Riesenschlangen krank und tot aufgefunden
Die Stadt Stuttgart ist auf eine katastrophale Haltung von Reptilien gestoßen. 47 Tiere wurden gefunden.
© Stadt Stuttgart
Eines der geretteten Tiere
Von Christine Bilger
Stuttgart - Animal Hoarding, das massenhafte nicht artgerechte Halten von Tieren, kennt man meist von Hunden, Katzen oder Kaninchen. Einen etwas anderen Fall hat die Stadt Stuttgart nun gemeldet: Fachleute der Veterinärbehörde und der unteren Naturschutzbehörde haben Riesenschlangen in einem Wohnhaus gefunden. Die Bedingungen beschreiben die Experten mit „katastrophal“. 13 Tiere waren tot, 34 krank und ausgehungert. Die Stadt hatte nach Hinweisen aus der Bevölkerung das Wohnhaus aufgesucht. Bei der Ankunft drang schon Verwesungsgeruch von den toten Tieren aus dem Haus. Es wird nun gegen die Halter wegen des Verdachts auf Straftaten gegen den Tier- und Artenschutz ermittelt.
Die längste der toten Schlangen maß 1,60 Meter. Die noch lebenden seien abgemagert und lethargisch gewesen. Die Haltungsbedingungen insgesamt stuften die Verantwortlichen als „inakzeptabel“ ein, weshalb die sogenannte Fortnahme der Tiere angeordnet wurde. Sie kamen nach München in eine spezielle Auffangstation für Reptilien – ein klassisches Tierheim ist für solche Exoten nicht ausgestattet.
Die Leiterin der Stuttgarter Veterinärbehörde fand deutliche Worte: „Nach Zahl und Zustand der Tiere ist dies bei Reptilien der gröbste Verstoß seit Jahren“, sagt Jana Lohmann. Die Haltung von Reptilien sei nicht so verbreitet wie etwa die von Katzen und Hunden. Die meisten, die sich für diese Tiere entscheiden, arbeiteten sich gut ein und hätten ein besonderes Interesse. In den zurückliegenden drei Jahren habe man in Stuttgart nur bei sechs Schlangen und drei Schildkröten wegen schlechter Haltung eine Fortnahme anordnen müssen, sagte Lohmann.
Münchner Experten von der Auffangstation kamen nach Stuttgart, um die Tiere artgerecht zu versorgen und transportieren. Am Ziel angekommen, habe sich ihnen bei der Eingangsuntersuchung „ein Bild des Schreckens“ geboten. Markus Baur, der Leiter der Auffangstation, sagte: „Wir bekommen hin und wieder ein Tier, das schlecht beieinander ist, aber dieser Bestand ist das Schlimmste, was wir seit Jahren gesehen haben.“ Baur ist Fachtierarzt für Reptilien.
Dass die Behörden eingegriffen haben, nennt er einen „Volltreffer für den Tierschutz. „Das ist ein Lichtblick für die verbleibenden Tiere. Es ist aber noch nicht abzusehen, wie viele überhaupt überleben werden.“ Man habe bereits ein Tier eingeschläfert, weil ihm nicht mehr zu helfen war.
Auch die weiteren Tiere seien in „teilweise verheerendem Zustand“, viele seien ausgemergelt und „pergamentartig ausgetrocknet“, schilderte Baur. In ihrer neuen Umgebung hätten sie sich „auf die bereitgestellten Wasserschalen regelrecht gestürzt und verlassen sie gar nicht mehr.“ Neben der Unterversorgung stellten die Veterinäre auch Narben, Verletzungen und Abszesse fest, auch ein starker Parasitenbefall liege vor, der wohl schon lange nicht mehr behandelt worden sei. Die Mehrzahl der Schlangen leide aufgrund dessen an Blutarmut, verursacht durch Milben. Eine Laboruntersuchung werde nun zeigen müssen, ob Viruserkrankungen hinzu kommen. Das mindere die Überlebenschancen der Schlangen noch weiter.
