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Nahrungsangebot für Bienen und Insekten schwindet

Bienenforum Welzheim: Von 550 in Deutschland vorkommenden Bienenarten sind 31 vom Aussterben bedroht – Projekt „Blühender Naturpark“ soll gegensteuern

Um den Artenreichtum steht es nicht gut. Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten für Bienen, Insekten und Vögel werden auch in unserer Region knapp. Das Projekt „Blühender Naturpark“ soll gegensteuern. Die Projektleiter des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald wünschen sich blühende Wiesen in allen Naturpark-Gemeinden.

Um die Bienen ist es nicht gut bestellt. Dafür sind nicht nur die Varroamilbe und kühle Temperaturen im Frühling verantwortlich. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Um die Bienen ist es nicht gut bestellt. Dafür sind nicht nur die Varroamilbe und kühle Temperaturen im Frühling verantwortlich. Foto: J. Fiedler

Von Heidrun Gehrke

WELZHEIM. Uns blüht nichts Gutes, wenn wir die Innenstädte, Äcker und Wegränder nicht selbst zum Blühen bringen. „Aus Schmetterlingswiesen wird Einheitsgrün“, schlägt Robert Auersperg vom Landesnaturschutzverein Baden-Württemberg bei einer Infoveranstaltung zum Forum „Bienenweide“ in Welzheim Alarm. Das Wissenschaftsjournal Plos One hatte im Oktober 2017 mit Veröffentlichung einer Studie zum Insektenschwund in Deutschland die Öffentlichkeit wachgerüttelt. Wo sind all die bunten Wiesen hin – diese Frage scheint in den Köpfen angekommen zu sein, wie eine „Empfindsamkeits“-Umfage, die Dr. Philipp Unterweger von der Initiative Bunte Wiese aus Tübingen erwähnt, bestätige. Demnach hätten zwei von drei Befragten das Gefühl, dass die bunten Wiesen weniger werden.

Wer mit offenen Augen durch Städte und Dörfer spaziere und auf Feldwegen entlang radele, dem fallen vielmehr die vielen ungenutzten grünen Wiesenflächen auf: Sie werden „aus Gewohnheit oder Ideenlosigkeit Jahr für Jahr gemäht und gemulcht, dort will nicht mal mehr ein Hund drauf“, meint Unterweger, der ein Studenten-Projekt in Tübingen vorstellte, mit dem innerhalb eines Jahres 42 Wiesen neu angelegt wurden.

„In den Kommunen liegt viel Potenzial“, verdeutlicht Meika Bakker vom Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Sie meint mit Potenzial gemeindeeigene „Eh-da-Flächen“ entlang von Rad- und Fußwegen und auf Verkehrskreiseln, auf denen es mithilfe des Projekts „Blühender Naturpark“ wieder bunt blühen soll. Seit Projektstart im vergangenen Sommer geht der Naturpark zusammen mit dem Landesnaturschutzverband und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald aktiv auf die Kommunen zu. Blühende Feldwege, die früher selbstverständlich waren, sollen wieder entwickelt werden. 15 der 48 Naturpark-Kommunen machen mit, haben vergangene Herbst die ersten Wiesen angepflanzt und bieten mit Gräsern und Wildblumen dem Insektensterben Paroli.

Auersperg blickt zurück in die 1960er-Jahre, als Vögel durch den Einsatz des Insektizids DDT starben; schon damals seien Vogelsterben und Artenschwund thematisiert worden. „Etliche Umweltstandards haben sich seitdem verbessert, aber der Artenschwund ist unvermindert weitergegangen“, verdeutlicht er. Heute sorge die Agrarwirtschaft mit hohem Stickstoffeintrag, Pestiziden und Maisanbau für Monokulturen. Wo Kleinstrukturen, Flachlandmähwiesen und vernetzte Biotope verschwinden, gehe Insekten, Bienen und damit Vögeln das Futter aus. Um die Bienen sei es nicht gut bestellt: Von 550 in Deutschland vorkommenden Bienenarten seien 197 gefährdet, 31 vom Aussterben bedroht und 42 stehen auf der Vorwarnliste. „Dafür sind nicht nur die Varroamilbe und kühle Temperaturen im Frühling verantwortlich“.

Statt „Gärten des Grauens“ sollten Ackerrandstreifen gefördert werden

Die Projektmacher sind der einhelligen Meinung: Blühflächen beleben die ökologische Vielfalt und benötigen Starthilfe – das Projekt „Blühender Naturpark“ will eine solche sein und Gemeinden, Vereine, Verbände, Landwirte, Imker und Gartenbesitzer bei der Erhaltung und Neuschaffung von Standorten für Pollen- und Nektarpflanzen beraten und unterstützen. Jeder Gartenbesitzer könne etwas tun: Statt „Gärten des Grauens“ mit Steinbeeten und Lorbeergewächsen anzulegen, legt Auersperg ihnen nahe, Ackerrandstreifen zu fördern, auf den Kauf von Pestiziden in Baumärkten zu verzichten, die Gärten bienenfreundlicher zu gestalten, als Magerwiese zu pflegen und Wildwuchs zuzulassen. Das Gras auf der Wiese einfach mal wachsen lassen, spät mähen, nur einmal jährlich mähen, die Mahd abtransportieren und nicht im eigenen Garten dem makellosen Fußball-WM-Rasen hinterhereifern.

Seminare für jedermann Info Einheimische Saatmischungen haben den besten Effekt Gemeinden und Vereine im Naturpark können sich bis zum 23. Juli bei der Naturpark Geschäftsstelle melden und sich für das Bauhoftraining 2018/19 anmelden. Private Interessenten können sich ebenfalls bei der Geschäftsstelle melden: Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, Marktplatz 8, in 71540 Murrhardt, Telefon: 07192-213-886, E-Mail: info@naturpark-sfw.de, Internet: www.naturpark-sfw.de Geplant sind Seminare für Bauhofmitarbeiter und Vereinsmitglieder. Private Interessenten können, wenn es noch freie Plätze gibt, ebenfalls an diesem Seminar teilnehmen. Es geht darum, mehrjährige Blühflächen mit gebietsheimischem Saatgut anzulegen. Inhalte der Seminartermine sind zum einen die Anlage von Blühflächen und zum anderen die Pflege dieser Flächen. Es geht inhaltlich nicht darum, einen Privatgarten anzulegen. Hintergrund „Das Vorhaben, Blühstreifen und blühende Wiesen anzulegen, kann gut gemeint sein, aber der Effekt verpufft, wenn das unpassende Saatgut ausgesät wird“, sagte Lisa-Marie Funke vom Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Sie empfiehlt Gemeinden eine Mischung aus einheimischen einjährigen und mehrjährigen Saatmischungen. Einjährige Pflanzen haben gegenüber mehrjährigen Sorten den Vorteil, dass sich optisch schnell etwas tut: „Es sieht schön bunt aus, die Leute freuen sich“, so Lisa-Marie Funke, die aber die Erwartungen an die Farbbringer ausbremst. Neben höheren Herstellungskosten aufgrund des jährlichen Substrataustauschs sei das Nahrungsangebot für Insekten zeitlich begrenzt und nur für bestimmte Insekten ausgelegt. Viele Schmetterlingsraupen seien nicht an die „gebietsfremden Zuchtformen“ gewöhnt. Zudem werden einjährige Pflanzen vor dem Winter abgemäht: „Winterverstecke für Puppen fallen dadurch weg“, sagt Funke. Sie rät, einjährige Pflanzen nur an einzelnen prominenten Stellen zu säen und den mehrjährigen Pflanzen den Großteil der Blühfläche einzuräumen. Sie könnten sich auch an verunkrauteten Flächen etablieren und böten ein komplettes Futterspektrum, vom Sommer bis in den Herbst, sowohl für die Alleskönner Hummeln und Bienen als auch für Spezialisten wie Schmetterlinge. Entscheidend bei den Begrünungsformen ist die Anpassung der Pflege: Funke rät, nach dem Mähen die Mahd abtransportieren. So könnten sich Magerwiesen entwickeln. Diese Trockenstandorte sind im Vergleich zu nährstoffreichen Fettwiesen wichtige Lebensräume für Insekten und Wildbienen. Beim Mähen sollte man auch immer an die Nistmöglichkeiten für Kleintiere denken: „Niemals alles auf einmal abmähen, sondern immer etwas Nahrungsangebot übrig lassen.

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Erstellt:
25. Juni 2018, 06:00 Uhr

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