Riesenbaustelle im Quartier „In der Plaisir“ in Backnang

Die Stadt Backnang und die Stadtwerke investieren weit über vier Millionen Euro in neue Abwasserkanäle, Wasserleitungen, Straßenbeläge und Gehwege. Die Bauarbeiten sorgen in mehreren Straßenzügen im Norden der Stadt für mehr als zwei Jahre für umfangreiche Beeinträchtigungen.

Noch sind es nur Vorarbeiten, die zu sehen sind. Der erste richtige Eingriff betrifft demnächst im ersten Bauabschnitt die Straße In der Plaisir zwischen der Einmündung Lutherweg und Frankfurter Straße. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Noch sind es nur Vorarbeiten, die zu sehen sind. Der erste richtige Eingriff betrifft demnächst im ersten Bauabschnitt die Straße In der Plaisir zwischen der Einmündung Lutherweg und Frankfurter Straße. Foto: Alexander Becher

Von Matthias Nothstein

Backnang. Seit Montag gibt es eine weitere Baustelle in Backnang – und die hat es so richtig in sich. Betroffen ist geradezu ein gesamtes Quartier rechts und links der Straße In der Plaisir. Damit während der Bauphase der Verkehr im Backnanger Norden nicht vollends zum Erliegen kommt, werden zwar verschiedene Bauabschnitte gebildet, aber das hat auch zur Folge, dass sich die Maßnahmen voraussichtlich deutlich mehr als zwei Jahre bis Juli 2026 hinziehen werden. Betroffen sind folgende Straßen: In der Plaisir, Calvinstraße, Leipziger Straße, Frankfurter Straße, Münchener Straße, Kölner Straße, Hamburger Straße, Reuchlinstraße, Gerokstraße und Melanchthonweg.

Eines der größten Probleme wird die Parksituation werden. Und dazu hat die Stadtverwaltung bereits vor einem Jahr und zuletzt bei einer Bürgerinformationsveranstaltung erklärt, dass es keine Ersatzlösungen für die Anwohner geben wird. Das heißt: Die Anwohner all jener Straßen, in denen dann jeweils aktuell gearbeitet wird, müssen selbst schauen, in welchen Nachbarstraßen sie ein Plätzchen für ihr Gefährt finden. Dabei ist es jetzt schon schwierig bis gar unmöglich, einen freien Stellplatz zu ergattern.

Die Abwasserkanäle werden im Berstlining-Verfahren aufgebrochen und die Scherben ins angrenzende Erdreich verdrängt. Dann wird ein deutlich dickeres Rohr eingezogen. Foto: DWA-M/Stadt Backnang

Die Abwasserkanäle werden im Berstlining-Verfahren aufgebrochen und die Scherben ins angrenzende Erdreich verdrängt. Dann wird ein deutlich dickeres Rohr eingezogen. Foto: DWA-M/Stadt Backnang

Doch alles Jammern hilft nichts. Erster Bürgermeister Stefan Setzer und Tiefbauamtsleiter Lars Kaltenleitner bezeichneten die Arbeiten mehrfach als alternativlos. Es geht in erster Linie um Abwasserkanäle, die zum Teil schadhaft, undicht oder hydraulisch hoffnungslos überlastet sind. Insgesamt 790 Meter dieser Kanäle müssen ausgetauscht werden. In einigen Passagen wird dabei auch das Berstlining-Verfahren (siehe Infotext) eingesetzt, um die Beeinträchtigungen für die Bürger so gering wie möglich zu halten und um Kosten zu sparen.

Die betroffenen Straßenabschnitte werden jeweils voll gesperrt

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Die Baumaßnahme ist in insgesamt acht Bauabschnitte unterteilt. Weil jeweils Vollsperrungen der betroffenen Straßenabschnitte nötig sind, werden die Arbeiten in mehreren Phasen hintereinander ausgeführt. Die Stadtentwässerung Backnang, das Tiefbauamt Backnang die Stadtwerke Backnang und die Syna haben im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung die Fritz Müller GmbH aus Backnang mit der Ausführung der Arbeiten beauftragt. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme der Stadtentwässerung Backnang sowie des Tiefbauamts Backnang belaufen sich auf etwa 4,05 Millionen Euro.

Die Stadtwerke Backnang werden die Wasserversorgung in der Reuchlinstraße erneuern. Des Weiteren wird die Syna die Stromversorgung und die Deutsche Telekom die Breitbandversorgung in den Straßen In der Plaisir, Reuchlinstraße, Gerokstraße, Calvinstraße und Berliner Ring erneuern beziehungsweise erstmalig herstellen. Nach Abschluss der Arbeiten im Untergrund wird das Tiefbauamt Backnang die Straßenoberflächen und Gehwege In der Plaisir und in der Reuchlinstraße komplett neu herstellen. Im Zuge der Kanalbauarbeiten werden teilweise auch schadhafte Abwasseranschlusskanäle im privaten Bereich saniert. Die Kosten hierfür müssen laut Stadtverwaltung durch die Grundstückseigentümer getragen werden.

Zum Einsatz kommt sowohl die offene als auch die geschlossene Bauweise

Auf der Homepage der Stadt Backnang heißt es weiter: „Für die Anwohner im Baubereich werden vorübergehend der direkte Zugang und die Zufahrt zu ihren Grundstücken nicht möglich sein. Die Anwohner werden darüber durch die Bauleitung der Stadtentwässerung Backnang und durch die ausführende Firma rechtzeitig informiert.“ Die Erneuerung erfolgt zum einen in offener Bauweise und teilweise in geschlossener Bauweise im erwähnten Berstlining-Verfahren. In der offenen Bauweise werden auf einer Länge von rund 495 Metern und in einer Tiefe von 2,7 bis 4,5 Metern neue Abwasserrohre mit einem Durchmesser von 31 bis 45 Zentimetern verlegt. Beim Berstlining-Verfahren werden über eine Länge von rund 295 Metern und in einer Tiefe von 2,7 bis 3,9 Metern neue Abwasserrohre mit einem Durchmesser von 25 bis 29 Zentimetern verlegt. Zudem werden 21 neue Schachtbauwerke erstellt. Während der Bauphase ist die häusliche Abwasserentsorgung laut Stadtverwaltung zu jeder Zeit sichergestellt.

Die Durchmesser der Rohre werden deutlich vergrößert

Berstlining Das Berstlining-Verfahren hat den Vorteil, dass die Straße nicht aufgegraben werden muss. Vielmehr wird dabei ein konischer Berstkörper aus gehärtetem Stahl durch den Kanal gezogen. Das Besondere: Der Konus ist viel größer als das Rohr. Dieses birst, die Scherben werden in das umliegende Erdreich gepresst.

Neue Leitung Im gleichen Arbeitsgang wird ein neues Rohr in den aufgeweiteten Berstkanal eingezogen. So kann zum Beispiel im Extremfall ein Rohr mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern zu einem Kanal von 30 Zentimetern aufgeweitet werden und das, ohne die Straße aufzugraben. Damit dies gelingt, müssen am Anfang und am Ende der Baustrecke Schächte ausgehoben werden. In ihnen findet die Technik Platz, die den Konus durch das Rohr zieht. In den Baugruben werden je nach Erfordernis statische Zuglafetten (Zugeinheiten) mit einer Zugkraft von 40 bis 250 Tonnen eingesetzt.

Anwendung Das Verfahren wurde in Backnang schon mehrfach angewandt, etwa bei der Kanalerneuerung in der Hasenhälde und in der Bromberger Straße. Die Erfahrungen damit waren so gut, dass die Backnanger Verwaltung nun wieder darauf setzt. Aber das Verfahren ist nicht überall praktizierbar. Lars Kaltenleitner, der Leiter des Backnanger Amts für Tiefbau, sagt dazu: „Die Technik ist überall dort geeignet, wo es wenig Hausanschlüsse und Einlaufschächte gibt, denn um solche anzuschließen, müsste die Straße trotzdem aufgegraben werden.“

Beispiel In der Frankfurter Straße wird das bestehende Steinzeugrohr mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern von einem Berstkörper mit einem Außendurchmesser von 39 Zentimetern aufgebrochen. Im gleichen Zuge wird ein neues Rohr aus Polyethylen mit einem Außendurchmesser von 35 Zentimetern eingezogen. Zum Einsatz kommt die Technik auch in der Kölner und Münchener Straße.

Bauabschnitte Die Baumaßnahme ist in acht Bauabschnitte unterteilt. Die einzelnen Abschnitte und deren Ausführungszeiträume sind auf der Homepage der Stadt in einem Lageplan dargestellt.

Kontakt Während der Baumaßnahme steht den Anwohnern als Ansprechpartner Markus Dohmann vom Tiefbauamt Backnang zur Verfügung. Kontakt: 07191/894-275 oder markus.dohmann@backnang.de

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Erstellt:
11. April 2024, 06:00 Uhr

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