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Schnelle Busse nehmen langsam Fahrt auf

Probleme wegen falscher Antennen gehören inzwischen der Vergangenheit an – Busbeschleunigung soll Fahrtzeiten minimieren

Die Probleme mit der Busbeschleunigung, die seit dem Betreiberwechsel Anfang des Jahres zum Teil für große Verärgerung gesorgt haben, gehören der Vergangenheit an. Dies hofft zumindest Gisela Blumer, Leiterin des Backnanger Rechts- und Ordnungsamts. Sie bestätigte, dass nun bis auf einen alle Busse mit der korrekten Hardware ausgestattet sind. Und auch der letzte Bus wird nächste Woche auf Vordermann gebracht.

Die Opti-Kreuzung in Waldrems war lange Zeit ein Sorgenkind und sorgte für große Verspätungen auf der Linie 36. Erst funktionierte die Busbeschleunigung nicht, dann wurde auch noch die Verkehrsführung wegen der B-14-Baustelle geändert. Zudem nutzte anfangs noch der Individualverkehr die Donaustraße in Fahrtrichtung Heiningen, obwohl diese seit März nur noch für den Busverkehr offen ist. Derzeit flutscht es dort. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Die Opti-Kreuzung in Waldrems war lange Zeit ein Sorgenkind und sorgte für große Verspätungen auf der Linie 36. Erst funktionierte die Busbeschleunigung nicht, dann wurde auch noch die Verkehrsführung wegen der B-14-Baustelle geändert. Zudem nutzte anfangs noch der Individualverkehr die Donaustraße in Fahrtrichtung Heiningen, obwohl diese seit März nur noch für den Busverkehr offen ist. Derzeit flutscht es dort. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Mit dem neuen Busbetreiber, der Friedrich Müller Omnibus GmbH (FMO) sollte ein neues Buszeitalter in Backnang anbrechen. Moderne Busse, neue Linien, engere Takte und ausgeweitete Nutzungszeiten. Es schien, als könnten im Raum Backnang paradiesische Zustände für den ÖPNV anbrechen.

Doch dann kam es ganz anders. Der Fuhrpark schien zusammengewürfelt zu sein. Zumindest waren etliche Busse aus vielen anderen Städten in der Murr-
Metropole im Einsatz, weil die neuen so schnell nicht geliefert werden konnten. Zudem rumpelten etliche ältere Modelle über die Straßen. Auch die Fahrer hatten noch manch ein Defizit. Und vieles mehr hakte. Aber zu allem Überfluss funktionierte auch die Busbeschleunigung nicht. Und das sorgte bei den Fahrgästen und der Stadtverwaltung gleichermaßen für großen Unmut.

Während der Fuhrpark Stück für Stück erneuert wurde und sich bei den anfangs überforderten Fahrern nach wenigen Wochen Routine einstellte, krankte es an der Busbeschleunigung bis zuletzt. Dies irritierte Blumer besonders auch deshalb, weil diese Technik kein Neuland ist, sondern viele Jahre bereits gut funktioniert hat. Sie erinnert daran, dass die Busbeschleunigung schon 1997 auf den BK-Bus-Linien zusammen mit den Firmen OVR und RBS eingeführt worden ist. Damals gab es Zuschüsse vom Land, „wir waren ein Pilotprojekt“, so Blumer.

Technik ermöglicht grüne Welle nahezu als Dauerzustand

Dank der Busbeschleunigung sollen die Ampeln so geschaltet werden, dass sie grün zeigen, sobald sich ein Bus nähert. Dazu senden die Busse Signale an Anmeldepunkte, die wiederum die Ampelsteuerung beeinflussen können. Sozusagen eine grüne Welle als Dauerzustand.

Als FMO im vergangenen Jahr bei der Vergabe der Buslinien für den Raum Backnang zum Zug kam, stellte die Stadt Backnang dem Unternehmen alle für die Busbeschleunigung benötigten Daten zur Verfügung, schließlich war diese ein wesentlicher Bestandteil der Ausschreibung. In der Folge wurden die Busse mit den erforderlichen Antennen ausgestattet. Als dann erste Probefahrten im Raum Backnang vorgenommen wurden, stellte sich heraus, dass die Sender nicht richtig funktionierten. Albrecht Dünkel, FMO-Betriebsmanager für den Raum Backnang, erklärt hierzu: „Die Umstellung war ein riesiger Kraftakt für die Betreiber und Hersteller der Busse. Es mussten viele Komponenten bedacht werden. Uns fiel es erst kurz vor Weihnachten bei Probefahrten auf, dass die falschen Antennen eingebaut waren. Dies konnte von uns gar nicht früher bemerkt werden.“ Eine Erklärung für das Malheur hat Dünkel nicht. Er war früher bei RBS beschäftigt und ist bei FMO erst seit Kurzem verantwortlich, „ich kann ihnen nicht sagen, wie es dazu gekommen ist“.

Aufgrund der beträchtlichen Störungen beauftragte FMO daraufhin ein Ingenieurbüro, sie zu beraten. Mit Erfolg. Inzwischen sind die korrekten Antennen bei nahezu allen 30 FMO-Bussen eingebaut und in Betrieb, ebenso bei den Fahrzeugen der drei Subunternehmer. Und in der Tat ist die Kritik am Busverkehr und den vielen Verspätungen in den vergangenen Wochen auch abgeflaut. Nun geht es an die Feinheiten und Optimierungen, so Blumer. Wenn sie sagt, „es fehlen immer noch Kleinigkeiten“, meint sie inzwischen nicht mehr die Hardware. Vielmehr spielt sie etwa auf den richtigen Zeitpunkt an, bei dem die Antennen das Signal auslösen. Dabei geht es um die Frage, wo die Anmeldepunkte optimal platziert werden. Eine Aufgabe, der sich Backnangs Bauhofleiter Roland Stampfl leidenschaftlich verschrieben hat. Der richtige Zeitpunkt soll metergenau berechnet werden.

Blumer betont die hohe Priorität, die der ÖPNV bei der Stadt hat: „Wir werden alles daran setzen, dass der ÖPNV gut funktioniert.“ Die Stadt hat dabei nicht nur das Wohl der Fahrgäste im Auge, sondern auch die Luftreinhaltung. Je mehr Bürger das Auto stehen lassen, umso eher können Fahrverbote verhindert werden.

Kommentar
Armutszeugnis

Von Matthias Nothstein

Die Tatsache, dass ein Busunternehmen Fahrzeuge auf die Straßen schickt, bei denen ein wichtiges Detail zur Schaffung von Kundenzufriedenheit fehlt, ist eine Frechheit. Zumal die Busbeschleunigung ein wesentliches Element der Ausschreibung war. Die Kritik fällt bei der Stadt Backnang natürlich nicht so drastisch aus, zumindest nicht öffentlich, schließlich will man es sich mit dem Betreiber nicht verscherzen. Immerhin: Dem Vernehmen nach soll es hinter verschlossenen Türen heftig gekracht haben. Das ist auch verständlich. Erinnert das Vorgehen des Busunternehmens doch eher an eine Bananenrepublik. Da werden Antennen in die Busse eingebaut, die nicht korrekt senden können. Zumindest nicht so, dass die angestrebte Beschleunigung funktioniert.

Nun gut, so etwas kann Anfängern bei einer so großen Umstellung passieren. Nur ist die Bahntochter FMO kein Anfänger. Und was noch schlimmer ist: Wenn der Fehler schon passiert, dann sollte es im Interesse aller Beteiligten sein, das Malheur so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen. Die Stadt hat hierbei scheinbar ihre Hausaufgaben gemacht und ständig, die Rede ist sogar von mehrfach täglich, Nachbesserungen und Ersatz gefordert. Dass es dann aber mehr als fünf Monate dauert, bis die richtigen Antennen in den Bussen montiert wurden, das ist nicht nur in den Augen der genervten Busnutzer ein Armutszeugnis.

m.nothstein@bkz.de

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Erstellt:
11. Juni 2019, 06:00 Uhr

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