Pläne für Windräder im Waldgebiet Hörnle

In einem Waldstück bei Allmersbach im Tal sollen sich in einigen Jahren drei bis zu 285 Meter hohe Windräder drehen. In den Gemeinderäten von Backnang und Allmersbach haben die Projektpartner nun ihre Pläne vorgestellt.

Das Vorranggebiet mit der Bezeichnung RM-18 hat eine Gesamtgröße von 29 Hektar. Auf den schwarz markierten Flächen sollen insgesamt drei Windräder gebaut werden, zwei im östlichen, eines im westlichen Bereich. Karte: Verband Region Stuttgart

Das Vorranggebiet mit der Bezeichnung RM-18 hat eine Gesamtgröße von 29 Hektar. Auf den schwarz markierten Flächen sollen insgesamt drei Windräder gebaut werden, zwei im östlichen, eines im westlichen Bereich. Karte: Verband Region Stuttgart

Von Kornelius Fritz

Backnang/Allmersbach im Tal. Kurz vor Weihnachten hatten die Städte Backnang und Winnenden bekannt gegeben, dass sie im Waldgebiet Hörnle zwischen Allmersbach im Tal und Hertmannsweiler einen interkommunalen Windpark planen. Was sie dort genau vorhaben, erläuterten die Projektpartner dieser Tage in den Gemeinderäten von Backnang und Allmersbach im Tal. Die Backnanger Sitzung wurde begleitet durch Proteste von Windkraftgegnern. Wie die Gemeinderäte zu den Projekten stehen, ist hier zusammengefasst. Im Folgenden beantworten wir die wichtigsten Fragen zu dem Projekt.

Wer will den Windpark bauen?

Für Planung und Betrieb des Windparks soll eine Projektgesellschaft gegründet werden. Vier Partner wollen sich daran beteiligen, nämlich die Stadtwerke Backnang, die Stadtwerke Winnenden, die Firma Uhl Windkraft aus Ellwangen und die Hofkammer des Hauses Württemberg. Thomas Steffen, Geschäftsführer der Stadtwerke Backnang, spricht von einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Die Firma Uhl, die nach eigenen Angaben schon mehr als 200 Windkraftanlagen realisiert hat, unter anderem in Mainhardt und Sulzbach-Laufen, wird das Projekt auch federführend umsetzen. Die Hofkammer des Herzogs ist Eigentümerin der Waldflächen. Die Projektpartner haben den angrenzenden Gemeinden Allmersbach im Tal, Leutenbach und Berglen angeboten, sich ebenfalls an der Gesellschaft zu beteiligen. Ob diese davon Gebrauch machen werden, ist noch unklar.

Warum machen die Stadtwerke mit?

Bisher haben die Stadtwerke ihr Geld hauptsächlich mit dem Verkauf von Erdgas verdient. Doch fossile Energieträger verlieren an Bedeutung. Deshalb setzen auch die kommunalen Versorger verstärkt auf erneuerbare Energien. „Die Stadtwerke sind in einem Transformationsprozess, Windenergie ist dabei ein wesentlicher Baustein“, sagt Backnangs Erster Bürgermeister Stefan Setzer. Für Thomas Steffen spielt noch ein anderer Faktor eine Rolle. Da das Gebiet Hörnle als Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen werden soll, könnten dort auch andere Investoren tätig werden. Dann hätte Backnang zwar die Windräder, aber nichts von den Erträgen.

Wie viele Windräder sind geplant?

Auf dem insgesamt 29 Hektar großen Vorranggebiet könnten insgesamt drei Windräder entstehen. Zwei davon im östlichen Teil auf Winnender Gemarkung, eines auf einer Anhöhe weiter westlich auf Backnanger Gebiet. Laut Matthias Pavel von Uhl Windkraft sind Anlagen mit einer Nabenhöhe zwischen 175 und 200 Metern und einem Rotordurchmesser von 170 Metern geplant. Die Gesamthöhe der Windräder läge somit bei bis zu 285 Metern.

Warum wird im Wald gebaut?

Wie die meisten Vorranggebiete im Rems-Murr-Kreis befindet sich auch das Gebiet RM-18 im Wald. Laut Matthias Pavel ergibt sich das „zwangsläufig“. Denn zum einen gilt ein Mindestabstand von 800 Metern zu bewohntem Gebiet, zum anderen muss genügend Wind wehen. Die beste Ausbeute versprechen daher Standorte auf Anhöhen – und die sind in unserer Region meistens bewaldet. Der Bau der Anlagen wird dadurch allerdings aufwendig. Um sie aufzustellen, muss pro Windrad etwa ein knapper Hektar Wald gerodet werden. Die Hälfte davon kann allerdings wieder aufgeforstet werden, wenn die Anlagen in Betrieb sind.

Wie viel Strom soll erzeugt werden?

Nach Angaben von Uhl Windkraft hat jedes der drei geplanten Windräder eine Nennleistung von sieben Megawatt. In einer Stunde kann eine solche Anlage im Volllastbetrieb also bis zu 7000 Kilowattstunden Strom produzieren. Aber natürlich weht der Wind nicht immer so stark. Bei einer Betriebsdauer von geschätzten 2000 Stunden pro Jahr rechnen die Betreiber mit einem Gesamtertrag zwischen 36 und 42 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht dem durchschnittlichen Strombedarf von bis zu 14000 Haushalten.

Ist der Bau schon sicher?

Nein. Baubürgermeister Stefan Setzer spricht von einer ergebnisoffenen Prüfung. Dieses Jahr finden zunächst Voruntersuchungen statt. Neben Windmessungen wird auch eine Bestandsaufnahme der Flora und Fauna in dem Gebiet erstellt. Sollten dabei zum Beispiel besonders geschützte Tierarten entdeckt werden, die durch Windräder gefährdet wären, könnte das Projekt noch scheitern. Gleiches gilt, wenn die Windhöffigkeit zu gering sein sollte. „Am Ende muss es sich rechnen“, macht Jochen Mulfinger, Geschäftsführer der Stadtwerke Winnenden, deutlich.

Wann drehen sich die Windräder?

Auch wenn die Politik immer wieder betont, dass man die Genehmigungsverfahren beschleunigen wolle, dauert es nach wie vor mehrere Jahre, um einen Windpark zu realisieren. Zunächst muss der Investor auf eigene Kosten verschiedene Gutachten erstellen lassen, etwa zu Artenschutz, Lärm, Infraschall oder Schattenwurf. Das dauert mindestens ein Jahr. Weitere ein bis zwei Jahre nimmt das Genehmigungsverfahren durch das Landratsamt in Anspruch. Erst wenn der Genehmigungsbescheid vorliegt, können die Windkraftanlagen beim Hersteller bestellt und dann gebaut werden. Insgesamt dauert es also mindestens vier bis fünf Jahre, bis ein Windrad in Betrieb geht. Im Gebiet Hörnle wird es daher wohl frühestens im Jahr 2028 so weit sein.

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Erstellt:
8. Februar 2024, 06:00 Uhr

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