Lagerwahlkampf im Feuerwehrhaus

Bundestagswahl 2021: Eine Woche vor der Wahl muss die CDU um den Wiedereinzug ins Kanzleramt bangen. Bei einer Veranstaltung in Spiegelberg versprühten die Backnanger Kandidatin Inge Gräßle und Innenminister Thomas Strobl dennoch Optimismus.

„Eine bessere als die Inge bekommen Sie nicht.“ Innenminister Thomas Strobl hält große Stücke auf die Backnanger CDU-Kandidatin Inge Gräßle.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

„Eine bessere als die Inge bekommen Sie nicht.“ Innenminister Thomas Strobl hält große Stücke auf die Backnanger CDU-Kandidatin Inge Gräßle.Foto: J. Fiedler

Von Gabriella Lambrecht

Spiegelberg. Verbrennermotoren, die Murrbahn, die Schuldenbremse und innere Sicherheit – das waren die Kernthemen der Wahlveranstaltung der CDU-Bundestagskandidatin Inge Gräßle gemeinsam mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Thomas Strobl. Trotz schlechter Umfragewerte zeigten sich sowohl Gräßle als auch Strobl optimistisch: eine Trendumkehr deute sich bereits an. Es werde wohl ein „Wimpernschlagduell“ und man wolle ja keine Umfrage gewinnen. „Wir gewinnen Wahlen“, so Strobl. Dass dabei der ländliche Raum eine gewichtige Rolle spielt, zeigte sich auch in der Wahl des Veranstaltungsortes: Nicht zentral auf dem Backnanger Marktplatz trat das Duo auf, sondern im Spiegelberger Feuerwehrhaus, die 20 Zuhörenden auf Bierbänken sitzend, ein Mikrofon war nicht nötig.

Inge Gräßle, die zur Eröffnung sprach, konnte mit ihren Themen bei den Gästen punkten. Der ländliche Raum liege ihr besonders am Herzen, sie wolle für einen direkten Dialog zwischen den Gemeinden und der Regierung sorgen, diese sollen „einen direkten Ansprechpartner in der CDU haben“.

Eines von Gräßles Kernthemen ist die Zukunft der Automobilbranche. Wegen der sehr hohen Zahl an Beschäftigten aus dem Wahlkreis in der Automobilbranche ließe sich das Auto auch als „unsere Cashcow“ bezeichnen, so Gräßle: „Ich glaube, dass der Verbrennungsmotor eine Zukunft hat“, beteuerte sie und stellte ein Konzept vor, dass vor allem auf synthetische Kraftstoffe setzt, zwar nicht klimaneutral sei, aber dennoch sehr klima- und vor allem auch mobilitätsfreundlich. Für eine bessere Mobilität möchte sie sich auch in Bezug auf die Murrbahn und den B-14-Ausbau einsetzen, denn man stelle jetzt die Weichen für die nächsten 40 Jahre. Es gehe um nichts weniger als „Wohlstand, Zukunft und Mobilität für den ländlichen Raum“. Inge Gräßle spricht mit Nachdruck, aber keineswegs in ihrer Rhetorik übertrieben. Ihre Ansprache ist in erster Linie an Sachargumenten ausgerichtet.

Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit bestätigt ihr im Anschluss auch Thomas Strobl, der sie schon seit über 30 Jahren kennt, unter anderem in ihrer Funktion als Landesvorsitzende der Frauenunion. Er preist ihre Kompetenzen auch im Bereich des Haushalts und der Finanzen, diese habe sie schon mehrfach mit einem prüfenden Blick im EU-Parlament bewiesen und stehe ihre Frau, auch dann wenn’s schwierig ist. „Glauben Sie mir, eine bessere als die Inge bekommen Sie nicht.“

Strobl machte deutlich, dass die Wahl enorm wichtig sei. Die ganze Welt schaue dabei auf Deutschland. Er konstatiert dabei zwei Lager, das der „Linksverschiebung“ und jenes der „bürgerlichen Regierung“. Wer Letzteres wünsche, müsse die CDU wählen. Wolle man die Linksverschiebung, „kann man eigentlich jede Partei wählen – Linke, Grüne, SPD“. Schließlich wolle nur die CDU die Schuldenbremse beibehalten und die Steuern nicht erhöhen. Die Linken wollten eine Vermögenssteuer, „und bei den Linken ist man schnell reich. Da wird alles zusammengerechnet“. Sehr deutlich zum Tragen kommt sowohl in Strobls Ansprache als auch im anschließenden Bürgerdialog die Abgrenzung zum „linken“ Spektrum, aber auch das Versprechen, die innere Sicherheit des Landes zu stärken. Von Aussagen, die die Polizei „unter Generalverdacht“ stellen, ein Rassismus-Problem zu haben, distanziert Strobl sich deutlich und erntet dafür Applaus und einige Lacher für die Anmerkung, dass dem einen oder anderen Linken schon unwohl werde, „wenn er nur eine Uniform sieht“.

Themen wie die Verfassungsmäßigkeit von 2G und die Impfgeschwindigkeit wurden seitens der Zuhörerschaft angesprochen und von Strobl aufgegriffen, ebenso die Frage eines anwesenden Kripobeamten im Bereich Cyberkriminalität nach der Vorratsdatenspeicherung. Strobl erklärte, er befürworte diese, etwa um Kinderpornografie zu verhindern. Um deren drastische Ausmaße aufzuzeigen, greift er zu einem gewagten Vergleich: „Das sind abscheuliche Dinge, da geht es nicht darum, dass einem 16-jährigen Mädle der Rock gelupft wird, da geht es um Dinge, die sind so scheußlich, die will man nicht sehen. Da kommt einem das Kotzen.“ Um solche Fälle zu lösen, befürworte er die Vorratsdatenspeicherung, ebenso zur Bekämpfung von Terrorismus, Extremismus und Hasskriminalität.

Die Zuhörenden scheinen Gefallen am Kurs Strobls zu haben, wünschten sich auch bei Armin Laschet, „dass er mal klare Kante zeigt“, so die Formulierung einer Zuhörerin und Firmenbetreiberin aus Sulzbach. Aber Strobl zeichnet die CDU nicht als Partei der Einzelkämpfer, sondern hebt auf das „super Team“ ab, mit Söder, Merz und Dobrindt, die alle den Wahlkampf von Armin Laschet unterstützen. Dass die Anwesenden wohl ohnehin vom Kurs der CDU überzeugt sind, merkt man an der Stimmung im Feuerwehrhaus. Schließlich bleibt noch der Aufruf Inge Gräßles, auch all jene zu überzeugen, die sich noch nicht entschieden haben, was sie wählen möchten.

Innenminister Thomas Strobl (CDU),
warnt vor einer „Linksverschiebung“ „Manchem Linken wird schon
unwohl, wenn er nur eine
Uniform sieht.“

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Erstellt:
17. September 2021, 06:00 Uhr

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