Makler halten nichts vom Bestellerprinzip

Backnanger Wohnungsvermittler sprechen bei Barleys Plänen von einer Milchmädchenrechnung

Wer bestellt, der zahlt: So soll die Zukunft auf dem Immobilienmarkt aussehen, wenn es nach SPD-Politikerin Katarina Barley geht. Die Backnanger Makler wehren sich jedoch gegen die Neuerung, sehen weder Vorteile für Käufer, aber eine Gefahr für ihre Existenz.

Die Backnanger Immobilienmakler Robert und Karolin Kappler befürchten durch das Bestellerprinzip Umsatzeinbußen. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Backnanger Immobilienmakler Robert und Karolin Kappler befürchten durch das Bestellerprinzip Umsatzeinbußen. Foto: A. Becher

Von Sarah Schwellinger

BACKNANG. Was bei Mietwohnungen längst üblich ist – wer den Makler bestellt, der zahlt ihn auch – soll nun nach Plänen von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) auch für den Immobilienkauf gelten. „Ein eigenes Zuhause wird gerade für junge Menschen und Familien immer schwerer zu finanzieren. Oft müssen Käufer enorme Maklerkosten tragen, obwohl der Verkäufer den Makler beauftragt hat“, sagte Barley der Süddeutschen Zeitung. Damit will sie Käufer bei den Nebenkosten des Immobilienerwerbs entlasten.

In der Realität sieht das anders aus, da sind sich einige der in Backnang ansässigen Makler einig. Einstimmig finden sie: Das Bestellerprinzip ist nicht zu Ende gedacht, am Ende könnte es für den Käufer sogar mehr Nachteile haben. „Der durchschnittliche Verkäufer wird die Maklercourtage direkt auf den Verkaufspreis draufschlagen“, erklärt Robert Kappler, der zusammen mit seiner Frau Karolin das Unternehmen „Kappler Immobilien“ führt. Das heißt, Häuser und Wohnungen könnten zu einem vier bis sechs Prozent teurerem Verkaufspreis angeboten werden. „Das bedeutet für den Käufer, dass die Grunderwerbssteuer, der Notar und auch der Kredit teurer werden“, so Kappler. Somit sind die Käufer am Ende die Leidtragenden. Dieses Problem könnte sich auch auf private Verkäufe ausbreiten, gibt Rolf Kuschnertschuk, der seit 1988 im Familienunternehmen arbeitet, das bereits seit 56 Jahren besteht, zu bedenken: „Auch der private Verkäufer wird versuchen, den Spielraum für sich zu nutzen.“

Makler sollten Mittler zwischen Käufer und Verkäufer sein

Zudem sehen die Makler ihr Berufsfeld in Gefahr. Denn momentan verstehen sie sich klar als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer, wie auch Robert Kappler: „Wir sind zufrieden, wenn beide Parteien glücklich sind, wenn es für beide ein gutes Geschäft ist.“ Mit dem Bestellerprinzip könnte das Maklergeschäft einseitig werden, der Makler nicht mehr als unabhängiger Makler zwischen den Parteien vermitteln. „Der Käufer wird keine Beratungsleistung mehr erhalten und kann dann auch keine Unterstützung bei Preisverhandlungen erwarten“, so Kuschnertschuk. Ebenfalls haftet der Makler nicht mehr für Falschberatung und Fehlinformationen.

Jens Fischer, Geschäftsführer des Bonum Immobilienvertriebs, ist empört über den Vorschlag von Ministerin Barley und auch den Einwand der Grünen, die Courtage auf maximal zwei Prozent zu deckeln. „Wir leben allein von der Courtage“, so Fischer.

Seit 25 Jahren ist er in der Branche tätig und weiß: „Ich brauche die Courtage, um die Infrastruktur zu behalten.“ Er macht deutlich, dass es sich beim Raum Backnang nicht um Ballungsräume wie München oder Stuttgart handelt, wo Wohnraum heiß begehrt und die Wohnungen entsprechend teuer sind. Mit Wohnungen und Häusern in Richtung Sulzbach an der Murr, Mainhardt und Spiegelberg bewegt man sich weit unter den Standards, die in den Großstädten herrschen.

„Wir gehen mit jedem Objekt ein Risiko ein“, erklärt er. Was für sie als Makler dahintersteckt, habe die Politik nicht bedacht: „Zuerst muss ich das Objekt bewerten, mit dem Eigentümer einen Preis und eine Marketingstrategie festlegen, eine Einigung mit dem Käufer finden und den entsprechenden Vertrag vorbereiten“ – alles, bevor die Courtage auf dem Konto eingeht. Und von der werden unter anderem das Marketing und die Mitarbeiter bezahlt. „Mit zwei Prozent Courtage muss ich mir überlegen, wo ich kürze – am Ende bedeutet das wohl Arbeitsplatzabbau.“ Der Markt könnte sich so zu einer Plattform entwickeln, wo große Maklerbüros und die Frechen überleben, kleine und mittelständische Unternehmen haben da kaum mehr eine Chance.

„Eine Teilung der Provision wäre sinnvoll“

„Damit ist niemandem gedient“, findet auch Landesgeschäftsführer des Eigentümerverbands Haus und Grund Baden-Württemberg Ottmar Wernicke und bezeichnet Barleys Vorhaben als Milchmädchenrechnung. „Am Ende wird alles noch teurer und es entsteht ein Interessenskonflikt: Käufer wollen einen guten Preis, nicht das, was ihnen angedreht wird.“ Sinnvoll sei, letztendlich mehr Wohnungen zu bauen, mehr Fläche zu schaffen. Baden-Württemberg muss als Wirtschaftsstandort attraktiv bleiben, sonst hat das Land schnell ein Problem: „Wo keine Wirtschaft ist, da kommen keine Menschen hin, die Immobilienpreise fallen.“ Und das wirkt sich negativ auf Verkäufer und auch Makler aus.

Für die Makler gäbe es zwei sinnvollere Lösungen des Problems, als jene, die die Bundesjustizministerin vorschlägt. „Wir halten die Teilung der Provision zwischen Verkäufer und Käufer sinnvoll, wie es bereits in 75 Prozent der Märkte funktioniert“, schlägt Kuschnertschuk vor, „der Makler bleibt dann weiterhin der Mediator beider Parteien.“ Das ist auch im Sinne vom Eigentümerverband. Wernicke stimmt zu: „Wenn etwas zu ändern wäre, dann, dass beide Seiten zahlen.“ Somit wäre das Gleichgewicht zwischen Käufer und Verkäufer auch wieder hergestellt.

Alternativ könne doch der Staat ganz einfach die Käufer durch Senkung der Grunderwerbsteuer oder der Einführung eines familienfreundlichen Freibetrags entlasten, findet Rolf Kuschnertschuk. Das sieht auch Fischer so: „Eine Senkung der Grunderwerbsteuer würde das Problem lösen.“ Am Ende finden sie klare Worte: „Es ist eben mal wieder Wahl.“

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Erstellt:
25. März 2019, 06:00 Uhr

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