Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Ohne Gurt in den Tod

Auf der portugiesischen Insel Madeira verunglückt ein Reisebus, 29 Insassen sterben – unter ihnen sind 27 Deutsche

Als die Notretter beim verunglückten Bus eintreffen, finden sie nur fünf Personen angeschnallt auf ihren Sitzen. Nach den Ursachen des Unfalls am Mittwochabend wird weiter geforscht.

Madeira Es muss für die Nothelfer am Mittwochabend ein furchtbarer Anblick gewesen sein: Rund um den Reisebus, der kurz zuvor im Küstenort Caniço auf Madeira eine Böschung hinabgestürzt war, lagen Dutzende Leichen und Verletzte. „Nur fünf Personen, den Fahrer mitgezählt, waren im Bus“, berichtete der Koordinator des medizinischen Notfalldienstes auf Madeira, António Brasão, im staatlichen Fernsehen RTP. „Alle anderen Personen waren draußen, das heißt: Sie sind herausgeschleudert worden. Ich denke, dass sie nicht angeschnallt waren.“

Dieportugiesische Ferieninselstand am Karfreitag unter dem Einruck des folgenreichen Verkehrsunfalls: 29 Menschen starben, 27 wurden teils schwer verletzt. Außer dem verletzten Busfahrer und der verletzten Reiseführerin sind alle Opfer Deutsche. Noch werden die Toten identifiziert. Die im Krankenhaus liegenden 14 Deutschen, von denen keiner mehr in Lebensgefahr schwebt, werden frühestens am Samstag in die Heimat zurückgebracht. Außenminister Heiko Maas war am Gründonnerstag auf die portugiesische Atlantikinsel gereist und hatte an der Unglücksstelle einen Kranz niedergelegt. Er traf mit seinem Amtskollegen Augusto Santos Silva zusammen und dankte den Rettern.

Zugleich versucht die Polizei, die Ursache des Unglücks herauszufinden. Was sich sagen lässt: Wären alle Fahrgäste angeschnallt gewesen, hätte es mit hoher Wahrscheinlichkeit weit weniger Todesopfer gegeben.Zwei deutsche Reisende, Brigitte und Heinz Garden,berichteten dem portugiesischen Fernsehsender SIC, dass andere Passagiere durch den Bus geflogen seien. Sie selbst seien angeschnallt gewesen und hätten eine Schutzhaltung angenommen, wie man es im Flugzeug auf den Notfallkarten erklärt bekomme. Das Ehepaar kam mit vergleichsweise leichten Verletzungen davon. Sie spüre ihren Nacken, sagte Brigtte Garden, ihr Mann habe eine gebrochene Rippe. Aber: „Wir sind am Leben. Wir sind zusammen.“

In Reisebussen herrscht Anschnallpflicht, worauf der Fahrer zu Beginn der Fahrt aufmerksam machen sollte. Aber gerade deutsche Reisende, die seltener Überlandfarten im Bus unternehmen als zum Beispiel Spanier, vergessen das gerne. Der deutsche Unfallforscher Siegfried Brockmann sagte am Donnerstag im Gespräch mit dem MDR, dass sich in deutschen Reisebussen nur 20 bis 25 Prozent der Passagiere anschnallten. Ob tatsächlich nur fünf Leute den Sicherheitsgurt angelegt hatten, sollen weitere Nachforschungen ergeben.

Auch über die Ursache des Unglücks gibt es bisher nur Spekulationen. Die Fahrbahn ist an der Stelle, wo der Bus von der Fahrbahn abkam, in gutem Zustand, die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 Kilometer in der Stunde, und die Kurve ist nicht ungewöhnlich eng. Auch waren offenbar keine anderen Verkehrsteilnehmer beteiligt. Bleibt die Möglichkeit eines technischen Defekts – etwa eines verklemmten Gas- oder Bremspedals – oder die einer Unaufmerksamkeit des Fahrers.

Die Bundesregierung bot Portugal an, die verletzten Urlauber mit einem speziell für Krankentransporte ausgerüsteten Militärflugzeug nach Deutschland zu fliegen. Ein Sprecher des behandelnden Krankenhauses in der Inselhauptstadt Funchal erklärte, dass für eine Überstellung nach Deutschland keine medizinische Notwendigkeit bestehe. Wenn aber Angehörige oder Verletzte selbst den Wunsch danach äußerten, stehe dem nichts entgegen.

Zum Artikel

Erstellt:
23. April 2019, 10:18 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!