktion im Weissacher Gemeinderat stellen zu können. Zu einer Fusion mit der LWB wird es trotz inhaltlicher Überschneidungen nicht kommen.

Reinhard Knüdeler, Alexander Ludwig, Rosemarie Auer und Barbara Malburg-Graf (von links) von der Offenen Grünen Liste möchten sich ökologisch, sozial und demokratisch für ihren Wohnort engagieren. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Reinhard Knüdeler, Alexander Ludwig, Rosemarie Auer und Barbara Malburg-Graf (von links) von der Offenen Grünen Liste möchten sich ökologisch, sozial und demokratisch für ihren Wohnort engagieren. Foto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Seit dem Zusammenschluss des Offenen Grünen Treffs (OGT) im April 2022 hat sich bei der Gruppe viel getan. Die Mitglieder haben ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht, um die Bebauung der Talaue in Unterweissach zu verhindern, und zwei Infoveranstaltungen auf die Beine gestellt – eine zum Thema Bauland, die zweite mit dem Titel „Gemeinsam alt werden in Weissach“ (wir berichteten). Nun steht das nächste Projekt an und zwar kein kleines: Der OGT möchte nach den Kommunalwahlen am 9. Juni als Offene Grüne Liste (OGL) in den Weissacher Gemeinderat einziehen.

Der Gruppe geht es darum, bürgerschaftliches Engagement zu zeigen und sich für den Erhalt der „lebens- und liebenswerten Gemeinde Weissach im Tal“ einzusetzen, wie Mitinitiator Reinhard Knüdeler sagt. Im Vordergrund sollen Umwelt- und Naturschutz, Innen- und Außenentwicklung der Gemeinde sowie die Interessen der Bürger und Bürgerinnen stehen.

Sie haben den kritischen Widerstand aus dem Gemeinderat vermisst

Ausgangspunkt für die Gründung des OGTs seien der exzessive Flächenverbrauch der Gemeinde in der Vergangenheit sowie Planungen zu möglichem künftigen Bauland gewesen, erklärt Reinhard Knüdeler: „Wir haben uns gefragt, wie wir uns gegen die Erschließung von weiterem Bauland wehren können. Da haben wir den kritischen Widerstand aus dem Gemeinderat vermisst.“ Daher auch das Ansinnen des OGTs, selbst kommunalpolitisch aktiv zu werden. Die Gruppe befürchtet, der ländliche Charakter Weissachs könne auf Dauer verloren gehen, die Ortsteile zusammenwachsen und das Verkehrsaufkommen weiter zunehmen.

Der OGT beziehungsweise nun die OGL besteht mittlerweile aus einem Kreis von zirka 30 Personen „mit einem sehr aktiven engagierten Kern“, sagt Barbara Malburg-Graf. Umweltorientiert und gleichzeitig bürgernah und pragmatisch wolle die OGL sein, führt Reinhard Knüdeler aus: „Wir sind keine Traumtänzer.“ Es gehe darum, die Themen, die der Gruppe wichtig sind, in der Gemeinde mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammen konkret zu machen, fügt Barbara Malburg-Graf hinzu: „Wir möchten die Kompetenzen der Menschen, die hier leben, miteinbeziehen.“

Das war auch für Rosemarie Auer der Grund, sich beim OGT zu engagieren. „Hier machen ganz bodenständige Leute mit, bei denen man sich Unterstützung und Infos holen kann“, sagt sie. „Ich möchte mich gerne ins Gemeindegeschehen einbringen, aber nicht nur auf einer abstrakten Ebene.“

Keine Parteibindung und keine übergeordneten politischen Ziele

Weitere Themen

Trotz ihres Namens habe die OGL keine Parteibindung und verfolge auch keine übergeordneten politischen Ziele, betont Reinhard Knüdeler. „Das ‚Grün‘ im Namen soll nicht die Zugehörigkeit zu den Grünen bedeuten“, sagt er, „sondern eine Richtung vorgeben.“ Die OGL wolle ökologisch, sozial und demokratisch vor Ort agieren.

Das habe der OGT zwar auch schon mit den beiden Infoveranstaltungen gemacht, sagt Alexander Ludwig. „Der Einfluss, den wir damit auf die Gemeinde haben, ist aber übersichtlich“, erklärt er. In den 1990er-Jahren habe Weissach im Tal in der Region eine Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz gespielt. „Wir wollen dazu beitragen, dass diese Strahlkraft wieder erreicht wird“ – mit neuen Veranstaltungen und Projekten, aber auch dem Engagement im Gemeinderat.

In der Runde wurde schon abgefragt, wer grundsätzlich dazu bereit wäre, sich bei den Kommunalwahlen aufstellen zu lassen. „Wir waren angenehm überrascht“, sagt Reinhard Knüdeler. „Es haben sich mehr Personen dazu bereit erklärt als erwartet.“ Wer genau das sein wird, dazu möchte die Gruppe sich jetzt noch bedeckt halten. Nur Alexander Ludwig teilt bereits mit, dass er kein Ehrenamt als Gemeinderat anstrebt. „Das gehört sich nicht für einen ehemaligen Bürgermeister“, findet er. Er möchte sich dafür weiter mit seinem Know-how als Berater für Städte und Kommunen einbringen.

Das Thema „Grün„ soll in Weissach wieder mehr Einfluss haben

Es hatte Gespräche über eine Fusion mit der Liste Weissacher Bürger (LWB) gegeben. Das sei ihr Bestreben gewesen, so Dorothea Seifert. Nach massiven Widerständen von Mitgliedern trat sie jedoch als Vorständin der LWB zurück. Nun haben die beiden Gemeinderäte Jan Hutzenlaub und Thomas Obermüller die kommissarische Leitung der LWB inne. Die beiden haben nicht vor, sich in der OGL zu engagieren. Dorothea Seifert dagegen möchte sich künftig dort einbringen. Sie begrüßt den ökologischen und ganzheitlichen Ansatz der Gruppe.

Und welche Chancen räumt sich die OGL für die bevorstehende Kommunalwahl ein? „Wir würden uns freuen, wenn wir stärkste Kraft werden würden“, erklärt Alexander Ludwig. „In aller Bescheidenheit“, fügt Reinhard Knüdeler hinzu und lacht. Dann werden die beiden wieder ernst. „Es wäre schön, wenn das Thema ,Grün‘ in Weissach im Tal mehr Einfluss hätte“, sagt Alexander Ludwig. „Wir würden uns freuen, wenn wir das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger bekommen und als eigene Fraktion in allen wichtigen Gremien vertreten sein würden.“

Vorstellung Am Sonntag, 14. Januar, lädt die Offene Grüne Liste zu einem Spaziergang über die Forche ein, bei dem sie sich, ihre Ziele und Mitglieder vorstellen möchte. Der genaue Treffpunkt und die Uhrzeit werden noch bekannt gegeben. Die OGL freut sich zudem über neue Mitglieder. Wer Interesse hat, wendet sich per E-Mail an Reinhard Knüdeler (reinhard.knuedeler@t-online.de).

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Erstellt:
13. Dezember 2023, 06:00 Uhr

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