Grüne haben bei Jugendlichen die Nase knapp vorn

Bundestagswahl 2021: Die Ergebnisse der bundesweiten U-18-Wahlen liegen vor. Auch im Raum Backnang wurde gewählt, wie am Bize.

Stimmenabgabe bei der U-18-Wahl am Bildungszentrum Weissacher Tal. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Stimmenabgabe bei der U-18-Wahl am Bildungszentrum Weissacher Tal. Foto: A. Becher

Von Florian Muhl

Rems-Murr. Über 260000 Kinder und Jugendliche haben bundesweit in fast 2700 Wahllokalen bereits ihre Stimme abgegeben. Klar, die „richtige“ Bundestagswahl findet erst am Sonntag statt. Und wählen darf man erst, wenn man volljährig ist. 60 Prozent der Wahlberechtigten sind übrigens über 50. Für welche Parteien würden sich Jugendliche entscheiden, wenn sie auch ihr Kreuzchen machen dürften? Um das herauszufinden, hat der Deutsche Bundesjugendring in Zusammenarbeit mit den Kreisjugendringen (KJR) Schüler von weiterführenden Schulen zur U-18-Wahl aufgerufen. Das Ergebnis: Die Grünen haben mit 21 Prozent die Nase vorn, dicht gefolgt von der SPD (19,2 Prozent) und der CDU/ CSU (16,9). Dahinter rangieren die FDP (12,0), und Die Linke (7,5) sowie die AfD (5,9) und die Tierschutzpartei (5,7).

Auch am Bildungszentrum Weissacher Tal hatten alle Schüler aller Schularten die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben. Im Vorfeld hatten die beiden Projektleiterinnen Angelika Roth und Melanie Rautscher vom KJR Rems-Murr mit weiteren Helfern Infostände und digitale Podiumsdiskussionen organisiert (wir berichteten). Klar, dass sich Jean-Robert aus Oberbrüden und Lukas aus Sechselberg an der Wahl beteiligen. Zu gern würden sie auch an der richtigen Wahl ihre Stimme abgeben. „Wenn man mit 16 schon Motorrad fahren darf, sollte man auch wählen dürfen“, meint Jean-Robert, der 16 ist. „Denn man hat da ja schon eine gewisse Verantwortung.“ Um etwas für den Klimaschutz zu tun, könnte man seine Urlaubsreisen etwas einschränken, meint der Schüler aus Oberbrüden. Aber ganz verzichten wolle er auch nicht.

Lotta, Fabienne und Lena, alle drei zwölf Jahre alt, haben bereits schon klare Vorstellungen. „Ich fänd’s gut, wenn auch Kinder mitbestimmen können. Die sollten in der Politik mitentscheiden dürfen, weil es ja auch viel um Kinder geht“, meint Lotta aus Allmersbach im Tal selbstbewusst. Aus dem gleichen Ort kommt ihre Freundin Fabienne, die ebenso eine eigene feste Meinung vertritt: „Ich bin dafür, dass die Tierschutzpartei gewinnt, weil die Kühe abgeschafft werden sollen, wegen der Milch, und es soll künstliche Milch kommen.“ Das habe sie in den Nachrichten bei RTL gelesen und das findet sie gar nicht gut, denn Kühe sollte es weiterhin geben. Auch Lena aus Althütte befürwortet, dass Kinder mitreden dürfen sollten, auch deshalb, „weil Homeschooling den Kindern eher geschadet hat“. Zudem lehnen alle drei Mädchen strikt die Impfpflicht ab. Sich impfen zu lassen, käme für sie nie in Betracht. Sie haben kaum Angst vor der Erkrankung, weil sie keinen schweren Verlauf befürchten, sondern eher vor dem Impfstoff selbst, weil sie nicht wissen, was darin enthalten ist. Die Impfung von älteren Menschen finden sie dagegen gut.

Letztlich gab fast jeder zweite Schüler der 1150 stimmberechtigten Schüler am Bize seine Stimme ab (Wahlbeteiligung 48,2 Prozent). Gegen den bundesweiten Trend lag die CDU mit 19 Prozent vorn, dahinter die SPD (17,3), FDP (15,2), Grüne (13,4), Tierschutzpartei (8,7), AfD (6,3) Prozent und Linke (3,4). Auffallend, dass bei den Gymnasiasten die FDP Spitzenreiter war, bei den Schülern der Gemeinschaftsschule aber gar nicht auftauchte. Viel wichtiger als das Ergebnis ist den Organisatoren jedoch, junge Menschen an die Politik heranzuführen und zu zeigen: Wie geht Wählen eigentlich?

Wahlen für Jugendliche auch in Backnang, Murrhardt und Allmersbach im Tal

Weissach im Tal „Wir für Vielfalt – Partnerschaft für Demokratie Weissacher Tal und Althütte“ bot im Rahmen der Bundestagswahl in der vergangenen Woche verschiedene Aktionen für Schüler ab Klasse 5 am Bildungszentrum Weissacher Tal an, darunter auch die U-18-Jugendwahl. Die Organisation lag in den Händen des Kreisjugendrings (KJR) Rems-Murr, speziell bei den beiden Projektleiterinnen Angelika Roth und Melanie Rautscher.

Backnang Am Max-Born-Gymnasium hatte der KJR zusammen mit der Initiative „Wir für Vielfalt – Partnerschaft für Demokratie“ die U-18-Wahl organisiert. Das Grundproblem war, dass alles in der ersten Schulwoche stattfinden musste. Abgegebene Stimmen: 232 (Schüler ab Klasse 8). Vorn lagen am Ende die Grünen mit 24,1 Prozent, gefolgt von FDP (19,8), CDU (17,2) und SPD (13,8) sowie Die Partei (6,0) und Linke (4,3).

Allmersbach im Tal Um jungen Menschen in den Stämmen des Diözesanverbands eine Stimme zu geben, organisierte der Arbeitskreis Politik der Pfadfinderinnenschaft St. Georg eine U-18-Wahl. Ein mobiles Wahllokal (Kleinbus) hielt vor dem katholischen Gemeindezentrum St. Martin in Allmersbach. Dort wurden aber nur zwölf Stimmen abgegeben, davon fünf für die Grünen und jeweils drei für die CDU/CSU und die SPD.

Murrhardt Am Mittwoch und gestern fand die „Juniorwahl“ am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium statt. Bei dieser Wahlsimulation können alle Schüler ab der 8. Klasse wählen. An diesem Projekt, das unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble steht und das seit 1999 vom Berliner Verein Kumulus organisiert wird, haben seit Beginn des Programms über 3,8 Millionen Schüler teilgenommen.

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Erstellt:
24. September 2021, 11:30 Uhr

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