Lange Tradition und neue Trends

Wer an Weihnachtsmärkte denkt, der sieht sich vermutlich meistens mit einem Glühwein oder Punsch in der Hand dastehen. Wir haben mit Akteuren aus der Region darüber gesprochen, was das Heißgetränk ausmacht und welche neuen Entwicklungen es gibt.

Der Renner auf jedem Weihnachtsmarkt: der Glühwein. Foto: Adobe Stock/Joscha Nollet

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Der Renner auf jedem Weihnachtsmarkt: der Glühwein. Foto: Adobe Stock/Joscha Nollet

Von Lorena Greppo

Backnang/Aspach. Die Abende werden kälter, es wird früh dunkel – so langsam ist es Winter in der Region. Für viele die Zeit, in der sie sich abends einen Glühwein warm machen. „Glühwein ist erst interessant, wenn es so richtig kalt ist“, weiß Frieder Haar, Inhaber des Weinhauses Haar in Backnang. Insofern beginne die Saison des gewürzten Heißgetränks jetzt erst. Es sei „ein angenehmes Getränk mit langer Tradition, das zum Winter passt“. Im Sortiment seines Geschäfts finden sich verschiedene Winzerglühweine – die Region stehe diesbezüglich nicht schlecht da, findet er.

Zu finden ist unter anderem der Glühwein der Weingärtnergenossenschaft As-pach. Deren Vorstandsvorsitzender Günther Ferber erklärt, warum die WG sich dazu entschieden hat, selbst Glühweine anzubieten: „Wir haben den Glühwein auf verschiedenen Weihnachtsmärkten getrunken und fanden ihn meistens enttäuschend. Die meisten Glühweine sind bäbbig süß.“ Für die Wengerter war daher klar: Ein Glühwein in guter Qualität soll her.

2017 sei der erste rote Winzerglühwein der WG Aspach verkauft worden, erinnert sich Joachim Schöffler, der für Vertrieb und Marketing zuständig ist. „Angefangen haben wir in der Produktion mit einer kleinen Menge, die wir aber seitdem jedes Jahr verdoppelt haben.“ Das Heißgetränk kommt an. Wichtig sei hierbei auch: „Die Leute legen wieder mehr Wert auf Regionalität.“ Beim Glühwein der WG stammen alle Trauben aus den Aspacher Weinbergen. Günther Ferber sagt: „Wir sind sehr zufrieden mit unserem Glühwein. Das ist ein Faktor, den wir nicht mehr missen möchten.“

Die Rezeptur hat der Vorstand der

WG Aspach selbst zusammengestellt

Das Privatkundengeschäft laufe gut, auch noch relativ lange nach Weihnachten. In den vergangenen Jahren sei im Januar fast noch mehr Glühwein weggekommen als im Dezember – das habe mit dem Wetter zu tun gehabt. Allerdings habe sich vergangenes Jahr bemerkbar gemacht, dass die Weihnachtsmärkte fehlten.

Die Rezeptur hat der Vorstand der WG Aspach selbst kreiert. Wichtig sei dabei gewesen, dass der Glühwein am Ende nicht übermäßig süß ist, erklärt Ferber. Die Gewürzrezeptur bleibt die Gleiche, was die Weinsorten angeht, könne auch mal variiert werden, führt Schöffler aus, je nachdem, wie das Jahr im Weinberg verlaufen ist. Das merke der Kunde dann aber kaum: „Beim Glühwein Sorten rauszuschmecken ist fast unmöglich.“ Im Roten werden bei der WG Aspach Dornfelder und Acolon verwendet, für den Weißen, der sich seit Kurzem ebenfalls im Sortiment findet, kommt Kerner zum Einsatz. Seit dem vergangenen Jahr vertreiben die Aspacher auch einen Rosé, der sich jedoch – das sagt die Verordnung – nicht Glühwein nennen darf. Die WG hat ihn kurzerhand „Glühzeit“ getauft. Gemacht wird er aus Spätburgunder- und Trollingertrauben.

Mit ihren neuen Kreationen reagiert die WG Aspach auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre. „Die Weißen sind immer mehr im Kommen, wie auch bei den normalen Weinen“, weiß Günther Ferber. Dem könne man sich nicht verschließen: „Man muss mit den Trends gehen.“ Er selbst, verrät er, möge den klassischen roten Glühwein am liebsten, seine Frau hingegen trinke gerne den Rosé. Joachim Schöffler ist hingegen sehr vom Weißen angetan: „Das Ergebnis ist so, wie ich mir den gewünscht habe – hat einen feinen, eleganten Geschmack mit tollen Zitrusaromen.“

Dass die Nachfrage sich verändert, hat auch Frieder Haar in seiner Weinhandlung bemerkt: Der weiße Glühwein wird zunehmend beliebter. „Er ist etwas frischer und auch die Farbe ist ansprechend“, sagt der Experte. Seine Kunden fragen sowohl nach Winzerglühwein als auch nach Weinen, mit denen sie selbst Glühwein herstellen können. „Viele meiner Kunden beschäftigen sich intensiv mit den Zutaten in ihrer Küche und sind sehr kreativ darin, mit eigenen Gewürzen zu arbeiten“, so Haar. Sie greifen dann auf die Expertise des Weinhändlers zurück: „Weine mit wenig Gerbstoffen und schönem Körper eignen sich gut“, weiß der. Die Gewürze können dann je nach Geschmack zugegeben werden. Haar selbst trinkt seinen Wein wenig süß und mit etwas Zimt. Gelegentlich greife auch er zu einem Winzerglühwein.

Wer übrigens eine alkoholfreie Alternative zum Glühwein sucht, für den hat die Aspacher Firma Streker so manches im Angebot. Zwar ist mit der „Winterglut“ auch ein Glühwein in der Produktpalette des Fruchtsaftherstellers zu finden, dieser sorge aber vor allem für die Abrundung des Sortiments, so Geschäftsführerin Petra Streker. „Unser Schwerpunkt liegt auf alkoholfreien Produkten.“ Da habe man sich aber auch einiges für die Winterfans überlegt, neben dem klassischen Punsch „Winterstern“ gibt es beispielsweise auch einen Bratapfelsaft. Neue Sorten seien für das Familienunternehmen immer im Gespräch, sagt Petra Streker. „Der Verbraucher will Abwechslung.“ Allerdings gehe die Tendenz weniger zu weißem Glühwein oder Ähnlichem – „unsere erste Überlegung geht eher in Richtung Apfel, das ist unsere Stärke, dafür sind wir bei unseren Kunden bekannt“. Und wer es gerne alkoholisch mag, für den hat Petra Streker einen Tipp parat: „Mit Rum kann man alles abrunden.“

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Erstellt:
22. November 2021, 06:00 Uhr

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