Handwerksbetriebe kommen zum Teil gut durch die Krise

Kreishandwerkerschaft Rems-Murr informiert sich bei drei Handwerksbetrieben vor Ort über aktuelle Themen wie Lieferengpässe, Energiekrise und Fachkräftemangel. Die Firmen haben Erfolg, weil sie auf ihre Stärken setzen, wie das Feinwerkmechanik-Unternehmen Wolf in Oppenweiler.

Präsentation in der Fertigungshalle der Firma Wolf in Oppenweiler (von links): Technischer Leiter Joachim Nachtrieb, Peter Friedrich und Christoph Gräter (Geschäftsführung der Handwerkskammer Region Stuttgart) und Geschäftsführerin Sandra Wolf. Foto: Stefan Bossow

© Stefan Bossow

Präsentation in der Fertigungshalle der Firma Wolf in Oppenweiler (von links): Technischer Leiter Joachim Nachtrieb, Peter Friedrich und Christoph Gräter (Geschäftsführung der Handwerkskammer Region Stuttgart) und Geschäftsführerin Sandra Wolf. Foto: Stefan Bossow

Von Florian Muhl

Rems-Murr. Unter den Folgen des Ukraine-Konflikts und den damit verbundenen Problemen wie Engpässe bei Lieferketten und steigenden Preisen, vor allem im Energiesektor, leiden derzeit zahlreiche Unternehmen. Fachkräftemangel, Ausbildung und Nachhaltigkeit sind weitere Themen, wo oft der Schuh drückt. Viele Betriebe haben Existenzsorgen. Einige werden den Kampf ums Überleben nicht gewinnen können oder haben ihn bereits verloren.

Dem Feinwerkmechanik-Unternehmen Wolf aus Oppenweiler, das seinen Sitz hinter der Rüflensmühle hat, geht es dagegen vergleichsweise gut. Dieses Bild vermittelten jedenfalls Geschäftsführerin Sandra Wolf und Technischer Leiter Joachim Nachtrieb gestern ihren Gästen aus Stuttgart. Gemeinsam mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft Rems-Murr besuchten Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, Peter Friedrich, und sein Stellvertreter Christoph Gräter drei Handwerksbetriebe. Ziel der Gespräche vor Ort in Oppenweiler sowie Schorndorf und Plüderhausen (siehe Kasten) war der Meinungsaustausch mit den Akteuren vor Ort, die ihre Leistungen in den Branchen Metall beziehungsweise Lebensmittel und Elektrotechnik/Automation anbieten.

Das A und O ist günstiges Einkaufen

Lieferengpässe? Nein, die kennt die Firma Wolf nicht. Der Stahl, der gebraucht wird, ist gut zu bekommen. „Die Lieferanten haben derzeit ihre Lager voll und sind froh um jeden Auftrag“, sagt Joachim Nachtrieb, der seit Juni Technischer Leiter ist. Aufgrund der Krise habe er seine Anbieter etwas breiter gestreut und konzentriert sich nicht nur auf wenige. Jeder Lieferant bekommt einen Auftrag, so hält er sie bei Laune. Das A und O bei diesem Geschäft sei, günstig einzukaufen. Aber riesen Mengen an Material werden bei Wolf auch nicht verarbeitet. Alles ist Handarbeit und maßgefertigt, nichts kommt von der Stange.

Eines der Erfolgsrezepte ist auch die Kundennähe. Kurze Wege machen die Produkte günstiger. Denn der Transport der Gestelle, die Wolf hauptsächlich an Verpackungsmaschinenhersteller liefert, ist ein wesentlicher Kostenfaktor. Auch der Service ist bei Wolf ein Pluspunkt. „Wir gehen auf jeden Kundenwunsch ganz individuell ein“, sagt Sandra Wolf, die Tochter des 84-jährigen Seniorchefs Ernst Wolf.

Mund-zu-Mund-Propaganda hilft bei der Suche nach Mitarbeitern

Fachkräftemangel? Auch kein Problem. Man müsse nur wissen, wie man die Zielgruppe anspricht. „Wir suchen Fachkräfte mit Erfahrung“, sagt Sandra Wolf. Da kommen 20-Jährige kaum in Betracht. Gute Erfahrungen hat das Unternehmen mit einer Agentur gemacht, die dem Unternehmen Interessenten vorschlägt. „Und Mund-zu-Mund-Propaganda“, ergänzt die Unternehmerin. Auch das Abwerben sei eine Möglichkeit, an gute Leute zu kommen. Man müsse eben gute Gegenleistungen haben. Und das sei bei Wolf die Bezahlung, die 37-Stunden-Woche und ein abwechslungsreicher Arbeitsplatz ohne Bandproduktion. Allerdings die Energiepreise, „die drücken uns schon“, bekennt Sandra Wolf.

Fazit des Besuchstages: Die Vertreter der Handwerkskammer haben gestern drei Unternehmer besucht, die solide wirtschaften und in ihren Bereichen ihre Stärken ausspielen wie Kundennähe guter Service.

Vor Ort bei Metzgerei Kurz, Schorndorf, und Firma Herrmann, Plüderhausen

Fleisch und Wurst Die Metzgerei Kurz in Schorndorf beschäftigt 95 Mitarbeiter und verarbeitet bis zu 40 Tonnen Fleisch pro Woche. Die Rinder und Schweine kommen von Bauernhöfen aus allernächster Umgebung. Geschlachtet wird im Schlachthof Göppingen, verarbeitet wird das Fleisch in Schorndorf. Die branchenspezifischen Probleme wie Steigerung des Strom- und Gaspreises geht an dem Betrieb auch nicht vorbei. Zudem verzeichnet die Metzgerei ein Umsatzminus von zehn Prozent im Ladengeschäft wegen der Inflation beziehungsweise des Kaufkraftverlustes. Die Prämisse in diesem Betrieb ist, dass nur höchste Qualität über den Ladentisch geht. Das wird gewährleistet durch ein aufwendiges Qualitätsmanagementsystem. Insgesamt äußert sich Thomas Kurz sehr zufrieden mit der Situation.

Elektrotechnik Die Herrmann GmbH in Plüderhausen ist spezialisierter Anbieter und Lieferant von Produkten und Dienstleistungen im Bereich der Gebäudeautomation, Prüfstandsversorgung sowie Klima- und Kältetechnik. Michael Herrmann und Hansjörg Ludwig leiten das Unternehmen, das 92 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bieten Industriekunden wie Kliniken, Flughafen und Banken die Planung, Programmierung und Installation rund um dien Bereich Klima, Kälte, Heizung, Licht, Energieeffizienz an. Nachhaltig arbeiten sie, in dem sie intelligente Steuerungen und Fernwartung anbieten. Das zukunftsorientierte Unternehmen hat bei Einstellungen auch Studienabbrecher berücksichtigt und beste Erfahrungen gemacht: „Alles Top-Leute, alle noch da.“

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Erstellt:
26. Oktober 2022, 06:00 Uhr

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